Netztest Deutschland

Mobilfunk-Netztest 2010

16.12.2010 von Bernd Theiss

ca. 2:30 Min
Vergleich
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Mobilfunknetze kommen heute an allen möglichen Orten für die unterschiedlichsten Aufgaben zum Einsatz. Deshalb muss ein Netztest sehr viele Parameter erfassen und über weite Gebiete verteilt messen.

Die Messfahrzeuge im Einsatz

Im Gegensatz zu den letzten Jahren schickte unser seit vielen Jahren bewährter Messpartner P3 communications diesmal zwei vollständig ausgestattete Messfahrzeuge auf die Tour durch Deutschland. Zwischen den Städten folgten die Wagen unterschiedlichen Routen auf Landstraßen und Autobahnen, in ihnen fuhr ein Fahrzeug nach einer jeweils kurz vorher vom Netztest-Team in Aachen festgelegten und ins Navigationssystem eingespeisten Zielpunktliste kreuz und quer durch die Innenstadt. Bildlich gesprochen sammelte dieser Wagen Daten über die Netzabdeckung in der Stadt.

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© Archiv

Das andere Fahrzeug hatte hingegen die Aufgabe, nacheinander besonders interessante Stellen der Stadt anzufahren, um dort stationäre Messungen durchzuführen. Sinn dieser Maßnahme ist es, an stark frequentierten Plätzen Daten darüber zu sammeln, wie ein großer Teil der Mobilfunkkunden die Netzqualität wahrnimmt. Dabei sind auch Effekte von übermäßiger Netzauslastung mit dadurch verursachten Problemen an solchen Orten besonders gut zu beobachten. Dass der Einsatz von zwei Fahrzeugen weitere Vorteile bringt, zeigt sich schon bei den Sprachmessungen. Denn die konnten diesmal von einem auf ein anderes computergesteuertes Messhandy geführt werden - so wird auch in der Realität häufig telefoniert, etwa wenn sich Freunde in der belebten Stadt treffen möchten. Für die Messungen von Audioqualität und Zuverlässigkeit riefen sich die Systeme der Messwagen dabei abwechselnd gegenseitig an. Gemessen wurden die gleichen Kenngrößen wie 2009, wobei die Messung von einem Handy zum anderen statt zum Festnetz diesmal für deutlich verschärfte Bedingungen sorgte. So steigt die Fehlerrate bei sonst gleichen Bedingungen theoretisch fast auf das Doppelte.

Sprach- und Datenmessungen

Und auch die Sprachqualität nahm durch die nun zweimal vorhandenen Mobilfunkverbindungen merklich ab. Gemessen als MOS-LQO (Mean Opinion Score Listening Quality Objective) waren bei diesjährigen Mess-Setup selbst bei optimalen Verbindungen maximal Werte von 3,4 möglich, im letzten Jahr lagen schon die Durchschnittswerte aller Netzbetreiber höher als das, die Maximalwerte bewegten sich sogar oberhalb von 4. Mit der begrenzten Maximalqualität geht freilich ein höherer Anteil an Sprachsamples unterhalb eines MOS-Wertes von 2,7 einher. Ab diesem Wert beginnt die Verständlichkeit zu leiden.

Netztest Deutschland
Im P3-communications-Labor bekommen die von Mercedes mit verstärktem Rahmen ausgestatteten Kombis die Mess-Hard- und Software eingebaut.
© Bernd Theiss

Neben den Sprachmessungen standen natürlich die immer wichtiger werdenden Datenmessungen auf dem Programm. Dabei analysierte das an belebten Plätzen eingesetzte Fahrzeug in regelmäßigen Intervallen alle üblichen Dienste mit ihren speziellen Protokollen. Hierzu gehörte der Upload über FTP, der HTTP-Download, die Nutzung von E-Mail über IMAP und SMTP sowie das Surfen im Netz. Jeder Netzbetreiber wurde dabei mit seinem hochwertigsten USB-Surfstick sowie der zugehörigen Dashboard-Software gemessen. Nur so kommen etwa netztypische Flusskontrolloptimierungen zum Tragen. Damit das bewegte Fahrzeug unter sich sehr schnell ändernden Bedingungen mehr Messpunkte erfassen konnte, beschränkte es sich auf Download-Messungen.

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Jedes Handy und Datenmodem wird von einem eigenen PC gesteuert.
© Bernd Theiss

Ein weiterer Aspekt moderner Mobilfunkdatennetze wird ebenfalls berücksichtigt. An einzelnen Standorten erreichen Netzbetreiber extreme Geschwindigkeiten. Das kann bei reiner Betrachtung der durchschnittlichen Datenraten Schwächen an anderen Stellen überkompensieren.

Um solche verfälschenden Effekte zu vermeiden, bestimmten die Tester bei den Dienstemessungen die Zeiten für die jeweilige Aufgabe. Dann mittelten sie über alle Einzelwerte. Die bei der Aufgabe übertragenen Datenmenge geteilt durch die so bestimmte Zeit ergibt eine realistische durchschnittliche Datenrate, die nicht von einzelnen Extremwerten verzerrt wird. Die Messung der prozentualen Verfügbarkeit von Highspeed-Verbindungen ergänzt das Bild. Für den Kunden ist breitflächige Verfügbarkeit schließlich wichtiger als singuläre Spitzenleistung.

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