Plattenspieler

Der Technics SL-100C im Test

2.3.2022 von Andreas Günther

Längst sehen nicht mehr alle Technics-Plattenspieler wie Disko-Dreher aus. Auch der neue SL-100C kommt ohne DJ-Kult aus. Eine schöne Sache für alle, die zu vielen Knöpfen und Reglern misstrauen. Aber klingt er auch?

ca. 4:25 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
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Der Technics SL-100C ist der ideale Technics Plattenspieler für Sparfüchse.
© Technics

Pro

  • gute Verarbeitung und tolles Finish
  • gute Klangperformance
  • höhenverstellbare Füße

Contra

  • Tonabnehmer ist ein Nadelöhr

Fazit

Das stereoplay-Gesamtfazit: 63 Punkte; Preis/Leistung: gut - sehr gut

Die HiFi-Welt schaue auf diesen Plattenspieler. Er ist der Enkel, nein der Ur-Enkel, des legendären 1210ers von Technics. Der Archetyp eines Direkttrieblers wurde beim Wiederaufstieg SL-1200G genannt und highendig positioniert. Also pirscht sich Technics jetzt mit dem SL-100C immer weiter an die kleineren Preise heran. Viele Marktbeobachter meinten, unterhalb dieser 1000-Euro-Markierung ließe sich aus Gründen der Produktionskosten nicht weiter grasen.

Der SL-1500C kratzte bereits daran, verwirrte Fans aber mit dem eingebauten Phonoverstärker. Genau diesen hat der SL-100C nicht. Der Laufwerksaufbau dagegen ist identisch. Hinten finden wir einen Anschluss für einen Kaltgerätestecker. Bedeutet: Die komplette Motorsteuerung mitsamt Netzteil sitzt im Chassis. Vor allem gefällt das Finish. Alles wirkt wie aus einem Guss. Der 1500er kommt im Silberschimmer daher. Den L-100C gibt es nur in Schwarz.

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Hinten gibt es einen Anschluss für Kaltgerätstecker.
© Josef Bleier

Natürlich mit Headshell

Vier höhenverstellbare Füße bringen die Gesamterscheinung ins Lot. Rund zehn Kilogramm stehen vor uns. Auf der Oberfläche erkennen wir den typischen S-förmigen Tonarm von Technics wieder. Dieser hat ein kardanisches Lager und ist mit einer Konstruktion aus „ABS Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymer-Kunststoff“ vereint, dazu noch über Glasfasern versteift. Natürlich hat er die abnehmbare Headshell. Hier kann man ohne Justage Systeme mit SME-Anschluss einbauen, etwa das Ortofon Concorde Anniversary 40.

Über wenige Handgriffe lässt sich auch die Basis des Tonarms verstellen und damit dem VTA anpassen. Es gibt auch eine Zugabe: So hebt eine Halbautomatik den Arm am Ende der Plattenseite an. Das schont den Diamanten. Der Motorantrieb ist identisch zum SL-1500C, aber um etliche Details leichter als beispielsweise beim großen SL-1200G. Das ist natürlich ein Direkt-Antriebsmotor mit eisenkernlosem Antrieb. Auf der Webseite findet man eine Explosionszeichnung. Ein Lagergehäuse, eine große Statorspule, ein mächtiger Magnet unter dem eigentlichen Teller.

Technics SL-1200G

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Das montierte System stammt aus der Einsteigerserie von Audio-Technica und trägt die Bezeichnung AT-VM95C, das C im Namen deutet den konischen Schliff des Diamanten an. Das ist ein guter Klangwandler der neuesten Generation, hier aber fehl am Platz. Das System kostet einzeln 40 Euro! Tipp: Nicht in Aufregung verfallen und alternative Tonabnehmer suchen. In der VM95- Serie gibt es diverse Nadeleinschübe mit aufwendigerem Schliff, die man einfach austauschen kann, ohne neu justieren zu müssen.

Shibata als Option

Zum Beispiel den AT-VM95SH (braun) mit Shibata-Schliff (um 180 Euro). Damit gibt es, so viel sei verraten, ein komplett neues audiophiles Lebensgefühl, einen Push an Informationen und ein sehr smoothes Musizieren. Dieses Upgrade sollte man direkt mit einplanen, der deutliche Klangsprung ist das Geld wert. Wir hörten aber selbstverständlich zunächst mit dem AT-VM95C an der Armspitze. Zubin Mehta dirigiert die zweite Symphonie von Gustav Mahler, die Wiener Philharmoniker schwelgen.

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Das AT-VM95C ist das günstigste MM-System von Audio Technica. Für die 40 Euro, die es kostet, ist es super, aber da ist noch Luft nach oben.
© Technics

Da flirren die Violinen, da schnarren die Kontrabässe, da schneiden die Blechbläser schon im ersten Satz. All’ das zeigte der SL-100C auf den Zentimeter genau. Aber er ist kein Virtuose, sondern ein Meister mit Bodenhaftung. An manchen Stellen hätten wir gern einen Höhenflug erlebt, die Extraportion an Drive und Auflösung. Gerade beim großen Chorfinale wirkte das doch recht komprimiert. Da fehlte die Kraft zum ganz großen Klanggewand und zur komponierten Extase.

Hier wirkt das kleine Audio Technica als Begrenzer und Bremser. Stecken wir den Shibata-Schliff auf, so wird ein Rausch daraus. Da schwimmen wir plötzlich in einer deutlich entspannteren Auflösung. Auch wenn wir missionarisch werden: Ein höherwertiger Tonabnehmer verändert den SL-100C komplett zum Besseren. Was für die Basis spricht. Würden wir hinaufgehen bis zu einem teuren MC-System mit Edelschliff? Nein, das muss nicht sein, da wären die Grenzen des Antriebs und der Plattform erreicht. Ein gutes MM und der SL-100C sind das Dreamteam.

Der Klangtest

Ein wenig Pop/Rock muss sein. Nehmen wir einen der großen Klassiker: Abbey Road von den Beatles. Vor ein paar Jahren hat sich Giles, der Sohn des legendären Produzentens Georg Martin, an die Originalbänder gesetzt. Diesmal nicht nur ein neues Mastering, sondern gleich eine komplett neue Abmischung. Darf man das mit einem Heiligtum anstellen? Natürlich, wenn das Ergebnis so großartig ausfällt wie hier.

Alles klingt definierter, stärker im Klang und im Ausdruck. Vor allem der Bass von Paul McCartney hat gewonnen. Die Plattencompany war natürlich gut beraten, dieses Wunderwerk in feinstes Vinyl zu pressen, 180 Gramm schwer und in der Sonderausgabe noch mit zwei weiteren LPs als Zugabe mit seltenen Einblicken in den Schaffensprozess der Beatles versehen. Mit welchem Song beginnen?

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Technics hat den SL-100C massiv reduziert. Aber mit dabei ist der typische, sehr gute Tonarm.
© Technics

Das ist eigentlich keine Frage, es muss „Come together“ sein. Das ist harte Kost für einen Plattenspieler. Es braucht feine wie grobe Dynamik. Der berühmte „Sch“-Laut muss aus der Boxenebene dringen. Dazu natürlich das legendäre Riff am Bass. Der Technics liebte diesen Song. Da blitzte ein Füllhorn an Informationen auf. Dazu ein weites Panorama. Alles sauber. Aber es gab da auch eine leichte Unschärfe im Bass. Dass hätten wir uns knorriger gewünscht.

Wechselt man wieder auf den Shibata-Einschub, klingt die Musik, klingt der Bass wie ausgewechselt. Alles hat plötzlich deutlich mehr Kontur und Biss. Wie „schmutzig“ kann der SL-100C? Da gibt es eine tolle LP von Tom Waits – „The Black Rider“. Das war lange Zeit das Kult-Grusical in Hamburg. Waits kann wunderbar schaurig singen, mit von Whiskey und Nikotin gefärbten Stimmbändern.

Diese Raubein-Attitüde will man hören – und der L-100C liefert sie mächtig. Plötzlich kommt eine singende Säge vorbei, und der Technics jault schön-schaurig mit. Dann stampft Waits einen „Russian Dance“ in den Raum, da bebt die Nadel, da verfallen die Bass-Chassis in den maximalen Hub. Dass der Technics SL-100C hier so gut mitzieht, liegt am kräftigen Direktantrieb. Den hört man eben immer raus. Selbst mit einem Billig-MM.

Fazit

Das kann der ideale Technics für Sparfüchse sein. Oder der ideale Technics für alle jene, die mit der DJ-Aura nichts am Hut haben. Die Strategen haben den SL-100C maximal abgespeckt. Weniger geht nicht. Und doch kommt man in das gute Gefühl eines klangstarken Direktantrieblers. Das kleine Audio-Technica-System ist gut, aber auch das Nadelöhr. Für bescheidenes Geld sollte man sich höher in der MM-Welt emporkaufen.

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