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Kopfhörer

Sennheiser HD 660 S im Test

Bei Sennheisers HD 660 S steht nicht das Design, sondern die Klangqualität im Vordergrund. Ob der Kopfhörer das Erbe des legendären HD 650 antreten kann, zeigt der Test.

Sennheiser HD 660 Seitansicht

© Sennheiser

Sennheiser HD 660 S

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EUR 423,00

Pro

  • gute Klangqualität
  • spielt neutral und präzise
  • angenehme Passform
  • universelle Verwendbarkeit

Contra

  • nur bedingt mobiltauglich

Fazit

Stereoplay Testurteil: gut- sehr gut (76 Punkte); Klang: Spitzenklasse (52 Punkte); Preis/ Leistung: herrvorragend
Gut

Sage und schreibe 14 Jahre ist es jetzt schon her, dass sich der HD 650 bei stereoplay beweisen musste. 2003 wurde der Kopfhörer auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vorgestellt und musste kurze Zeit später zum Test antreten. Stereoplay bescheinigte Sennheisers damaligem Topmodell hervorragende Klangeigenschaften: Er zeichne sich durch „exemplarische Natürlichkeit und Verzerrungsfreiheit“ aus, zudem würden ihn „mehr Details, bessere Auflösung und ein genauerer und dennoch tieferer Bass“ von seinem 1997 erschienenen Vorgänger HD 600 abheben. Auch für die „angenehme Passform“ und die „universelle Verwendbarkeit“ wurde er gelobt. Völlig zu Recht bekam er deshalb auch das begehrte stereoplay-Highlight verliehen. Dass der Kopfhörer danach zur lebenden Legende avancieren sollte, hatte man damals aber wahrscheinlich noch nicht geahnt.

450 Euro kostete der HD 650 seinerzeit, was für einen Kopfhörer verhältnismäßig teuer war. Das unterstreicht die audiophilen Ambitionen, die er schon damals hatte. Von den vierstelligen Summen, die heutzutage im Spitzenbereich bedenkenlos aufgerufen werden, war man zu dieser Zeit noch weit entfernt. Trotz des Preises erfreute sich der HD 650 großer Beliebtheit, die bis dato ungebrochen ist. Und zwar nicht nur unter Musikliebhabern, sondern beispielsweise auch in Wissenschaft und Forschung: Dort gelten HD 600 und HD 650 wegen des besonders ausgewogenen Frequenzgangs und der hohen Impulstreue als zweckmäßige Alternative zu hochklassigeren, aber auch wesentlich teureren Kopfhörern, wie zum Beispiel den Elektrostat-Systemen von STAX. Außerdem schätzt man die beiden Modelle, die immer noch ein wichtiger Bestandteil von Sennheisers aktuellem Kopfhörer-Portfolio sind, für ihre Robustheit und Langlebigkeit.

Stereoplay Highlight 03/2018

© stereoplay

Stereoplay Highlight 03/2018

Bewährtes und Neues 

Als designierter Nachfolger tritt der HD 660 S also ein besonders schwieriges Erbe an. Sennheiser setzt deshalb vor allem auf Bewährtes, sodass sich das neue Modell auf den ersten Blick kaum von seinen Vorgängern unterscheidet: Die Grundform des Kopfhörers mit großen, ovalen Hörmuscheln, bequemen Ohrpolstern und einem großzügig gepolsterten Kopfbügel wurde genauso übernommen wie die offene Bauweise mit der rückseitigen Gehäuseabdeckung aus Drahtgitter. Passend zu Sennheisers aktuellem Designkonzept ist die Oberfläche jetzt allerdings durchgehend in zeitlosem Mattschwarz gehalten. 

Ein kleines Detail ist aber wirklich gut gelungen und lässt den HD 660 S um einiges eleganter erscheinen: Das Gitter hat jetzt eine leichte Kontur erhalten und trägt auf beiden Seiten ein kleines, silbernes Herstellerlogo. Das dezente Merkmal sieht edel aus und hat zusätzlich den Vorteil, dass man beim Aufsetzen nicht mehr so leicht die Seiten verwechseln kann, wie es bei den Vorgängern oft passiert ist. Damit hebt sich der HD 660 S an entscheidenden Stellen also doch ab und kann sich wirklich sehen lassen!

Auf technischer Seite setzt Sennheiser ebenfalls auf Bewährtes: Nach wie vor werden die Treiber mit großer Sorgfalt paarweise selektiert, um Abweichungen im Übertragungsmaß auf ein Minimum zu reduzieren. Der Hersteller gibt an, auf diese Weise eine Fertigungstoleranz von weniger als ±1 dB zu erreichen. Ein hochoptimiertes Magnetsystem und extrem leichte Aluminium-Schwingspulen gewährleisten einen besonders präzisen und impulstreuen Antrieb. Außerdem wurde die Membran durch ein feines Edelstahlgewebe verstärkt, um noch mehr Kontrolle über das Treiberverhalten zu gewinnen. So kann der HD 660 S auch im stereoplay-Messlabor glänzen. Selbst bei einem relativ hohen Wiedergabepegel von 100 dB sind nur geringfügige Verzerrungen im Bassbereich sichtbar. Ansonsten liegt die gemessene Klirramplitude unterhalb der Darstellungsgrenze.

Sennheiser HD 660 S Anschlüsse

© Sennheiser

Zwei steckbare Kabel und ein Adapter bieten verschiedene Anschlussvarianten.

Mobiltauglich oder nicht? 

In einem technischen Aspekt unterscheidet sich der HD 660 S jedoch von seinen Vorgängern: Seine Nennimpedanz hat sich halbiert. Mit angegebenen 150 Ohm und gemessenen 179 Ohm soll er sich besser für den Betrieb an mobilen Geräten eignen. Im Lieferumfang ist deshalb auch gleich ein passender Adapter von großer auf kleine Klinke enthalten. Allerdings zeigte sich, dass man die Lautstärke am Smartphone ziemlich weit aufdrehen muss, um den Kopfhörer auf Touren zu bringen. Die flotten Läufe der japanischen Jazz-Pianistin Hiromi gab der HD 660 S dabei zwar mit großer Präzision wieder, wirkte aber doch etwas angestrengt. Wer den Kopfhörer also unterwegs nutzen will, sollte auf jeden Fall einen leistungsfähigeren Spielpartner in Betracht ziehen, zum Beispiel einen tragbaren HiRes-Player mit nicht zu schwacher Ausgangsstufe. 

Nicht nur wegen des gehobenen Leistungsbedarfs, sondern auch wegen der offenen Bauweise ist der HD 660 S also eher nur bedingt mobiltauglich. Am Kopfhörerverstärker lief der Sennheiser dagegen zur Höchstform auf. Jetzt spielte er Hiromis Klavierpassagen nicht nur exakt, sondern auch mit selbstverständlicher Leichtigkeit. Selbst der Bassist Anthony Jackson und der Schlagzeuger Simon Phillips, die Hiromi auf ihrem Album „Alive“ begleiten, konnten den HD 660 S nicht aus dem Tritt bringen, obwohl sie ihn stellenweise ziemlich herausforderten. Der Sennheiser blieb immer souverän und schaffte es, allen drei Instrumenten angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Für einen so offenen Kopfhörer zeigte er sich auch überraschend stark im Bass, vermied es aber, dabei zu übertreiben. Dadurch gelang es ihm, ein neutrales sowie stimmiges Klangbild zu erzeugen und das Jazz-Trio mit überzeugender Natürlichkeit darzustellen.

Sennheiser HD 660 S Frontansicht

© Sennheiser

Sennheiser HD 660 S

Mehr als drei 

Auch mit größeren Besetzungen kam der Kopfhörer problemlos zurecht. Bei Anton Rubinsteins Ballettmusik zur Oper „Der Dämon“ (von der stereoplay-CD „HIGH END Reference Tracks“, 06/2017) fächerte der HD 660 S das Orchester sowohl tonal als auch räumlich auf und räumte jedem Musiker seinen eigenen Platz auf der Bühne ein. Feine Details arbeitete er sauber heraus, wobei er jedoch eher auf der analytischen als auf der brillanten Seite blieb. Der HD 660 S bietet damit eine erstaunliche audiophile Qualität zu einem erstaunlich fairen Preis. Ob er damit auch den Erfolg seines Vorgängers HD 650 wiederholen kann, wird sich zeigen. Das Zeug dazu hat er allemal!

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