Highend aus der zweiten Reihe

Motorola Edge 30 Pro, Xiaomi Poco F4 GT & Realme GT 2 Pro im Test

21.7.2022 von Andreas Seeger

Auch andere als so bekannte Marken wie Apple oder Samsung entwickeln und verkaufen Highend-Smartphones. Sie sind meist sogar spürbar günstiger. Ist der Preisabschlag gerechtfertigt, oder kann man hier ein echtes Schnäppchen machen?

ca. 12:00 Min
Vergleich
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  1. Motorola Edge 30 Pro, Xiaomi Poco F4 GT & Realme GT 2 Pro im Test
  2. Im Test: Motorola Edge 30 Pro, Kamera, WLAN-/Displaymessung & Infos
  3. Im Test: Xiaomi Poco F4 GT, Kamera, WLAN-/Displaymessung & Infos
  4. Im Test: Realme GT 2 Pro, Kamera, WLAN-/Displaymessung & Infos
Motorola, Xiaomi & Realme im Vergleich
Highend aus der zweiten Reihe: Motorola Edge 30 Pro, Xiaomi POCO F4 GT & Realme GT 2 Pro
© Motorola / Xiaomi / Realme / Montage: connect

Der Markt für hochpreisige Smartphones ist fest in Apple-Hand. Kein anderer Hersteller kann so viele Geräte so teuer verkaufen, nicht einmal Samsung, die ja eigentlich Smartphone-Weltmarktführer sind. An der Spitze der meistverkauften Smartphones stand im Jahr 2021 mit 51,8 Millionen Stück aber kein Topgerät aus Samsungs S-Serie, sondern das 200-Euro-Modell Galaxy A12.

Bei anderen Marken ist das Verhältnis von Einsteiger- zu Mittel- zu Oberklasse noch ungünstiger. Dafür sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich: Marketing und Innovationskraft. Verbraucher, die viel Geld für ein Smartphone ausgeben möchten, greifen in der Regel zu einer bekannten Marke, der sie vertrauen.

Diese schlichte Tatsache zwingt jeden Hersteller, der hochpreisige Smartphones in nennenswerten Stückzahlen verkaufen will, zunächst einmal Geld in die Hand zu nehmen, um seine Popularität mit Hilfe von Marketingkampagnen aufzufrischen oder zu steigern.

Der zweite Faktor ist technischer Natur: Wer mehr Geld ausgibt, erwartet auch mehr als Durchschnitt. Es reicht aber nicht aus, einfach ein gutes Produkt zu bauen, die Hersteller müssen auch Extras im Bereich Display, Kamera, Akku oder Design bieten.

Der damit einhergehende Zwang zur permanenten Innovation ist eine der stärksten Triebfedern der Smartphone-Entwicklung. Nicht jedes Unternehmen kann das leisten, weil die dafür erforderliche kritische Größe und die finanziellen Ressourcen fehlen oder weil das Geschäftsmodell ein anderes ist.

Aber auch wenn der Oberklasse-Markt fest in der Hand von nur einigen wenigen großen Marken (vor allem Apple und Samsung) ist, haben auch andere Marken High-End-Produkte im Portfolio.

Deren Smartphones sind lediglich nicht so präsent – dafür aber auch nicht so teuer. Die Frage ist nun, ob sie qualitativ mithalten und mit Alleinstellungsmerkmalen überraschen können.

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Modelle und Preise

Bei unseren Testkandidaten handelt es sich um die Flaggschiffe der Marken Motorola, Xiaomi Poco und Realme. Man kann darüber streiten, ob für einen Traditionskonzern wie Motorola oder einen aufstrebenden Tech-Riesen wie Xiaomi die Zuschreibung „zweite Reihe“ passend ist.

Fakt ist jedoch, dass beide Hersteller in Deutschland nicht für ihre Premium-Produkte bekannt sind, sondern im Einsteiger- und Mittelklassesegment zu Hause sind. Bei Xiaomi gehören die attraktiven Preise sogar zum Markenkern. Zudem wurden die Submarken Poco und Redmi formal bereits 2020 abgetrennt. Sie sollen künftig eigenständiger und losgelöst vom Mutterkonzern agieren.

Das Moto Edge 30 Pro steht an der Spitze der Edge-Serie, die Mitte 2020 eingeführt wurde, auch um nicht den Anschluss an die Oberklasse zu verlieren. Motorola hat hier langfristig gute Chancen, zum einen, weil die Marke stark und populär ist, zum anderen weil man mit Lenovo den größten PC-Hersteller der Welt im Rücken hat, der genügend Ressourcen und Know-how zuliefern kann.

Das gleiche gilt für Xiaomi, das nicht nur in China zu den größten und innovativsten Tech-Unternehmen gehört. Das F4 GT ist das aktuelle Spitzenmodell der Submarke Poco. Realme ist ebenfalls kein Nobody, auch wenn der Name in Deutschland nur Kennern der Szene ein Begriff ist. Die erst 2018 gegründete Marke wächst in atemberaubendem Tempo, in Europa zählt sie zu den Top 5 der Smartphone-Hersteller. Als Oppo-Tochter gehört man zudem zum BBK-Netzwerk, das mit Oppo, Vivo, IQOO und OnePlus in Summe mehr Smartphones verkauft als der Marktführer Samsung.

Alle drei Geräte sind, obwohl als Topmodelle positioniert, mit Preisen zwischen 600 Euro (Poco F4 GT in der 128-GB-Variante) und 800 Euro (Edge 30 Pro) deutlich günstiger zu haben als die Pendants von Apple und Samsung.

Realme und Poco werden mit zwei verschiedenen Speicherstufen verkauft. Für unseren Vergleich haben wir uns, auch aus Gründen der Fairness, jeweils die 256-GB-Varianten angesehen. Die direkte Gegenüberstellung macht sofort einen Unterschied deutlich: Bei Motorola hat man aufgrund der schlankeren Benutzeroberfläche mit 238 GB ab Werk über 10 GB mehr Platz, was in Anbetracht der Tatsache, dass der Speicher bei keinem der drei Phones per microSD ausgebaut werden kann, nicht unerheblich ist.

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Realme GT 2 Pro: Design & Haptik

Beim Design beweisen die Hersteller jenen Mut, den wir bei Apple oder Samsung vermissen. Denn bei ihren Flaggschiffen setzen die Platzhirsche auf maximalen Konsens, um die Zahl der potenziellen Käufer möglichst groß zu halten – wenn auffällige Farben angeboten werden, ist schon das Höchste der Gefühle erreicht. Wer dagegen kleinere Brötchen backt, muss weniger Rücksichten nehmen und kann sich mehr erlauben.

Das zeigt Realme, die für das GT 2 Pro erneut mit dem bekannten japanischen Industriedesigner Naoto Fukasawa zusammenarbeiten. Mit über 50 internationalen Auszeichnungen und mehrfacher Ausstellungspräsenz im New Yorker Museum of Modern Art gehört Fukasawa zu den Großen seines Fachs.

Für das GT 2 Pro setzt er voll auf das Trendthema Nachhaltigkeit, das auch in der Smartphone-Industrie immer wichtiger wird. Er verwendet einen Biokunststoff, der sich wie Papier anfühlt und zugleich äußert kratzfest ist. Das „Paper Tech Design“ vermittelt nicht nur eine neue (und sehr hochwertige) Haptik, es sorgt auch für Gesprächsstoff, wenn man das Phone auf den Tisch legt.

Die uns vorliegende mattgrüne Variante ist sofort als etwas Besonderes zu erkennen. Wer es klassisch mag, greift zur schwarzen Variante mit Glasrückseite. Die ist allerdings 10 Gramm schwerer, womit wir bei einem weiteren Pluspunkt wären.

Denn mit 189 Gramm ist dieser Testkandidat das leichteste Smartphone in diesem Vergleich. Realme baut auch besonders kompakt und fast randlos, das GT 2 Pro hat eine sehr gute Screen-to-Body-Ratio dank einer Vorderseite, die fast nur aus dem Display besteht.

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Xiaomi Poco F4 GT: Design & Haptik

Die Ränder des Poco F4 GT sind breiter, aber dieses Smartphone adressiert auch eine andere Käuferschaft: Poco hat die wachsende Gruppe der Smartphone-Gamer im Blick, die ihre Leidenschaft auch im Design wiederfinden möchte. Besonders in der leuchtend gelben Farbvariante ist das F4 GT genauso auffällig wie ein schnittiger Sportwagen.

Die Rückseite besteht aus mattiertem Glas, das von einem dünnen glänzenden Streifen in zwei Bereiche getrennt wird. Von den äußeren Rändern laufen zwei ebenfalls glänzende Dreiecke auf die Mitte zu. Damit war der Spieltrieb der Designer aber noch nicht befriedigt: Die Gestaltung des zackenförmigen LED-Blitzlichts erinnert an einen Blitz. Dazu kommen noch zwei mehrfarbige LED-Streifen im Kameramodul, die eingehende Anrufe und Nachrichten signalisieren.

Man mag das übertrieben finden, aber auch dann kommt man nicht drumherum anzuerkennen, dass sich hier jemand traut, den Smartphone-Einheitsbrei hinter sich zu lassen. Poco steht damit zwar nicht allein da, es gibt noch andere, ähnlich verspielte Gaming-Smartphones von Lenovo oder Asus ROG. Die sind aber so kompromisslos auf Gaming ausgerichtet, dass sie aufgrund ihrer Größe und dem Gewicht nicht mehr massentauglich sind.

Poco wählt dagegen einen Mittelweg, den wir als sehr gelungen empfinden. Mit 210 Gramm tritt das Phone zwar in der Schwergewichtsklasse an, aber eben nicht darüber. Highend-Boliden wie Galaxy S22 Ultra oder iPhone 12 Pro Max sind noch schwerer. In den breiten Rahmen aus glänzendem Aluminium sind zwei Tasten eingelassen, die von Magneten auf Abstand gehalten werden.

Die Schalter fahren etwa einen Millimeter aus dem Gehäuse, wenn man die Schieberegler daneben umlegt, und geben so haptisches Feedback. Das ist besser als die Touch-Tasten, die zum Beispiel Asus ins ROG Phone 5 Ultimate einbaut. Spielt man mit dem F4 GT im Querformat, fungieren sie wie die Schultertasten eines Gaming-Controllers, was vor allem bei schnellen 3D-Spielen sehr praktisch ist.

Die fein geriffelte Oberfläche und der satte Ton beim Einrasten der Schieberegler machen klar, das Poco in puncto Verarbeitung nichts anbrennen lässt, sie liegt auf Topniveau. Das gilt für die Haptik ebenso: Sowohl Poco als auch Realme verwenden einen Rahmen aus Aluminium, der sich im Zusammenspiel mit der zu den Rändern gewölbten Rückseite aus Glas beziehungsweise aus „Paper Tech“ einfach hervorragend anfühlt.

Motorola Edge 30 Pro: Design & Haptik

Motorola tanzt hier aus der Reihe. Beim Edge 30 Pro umspannt ein Rahmen aus Kunststoff eine Rückseite aus Glas, die mit einem feinen Farbverlauf und der mattierten Oberfläche zu überzeugen weiß. Der Kunststoff hinterlässt allerdings einen faden Beigeschmack, den selbst die IP-Zertifizierung, die Motorola als einziger Hersteller in diesem Vergleich zu bieten hat, nicht vertreiben kann.

Das liegt unter anderem daran, dass IP52 lediglich Schutz vor Tropfwasser bedeutet, also im Alltag nicht viel bringt. Das Design hält im Gegensatz zu den Wettbewerbern keine Überraschungen bereit, im Gegenteil: Motorola wählt den klassischen Weg mit zwei unauffälligen Farben und elegant-zurückhaltender Designsprache. Das Phone liegt gut in der Hand, irritiert anfangs aber mit sehr weit oben positioniertem Einschalter und Lautstärkewippe, die kurze Daumen vor Herausforderungen stellen werden.

Festzuhalten bleibt somit, dass die hier betrachteten Phones nicht nur optisch voll überzeugen können, sondern sich sogar als erfrischende Alternativen zum Design-Mainstream präsentieren können.

Im Vergleich mit den Premium-Modellen von Apple und Samsung haben wir jedoch eine IP68-Zertifizierung vermisst, die dem Smartphone Wasserfestigkeit bis hin zum Untertauchen bescheinigt. Schade, denn was ein Hersteller wie Samsung sogar schon bei seinen Mittelklasse-Modellen schafft, sollte Realme doch wenigstens bei seinem Flaggschiff bieten können.

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Schnelle Netzteile und SoCs

Im Gegenzug zeigt man sich beim Lieferumfang spendierfreudiger als iPhone & Co. Alle Hersteller legen schnelle Netzteile und Schutzhüllen bei, Poco und Realme kleben zusätzlich eine Schutzfolie auf.

Poco unterstreicht mit dem USB-C-auf Klinke-Adapter und einem 90 Grad gewinkelten USB-C-Stecker (stört weniger beim Spielen im Querformat, wenn man gleichzeitig lädt) den Gaming-Schwerpunkt.

Auch Pocos 120-Watt-Netzteil liegt auf einem rekordverdächtigen Niveau. Für eine vollständige Ladung reicht es, das Phone etwa 20 Minuten anzustöpseln, nach 7 Minuten ist der Füllstand schon bei 50 Prozent. Das schnelle Laden mag kein Game Changer sein, aber es hat doch das Potenzial, den Smartphone-Alltag dauerhaft zu verändern.

Statt das Phone über Nacht an die Steckdose zu hängen, reicht nun eine kurze Ladepause während des Duschens oder beim Frühstück. Eine weitere Gemeinsamkeit sind die sehr guten OLEDs, die alle plan aufliegen, also an den langen Rändern nicht gekrümmt sind.

Es gibt ein paar Abstufungen – Motorola schraubt die Bildwiederholrate von 120 Hertz auf 144 Hertz hoch, und Realme geht über die erweiterte Full-HD-Auflösung hinaus – aber diese sind vor allem „nice to have“: nett, aber nicht ausschlaggebend. Schwerer wiegt da der Verzicht von Motorola auf ein Always-on-Display. Die permanente Einblendung von Uhrzeit und Benachrichtigungen auf dem deaktivierten Display ist Standard bis tief hinunter in die untere Mittelklasse.

Bei der Performance herrscht dagegen wieder Einigkeit, alle drei Modelle setzen auf Qualcomms stärkstes Pferd im Stall, den Snapdragon 8 Gen 1, der im Android-Bereich die Oberkante markiert. Er wird jeweils flankiert von 12 GB RAM, was für jeden Einsatzzweck mehr als ausreichend ist.

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Für Gamer interessant ist, dass sowohl Realme als auch Poco die Wärme sehr gleichmäßig ableiten, sodass auch bei intensiven Spielesessions nur moderat gedrosselt wird.

Bei der Connectivitiy gibt es ebenfalls kleine, aber feine Unterschiede. Alle drei Phones haben zwei SIM-Einschübe, und das moderne SoC von Qualcomm unterstützt nicht nur Dual 5G, also den Betrieb von zwei 5G-SIM-Karten, es stellt auch den aktuellen Bluetooth- Standard 5.2 (mit AptX HD) sowie Wi-Fi 6 bereit.

Die neueste Erweiterung 6E wird aber nur von Poco und Motorola unterstützt. Motorola glänzt zudem mit einer USB-C-Buchse nach 3.2 Gen 1, die auch DisplayPort integriert. Der bidirektionale Verbindungsstandard ist nötig, damit „Ready For“ funktioniert, Motorolas Desktop-Erweiterung, die wie Samsungs DeX eine am Desktop orientierte Oberfläche aktiviert, wenn man das Phone mit einem Monitor oder TV verbindet.

Wer auch Tastatur und Maus per Bluetooth koppelt, kann mit dem Smartphone arbeiten wie mit einem PC. Natürlich bestehen die Limitierungen des Android-Systems (keine x86-Programme), aber E-Mails, Excel oder Textverarbeitung auf PC-Niveau sind möglich. Außerdem machen Spiele und Filme auf einem großen Display viel mehr Spaß.

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Die Kameras im Überblick

Das Kamerasystem überrascht mit einer Gemeinsamkeit, die wir so nicht erwartet hätten: Alle drei Hersteller verzichten auf eine Telebrennweite, sodass man auf den Digitalzoom angewiesen ist, wenn man näher an ein Motiv heran will. Damit die Rückseite trotzdem mit drei statt nur zwei Kameraaugen beeindrucken kann, behilft man sich mit unterschiedlichen Lückenfüllern:

Motorola baut eine Bokeh-Optik ein, Poco setzt auf eine Makrolinse und Realme auf eine Mikroskopkamera mit bis zu 40-facher Vergrößerung. Das sind nette Spielereien, nicht mehr. Wichtiger ist der Blick auf das Superweitwinkel, das nirgendwo überzeugt, sei es aufgrund der niedrigen Auflösung, sei es aufgrund der bescheidenen Qualität.

Am besten ist man mit der Hauptkamera unterwegs, die solide Fotos liefert, bei Poco ist die Qualität sogar absolute Spitzenklasse. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Kamerasystem nicht auf Augenhöhe mit einem iPhone 13 Pro oder einem Galaxy S22 Ultra bewegt. Bei Videos wird das noch deutlicher, wo vor allem Apple eine überragende Qualität und den Kinomodus in die Waagschale legen kann, bei dem man nachträglich die Tiefenschärfe ändern kann.

Motorola, Realme und Poco bieten zwar ebenfalls ein großes Paket mit Software-Funktionen (etwa RAW und Porträtmodus) aber, diese sind bei den Premium-Herstellern besser umgesetzt. Für die Selfie-Kamera gilt das nicht, hier überzeugt vor allem Realme. Motorola kann dagegen die hohe Auflösung nicht in eine Top-Bildqualität übersetzen.

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Software und Updates

Mit Blick auf die Software hat der Nutzer eine breite Auswahl, das Spektrum reicht von einer zurückhaltend-modernen, an Google orientierten Oberfläche ohne Schnickschnack (Motorola My UX) bis hin zu einer opulent-verspielten Optik mit einer verwirrenden Vielfalt von Einstellungen und Funktionen (Xiaomi MIUI).

Als Systembasis dient immer Android 12, auch bei Realme, das sich mit seiner an Oppos Color OS angelehnten Realme UI irgendwo zwischen Motorola und Poco bewegt, was uns am besten gefällt.

Realme bietet im Vergleich auch den längsten Software-Support: Für das GT 2 Pro soll es „3+4“ geben, also drei neue Android-Versionen und vier Jahre lang Sicherheitspatches.

Motorola garantiert für das Edge 30 Pro immerhin noch 2+3, also zwei Android-Versionen und drei Jahre lang Sicherheitspatches.

Bei Poco ist der Support dagegen mit Unsicherheiten belastet. Es gibt keinen Update-Fahrplan. Für die Flaggschiffe der 11er- und 12er- Serie verspricht Xiaomi 3+4, also ein gutes Niveau wie Realme.

Aber das F4 GT ist nicht das Flaggschiff von Xiaomi, sondern von Poco. Hier fehlt eine entsprechende Aussage und man stochert im Dunkeln. Generell lässt sich sagen, dass Xiaomi die MIUI-Oberfläche permanent mit Updates versorgt. Wir halten Android 13 für das Poco daher für sehr wahrscheinlich. Aber darüber hinaus? Man weiß es nicht und das ist ein Nachteil.

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Messwerte im Testlab

Bei der Akkulaufzeit hat Realme die Nase vorn, zwölf Stunden im genormten connect-Testverfahren sind überragend und bedeuten, dass man auch bei intensiver Nutzung locker einen Tag schafft.

Poco ist nicht ganz so ausdauernd, mit elf Stunden ist aber ebenfalls ein Tag ohne Steckdose drin, selbst wenn es ein langer Tag ist. Motorola fällt hier zurück, mit 8:50 Stunden kann es zum Abend hin schon mal knapp werden.

An der hohen Bildwiederholrate des Displays kann es eigentlich nicht liegen denn der Vorgänger Edge 20 Pro, ebenfalls mit einem 144-Hertz-Display ausgestattet, hat mit 10:50 Stunden länger durchgehalten. Beim Aufladen ist man mit dem Edge 30 Pro dagegen flexibler als die Wettbewerber und kann neben dem Schnellladenetzteil auch eine beliebige Qi-Ladestation benutzen.

Das kabellose Aufladen funktioniert in beide Richtungen, sodass man auch Peripheriegeräte wie Kopfhörer über das Edge 30 Pro versorgen kann.

Die Funkeigenschaften sind bei Motorola sehr gut, nicht nur im LTE-Netz, auch im WLAN ist man optimal angebunden. Das Poco schließt hier nahtlos an. Realme kann da nicht ganz mithalten, was vor allem dem 800er-LTE-Band geschuldet ist, das bei der Empfindlichkeit und bei der Sendeleistung abfällt. Grund zur Sorge besteht aber nicht, das erreichte Niveau ist immer noch gut.

Bei der Akustik dreht sich das Bild um, hier liefert Realme mit hoher Lautstärke, natürlichem Klang und einer sehr guten Geräuschunterdrückung ein überdurchschnittliches Ergebnis.

Das Bild setzt sich fort, wenn man über die Stereolautsprecher Musik hört, unsere Messungen bescheinigen dem GT 2 Pro das ausgewogenste Klangbild mit einem guten Volumen auch im Bassbereich.

Motorola fällt hier im direkten Vergleich etwas zurück, der Abstand ist aber minimal. Alle drei Phones überzeugen mit einem sehr guten Stereosound. Es sind willkommene Alternativen zu den Premium-Modellen der großen Marken. Man spart ein paar Hundert Euro und muss nur punktuell Abstriche machen.

Zum Geheimtipp reicht es aber nicht. Denn dieser Vergleich zeigt auch, dass die Großen am Ende mehr bieten: Das Kamerasystem ist besser und die Modelle sind wasserdicht. Wer darauf keinen Wert legt, kann in der zweiten Reihe zugreifen – als Bonus gibt es ein schnelles Netzteil obendrauf.

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