Smartphone

Huawei P30 Pro im Test

Mit seinen 2019er Spitzenmodellen P30 und P30 Pro setzt Huawei neue Standards bei der Smartphone-Fotografie. Mit seinem optischen Fünfach-Zoom stellt das Pro einen Rekord auf und ist die erste Wahl für alle Fotoliebhaber. Wir haben das Smartphone im Test.

Inhalt
  1. Huawei P30 Pro im Test
  2. Huawei P30 Pro: Display, Messwerte und Fazit
Huawei P30 Pro

© Huawei

Huawei P30 Pro

EUR 975,00

Pro

  • moderne Optik mit gebogenem Display und winziger Notch
  • Fingerabdrucksensor im Display
  • OLED mit exzellenter Darstellung
  • Quad-Kamera mit 5-fach-Zoom
  • exzellente Fotoqualität in jeder Lichtsituation, auch im Dunkeln
  • intuitives Betriebssytem
  • sehr gute Akkulaufzeit
  • induktive Powerbank und Schnellladen mit 40 Watt
  • gute Funkeigenschaften
  • Dual-SIM

Contra

  • Kamera-Einheit steht knapp zwei Millimeter heraus
  • Klinkenbuchse fehlt
  • Akustik nur befriedigend

Fazit

connect-Testurteil: sehr gut (444 von 500 Punkten)
88,8%

Huawei schwimmt auf einer Welle des Erfolges. Im letzten Jahr konnte man über 200 Millionen Smartphones verkaufen, davon allein 16 Millionen P20 und P20 Pro. Das entspricht einem Wachstum von mehr 20 Prozent, was im Smartphone-Markt eine Hausnummer ist. Die P-Serie bildet das Rückgrat des Portfolios, weil sie zum einen im margenstarken Hochpreissegment angesiedelt ist, zum anderen als technologisches Aushängeschild den Markenkern unterstreicht.

Eine zentrale Rolle spielt die Fotografie. Selbst Profi-Fotografen zollen den von Huawei und Leica entwickelten Kamerasystemen Respekt, auch weil die Phones schon früh das RAW-Format unterstützt haben. Das 2019er-Spitzenmodell P30 Pro stellt wieder die Kamera in den Vordergrund – und zieht wieder an der Konkurrenz vorbei.

Testsiegel connect sehr gut

© WEKA Media Publishing GmbH

Das Huawei P30 Pro erhält im connect Test die Note "sehr gut".

Die Kameras brauchen Platz

Das herausragende Kamerasystem hat allerdings einen Nachteil: Beim P30 Pro steht die Optik fast zwei Millimeter aus dem Gehäuse. Und weil Huawei sie nicht mittig auf der Rückseite positioniert (wie beim Mate 20), sondern in einem Streifen rechts, kippelt das Phone, wenn es auf dem Tisch liegt. Bei Samsungs S10-Modellen harmoniert die Triple-Optik besser mit dem Gehäuse. Bei Huawei schafft nur eine Schutzhülle Abhilfe. Die gehört allerdings nicht zum Lieferumfang.

Bei der neuen P-Serie liegen nur wenige Beigaben im Karton: einfache Ohrstöpsel, Netzteil und USB-Kabel. Beim P30 Pro, das im Gegensatz zum P30 keine Klinkenbuchse hat, fehlt sogar ein USB-C-auf-Klinke-Adapter. Positiv: Beim P30 ist auf dem Display bereits ab Werk eine Schutzfolie aufgeklebt.

Preis ab 999 Euro

Das Huawei P30 wird in Deutschland mit 128 GB für 749 Euro verkauft und bewegt sich damit auf einer Höhe mit dem Galaxy S10e. Das P30 Pro kostet 999 Euro mit 128 GB, für die uns vorliegende 256-GB-Variante muss man 1.099 Euro berappen. Beide sind mit einem hybriden Steckplatz ausgestattet, der entweder eine zweite SIM-Karte oder eine Speicherkarte schluckt; allerdings keine Micro-SD, sondern Huaweis proprietäre Nano Memory Card.

Huawei P30 und P30 Pro

© Huawei

Das Huawei P30 hat einen Klinkenanschluss, beim P30 Pro fehlt dieser.

Die rechtsseitige Anordnung der Optik übernehmen die P30-Modelle von den Vorgängern, auch das übrige Design mit Glasrückseite und eloxiertem Aluminiumrahmen orientiert sich daran. Haptik und Verarbeitung sind einmal mehr exzellent. Beim Rahmen haben die Designer ganze Arbeit geleistet: Er ist an den langen Seiten ergonomisch gerundet. Die kurzen Seiten oben und unten wurden dagegen so plan geschliffen, dass man das Gerät senkrecht aufstellen kann.

Im direkten Vergleich wirkt das Pro mit dem gerundeten Display moderner als das P30. Das ist im Gegenzug für einen 6,1-Zöller erfreulich kompakt, weil das Display überall an den Rand reicht. Huawei verzichtet beim P30 auf eine IP68-Zertifizierung, was wir für einen Fehler halten. In dieser Preisklasse kann der Kunde erwarten, dass sein Phone auch einen kurzen Tauchgang übersteht. Das P30 Pro ist entsprechend gerüstet.

Huawei P30 Pro Kamera

© Huawei

Huawei baut die Telekamera quer ins Gehäuse und verschafft dem Linsensystem so mehr Platz für eine längere Brennweite. Möglich macht dies ein Prisma, das den Lichtstrahl um 90 Grad reflektiert.​

Neues Kamerasystem

Das P30 Pro ist das erste Smartphone weltweit, das mit einer langen Brennweite von 125 Millimetern einen fünfachen optischen Zoom ermöglicht. Um die Anordnung der Linsen in dem dünnen Smartphone-Gehäuse zu realisieren, kommt ein Periskopsystem zum Einsatz, wie man es aus U-Booten kennt. Ein ähnliches System hat Oppo bereits 2017 auf dem Mobile World Congress gezeigt, aber nie zur Serienreife geführt. Kein Wunder, die Anordnung der Linsen und die proportional zur Brennweite zunehmende Anfälligkeit für Verwackler stellen allerhöchste Anforderungen an die Ingenieurskunst und setzen besonders präzise Fertigungstechnologien voraus.

Huawei und Leica ist das Kunststück gelungen und das Ergebnis beeindruckt. Uns ist kein Smartphone bekannt, das eine vergleichbare Zoom-Qualität bietet. Andere Modelle wie das iPhone oder Samsungs Galaxy S10+ müssen digital skalieren, um eine ähnliche Vergrößerung zu erreichen, was sich in einem sichtbaren Abfall der Bildschärfe bemerkbar macht. Das P30 Pro macht dagegen glasklare Fotos – allerdings mit einer Einschränkung: Weil das Licht eine längere Strecke zurücklegen muss, ist der Sensor nicht besonders lichtstark (Blende f3.4), was bedeutet, dass die Lichtverhältnisse gut sein müssen. Bei Dämmerung oder in schlecht ausgeleuchteten Räumen knickt der Fünfach-Zoom ein. Huawei kocht eben auch nur mit Wasser.​

Huawei P30 Pro Weitwinkel und Zoom

© connect

Das P30 Pro deckt einen Brennweitenbereich von 16 bis 125 Millimetern ab und eröffnet damit neue Möglichkeiten der Smartphone-Fotografie. Man kann großflächige Landschaftsaufnahmen machen und Details heranzoomen, ohne die Position zu wechseln. Die Qualität der Zoom-Optik ist richtig gut.

Flankiert wird der Periskop-Zoom von einer Ultra-Weitwinkel-Optik mit 20 Megapixel (16 Millimeter) und einer Weitwinkel-Optik mit 40 Megapixel. Diesen Aufbau kennt man bereits von dem im Oktober 2018 vorgestellten Mate 20 Pro. Beim P30 Pro kommt aber ein vierter Sensor hinzu, eine sogenannte TOF-Kamera (Time of Flight), die dazu dient, Abstände im Raum zu vermessen. Sie soll nicht nur die Qualität bei Porträtaufnahmen mit unscharfem Hintergrund hochscrauben. Möglich wird es damit auch, die Genauigkeit von AR-Anwendungen enorm zu verbessern. Ein Beispiel dafür ist die Huawei-App „AI Measure“, mit der man Möbelstücke und andere Objekte auf den Milimeter genau vermessen kann, einfach indem man mit dem Smartphone draufhält.

Wir haben viel mit dem P30 Pro fotografiert und haben keine gesteigerte Qualität bei Porträts feststellen können, hier hat Huawei also noch Luft nach oben. Was sich aber sagen lässt: Die Qualität von Ultra-Weitwinkel-Aufnahmen wurde im Vergleich mit dem Mate 20 Pro verbessert, Lensflares treten weniger auf, in den Randbereichen sind die Verzerrungen und Detailverluste nicht mehr so ausgeprägt. Auch die Standard-Brennweite macht einen Sprung, hier ist die Qualität bei schlechten Lichtverhältnissen verbessert. Unser Fazit fällt deutlich aus: Die Kombination aus Bildqualität, Einstellungstiefe und Brennweitenspielraum macht das P30 Pro zum Nonplusultra der Kamera-Smartphones. Auf diesen Berg müssen die anderen noch klettern.

Huawei P30 Pro Nachtmodus vs. iPhone XS Max

© connect

Nachtfoto mit P30 Pro (oben) und iPhone XS Max (unten): Der Blick von einer Terrasse zu nächtlicher Stunde zeigt, was Huawei anderen Herstellern wie Apple und Samsung voraus hat. Selbst in einer dunklen Umgebung gelingen verwacklungsfreie und stimmige Bilder. Prädikat: Herausragend.

Hinzu kommt ein Nachtmodus, der bereits auf der P20-Serie im letzten Jahr für Furore sorgte und auf den Nachfolgern noch einmal verbessert wurde. Die P30-Modelle sehen mehr im Dunkeln als die meisten anderen Smartphones. Verantwortlich dafür ist neben verbesserten Algorithmen auch ein neuer Bildsensor, bei dem der Bayer-Filter, der quasi seit Jahrzehnten definiert, wie Farbinformationen verarbeitet werden, weiter entwickelt wurde. Huawei hat hier ein ganz großes Fass aufgemacht und in der klassischen Rot-Grün-Blau-Matrix Grün durch Gelb ersetzt, weil diese Farbe ein größeres Spektrum hat, was im Endeffekt die Lichtausbeute für den Sensor erhöht.

„Um das zu realisieren, mussten wir den kompletten Kamera-Stack neu entwickeln, was mit sehr viel Aufwand verbunden war“, erklärte Arne Henkelmann, der Leiter der Smartphone-Produktplanung Europa bei der Präsentation der neuen Smartphones. Dieser Aufwand hat sich gelohnt, so viel ist schon mal sicher. Bei der Smartphone-Kamera gibt Huawei für die gesamte Branche die Marschrichtung vor, und wer bei der Kamera keine Kompromisse eingehen möchte, kommt um das P30 nicht herum.

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