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Huawei P40 im Test

Die günstigere Alternative zu Huaweis Top-Smartphone P40 Pro überzeugt mit starker Kamera und handlichem Formfaktor.

© Huawei / Montage: connect

Die günstigere Alternative zu Huaweis neuem Pro-Flaggschiff überzeugt vor allem mit Kamera und Handlichkeit. Was bleibt, ist das bekannte Software-Problem.

Pro

  • handlicher Formfaktor und hohe Anfassqualität
  • Kamerasystem mit vielen Einstellungen und toller Bildqualität
  • umfassende Connectivity inklusive 5G
  • 23-Watt-Netzteil und Displayfolie im Lieferumfang
  • modernes Betriebssystem mit hoher Update-Frequenz
  • sehr gute Akkulaufzeit

Contra

  • 90-Hertz, Qi und IP68 fehlen
  • keine Google-Dienste und dadurch geringere App-Auswahl und Funktionalität
  • mobiles Bezahlen nicht möglich

Fazit

connect-Urteil: gut (419 von 500 Punkten)
83,8%

Die Preisdifferenz zum Flaggschiff P40 Pro beträgt 200 Euro. Und da stellt sich natürlich zuerst die Frage, welche Lücken in der Ausstattung diese Summe rechtfertigen. Es sind erfreulich wenige. Am schwersten wiegt der Verzicht auf den Qi-Standard, drahtloses Aufladen ist also nicht möglich.

Huawei ist damit allerdings nicht alleine, von wenigen Ausnahmen abgesehen bleibt Qi auch 2020 den teuren Highendern an der Spitze des Portfolios vorbehalten. Eine IP68-Zertifizierung findet man hingegen auch in tieferen Preisregionen, das P40 muss trotzdem ohne sie auskommen.

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Testsiegel connect gut

Die meisten werden gut damit leben können, denn IP53 weist das Smartphone als immun gegen Wasserspritzer aus. Der Output des Netzteils sinkt von 40 auf 23 Watt, was die Zeit bis zu einer vollen Aufladung von circa 80 auf etwa 110 Minuten erhöht.

Die Abstriche bei der Kamera sind verkraftbar, wenn man nicht ständig mit dem Ultraweitwinkel und der Zoomoptik arbeitet. Eine größere Rolle im Alltag spielt dagegen das Display, das aus messtechnischer Sicht schlechter abschneidet, also nicht die gleiche Darstellungsqualität bietet.

Schwer vermisst haben wir auch eine hohe Bildwiederholrate von 90 Hertz – wer sich einmal an das damit verbundene weichere Scrolling gewöhnt hat, will davon nicht mehr weg. Das Panel liegt zudem plan auf und ist zu den Seiten hin nicht gebogen, was breitere Ränder zur Folge hat.

Kritisieren lässt sich das aber nur schwerlich, denn es gibt viele Menschen, die mit dem „randlosen“ Display fremdeln, weil die Wahrscheinlichkeit für Fehleingaben höher ist.

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86,2%
Mit dem P40 Pro gelingt Huawei das Kunststück, ein herausragendes Kamerasystem in ein handliches Format zu pressen.

Nach dem Erstkontakt wird sofort klar, wo die große Stärke des P40 liegt. Wir sprechen hier nicht von der für Huawei typischen hohen Anfassqualität und tadellosen Verarbeitung, sondern von der kompakten Bauform.

Das P40 spielt in einer Größenklasse mit dem iPhone 11 Pro und dem Galaxy S20, kostet aber weniger und bietet gleichzeitig das bessere Kamerasystem. An dieser Stelle möchten wir auch das gelungene Design hervorheben:

Die zu den Rändern gebogene Glasrückseite sieht in den mattierten Varianten „Blush Gold“ und „Silver Frost“ einfach umwerfend aus. Einzig die mit 2,1 Millimeter besonders weit herausstehende Kameraeinheit trübt den guten Eindruck etwas – sie lässt das P40 deutlich auf dem Tisch kippeln und macht sich unter Umständen in der Tasche bemerkbar.

© Huawei / Montage: connect

Das P40 wird nicht nur in Silver Frost angeboten, sondern auch in den Farben Blush Gold und Black

Modernes, effzientes 5G-SoC

Ein weiterer großer Pluspunkt betrifft den leistungsstarken Chipsatz: Der Kirin 990 von der Huawei-Tochter HiSilicon integriert nicht nur den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern ist mit seiner „Neural Processing Unit“ (NPU) auch für zeitgemäße Anwendungen rund um künstliche Intelligenz optimiert. Damit gelingen Tricks wie das nachträgliche Herausrechnen von Spiegelungen oder von Passanten im Hintergrund des Fotos fast schon spielerisch.

Die Connectivity ist auf Höhe der Zeit und gibt dem Nutzer höchste Flexibilität: Man kann entweder eine zweite Nano-SIM oder eine eSIM betreiben, zu 5G-Funk gesellen sich WiFi 6, Bluetooth 5.1 (leider ohne aptX) und USB-C 3.1 – mit einem entsprechenden Adapter kann man das Smartphone ohne großen Aufwand mit einem Monitor oder TV verbinden und entweder Filme oder Präsentation darüber laufen lassen oder wie mit einem Desktop-PC arbeiten.

Diese Funktion unterstützen nur die Spitzenmodelle von Huawei. Die Chinesen sind neben Samsung (DeX) die Einzigen, die dies für Smartphones anbieten. Dass der Kirin 990 sehr effizient mit den begrenzten Smartphone-Energiereserven umgehen kann, hat bereits das P40 Pro gezeigt (Laufzeit 10:04 Stunden), und das kleinere Schwestermodell schließt hier nahtlos an.

9:55 Stunden zeigt die Stoppuhr beim connect-Laufzeittest, ein sehr guter Wert, der auf den Alltag umgerechnet mit etwa anderthalb Tagen ohne Steckdose gleichzusetzen ist, bei weniger intensiver Nutzung können auch zwei Tage drin sein.

Die Funkeigenschaften sind durch die Bank gut, hier zeigt der Daumen ebenfalls nach oben. Beim Telefonieren fällt die vergleichsweise niedrige Lautstärke auf, da sind andere Smartphones besser.

Das gilt auch für die Ausgangsspannung über die USB-C-Schnittstelle – für den Betrieb von per Klinkenadapter (nicht im Lieferumfang) angeschlossenen Highendkopfhörern empfiehlt sich das P40 damit nicht. Stereolautsprecher fehlen ebenfalls, aber Huawei ist noch nie eine Marke für besonders audiophile Nutzer gewesen, ganz im Gegensatz etwa zu Sony.

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Deshalb lässt sich darüber auch ganz gut hinwegsehen, selbst in der Summe sind die beschriebenen Schwächen verkraftbar. Ein ganz anderes Kaliber hat aber die fehlende Google-Unterstützung, denn auch das P40 geht ohne die App-Vielfalt des Play Stores in den Verkauf.

Weil zudem alle Banken auf Googles Sicherheitsroutinen setzen, funktionieren auch keine Banking-Apps und mobiles Bezahlen ist nicht möglich. Huawei arbeitet mit Hochdruck an Ersatz, so soll der hauseigene Bezahldienst Huawei Pay in diesem Jahr in Deutschland starten, zudem lassen sich beliebte Apps wie Whats-App und Facebook auch ohne Google bequem auf dem Smartphone installieren.

Aber das App-Angebot in Huaweis AppGallery ist nach wie vor eingeschränkt, und wer sich an Google Maps oder Google Docs gewöhnt hat, muss sich umstellen. Das ist eine schwere Hypothek für ein 800-Euro-Smartphone, selbst wenn es eine überragende Kamera in einem besonders kompakten Gehäuse bietet. Xiaomi und Oppo bieten auch gute Hardware bei voller Google-Kompatibilität.

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Herz des Kamerasystems ist ein 50-Megapixel-Sensor mit rekordverdächtiger Fläche.

Kamera mit XXL-Sensor

Im Vergleich mit dem Pro muss das P40 Federn lassen, Huawei verzichtet auf den ToF-Sensor und den hochauflösenden Ultraweitwinkel, der optische Zoomfaktor schrumpft von Fünffach-Periskop auf Dreifachstandard.

Aber das zentrale Element des Kamerasystems bleibt weiterhin der 50-Megapixel-Sensor IMX700, der größer ist als alles, was bisher in Smartphones eingebaut wurde. Qualitativ gehört das P40 damit zur Crème de la Crème der Kamerasmartphones 2020, mit überdurchschnittlichen Ergebnissen in unserem Kameratest, bei wenig Licht (190 Lux) wird die maximale Punktezahl erreicht.

Wenn man die kompakte Bauform und die vielseitige Software mit sehr gutem Portrait- sowie Profi-Modus in die Betrachtung einbezieht, dann hat Huawei hier ein Optimum geschaffen: Eine handlichere Smartphonekamera mit besseren Fotoeigenschaften ist weit und breit nicht in Sicht.

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