Neue Smartphone-Marke Sharp drängt nach Deutschland

Sharp Aquos C10 und D10 im ersten Test

3.9.2018 von Andreas Seeger

Sharp ist in Japan bei Android-Phones Marktführer. Jetzt will man auch in Deutschland durchstarten, dabei sollen die herausragenden Displays helfen. Wir haben uns Aquos C10 und D10 angeschaut.

ca. 2:45 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Sharp C10 und D10
Das Aquos C10 gibt es schon länger in Deutschland, neu erhältlich ist das D10 (rechts) für 399 Euro.
© Hersteller

Der Eintritt von Sharp in den deutschen Smartphone-Markt fand eigentlich bereits im Juli 2018 statt, seitdem kann man die Modelle Aquos C10 (299 Euro) und B10 (299 Euro, nur im Bundle mit einem TV) kaufen. Damals gab es keine große Presseankündigung, die Geräte waren plötzlich bei deutschen Händlern im Angebot. So viel Understatement sieht man selten.

Auf der IFA hatten wir die Möglichkeit, mit Matthias Mittelviefhaus zu sprechen, der bei Sharp das europäische Smartphone-Geschäft verantwortet.  Er erklärte uns, dass man behutsam in den Markt eintreten wolle und dabei eine langfristige Strategie verfolge. In der Tat zeigen japanische Unternehmen in der Regel einen langen Atem, einmal getroffene Entscheidungen werden ungern kurzfristigen Marktschwankungen angepasst, sondern stattdessen über mehrere Jahre durchgezogen. Das Smartphone-Geschäft kennt Mittelviefhaus gut, von 2011 bis 2016 hat er die Privatkundensparte von Huawei in Deutschland mit aufgebaut.

Foxconn als Backend

Sharp gehört mittlerweile zu Foxconn, dem weltgrößten Hersteller von Unterhaltungselektronik, der unter anderem Apple (iPhone) und Sony (Playstation) zu seinen Kunden zählt. Mit einem solchen Backend ist ein erfolgreicher Eintritt in den europäischen und deutschen Markt zwar immer noch ambitioniert, aber nicht unmöglich, zumal Sharp im Heimatmarkt Japan Marktführer bei Android ist und über eine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich Display verfügt (der erste LCD-TV kam von Sharp).  

Sharp C10
Beim C10 (299 Euro) ist die Notch tropfenförmig.
© Hersteller

Bei Smartphones legen die Japaner den Produktschwerpunkt dementsprechend auch auf das Display. Auf der IFA wurde mit dem Aquos D10 ein Mittelklasse-Smartphone für 399 Euro gezeigt, neben den bereits erhältlichen C10 und B10. Das D10 und das C10 haben ein Aquos-Display mit Full-HD+ verbaut – dabei steht die Marke Aquos für eine besonders gute Darstellungsqualität in Form von hohen Kontrasten und Farbbrillanz. Unter Messebedingungen ließ sich das schwer überprüfen. Fakt ist aber:  Die Displays reichen überall fast bis an die Gehäusekante, die Notch für Kamera und Sensorik fällt klein aus. Beim C10 sind 87,5 Prozent der Frontseite von Display bedeckt, beim D10 sogar 91 Prozent. Das ist verdammt viel und sieht beeindruckend aus, vor allem auch, wenn man den niedrigen Preis im Hinterkopf behält.

Sharp D10
Das Aquos D10 hat zwei Kameras mit 12 und 13 Megapixel auf der Rückseite.
© Hersteller

Sharp Aquos D10

  • Gehäuse: 148 x 74 x 8 Millimeter, 165 Gramm
  • Display: 6 Zoll, 18:9, LCD, 2160 x 1080 Pixel, Gorilla Glas 3
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 630
  • System: Android 8.0 mit Sharp UI
  • Speicher: 64 GB ROM, 4 GB RAM
  • Kamera: Dual-Optik mit 12 Megapixel und 13 Megapixel, Frontkamera mit 16 Megapixel
  • Akku: 2900 mAh
  • Sonstiges: Gesichtserkennung, Dual-SIM, USB-C-Schnittstelle, KEINE Klinkenbuchse, USB-C-auf-Klinke-Adapter im Lieferumfang

Sharp Aquos C10

  • Gehäuse: 141 x 72 x 8 Millimeter, 140 Gramm
  • Display: 5,5 Zoll, 17:9, LCD, 2040 x 1080 Pixel
  • CPU: Qualcomm Snapdragon 630
  • System Android 8.0 mit Sharp UI
  • Speicher 64 GB ROM, 4 GB RAM
  • Kamera: Optik mit 12 Megapixel, Frontkamera mit 8 Megapixel
  • Akku 2700 maH
  • Sonstige: Dual-SIM, USB-C-Schnittstelle, KEINE Klinkenbuchse, USB-C-auf-Klinke-Adapter im Lieferumfang

Keine Update-Garantie

Die Smartphones sehen sehr gut aus, sind top verarbeitet und technisch in ihrer Preisklasse konkurrenzfähig. Installiert ist Android 8 in einer kaum modifizierten Form. Zum Thema Updates konnte Mittelviefhaus keine konkreten Angaben machen – Versionsupdates seien zwar in der Diskussion, aber sie seien eben auch ein Kostenfaktor. Ein Software-Support über mehrere Jahre wie bei den Android-One-Phones von Nokia ist bei Sharp also zum aktuellen Zeitpunkt nicht garantiert. Wir halten das für einen nicht unerheblichen Nachteil.

Nokia ist übrigens ein gutes Stichwort. Denn am Wiederaufstieg der Marke mit Android-Smartphones und Feature Phones ist Foxconn maßgeblich beteiligt. Der chinesische Elektronikgigant scheint im Moment eine mehrgleisige Strategie zu verfolgen und es ist sehr wahrscheinlich, dass er daran noch ein paar Jahre festhält. Weitere neue Smartphones von Sharp für den deutschen Markt werde es in diesem Jahr nicht geben, erklärte Mittelviefhaus im Gespräch. Wir gehen davon aus, dass es im nächsten Jahr auch ein paar Highender von Japan nach Deutschland schaffen. Auch Nokia hat sich schließlich vom Mittelklasse-Einsteiger-Segment in die Oberklasse vorgearbeitet.

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