Was kaufen: kompakter APS-C- oder Kleinbildsensor?

Systemkameras um 1000 Euro im Test: Besser als jedes Smartphone

2.8.2022 von Karl Stechl

Wir haben vier preisgünstige spiegellose Systemkameras von Sony, Fujifilm, Canon und Nikon getestet. Welche empfiehlt sich für wen?

ca. 5:20 Min
Vergleich
VG Wort Pixel
  1. Systemkameras um 1000 Euro im Test: Besser als jedes Smartphone
  2. Fujifilm X-S10 im Test: moderne und kompakte APS-C-Kamera
  3. Sony A6400 im Test: robuste APS-C-Kamera mit schnellem Autofokus
  4. Canon EOS RP im Test: günstiger Einstieg ins Kleinbild
  5. Nikon Z5 im Test: So macht sparen Spaß
  6. Sony, Fujifilm, Canon, Nikon: Das Objektivangebot
Systemkameras-Aufmacher
Vier günstige Systemkameras im Test
© Hersteller / Composing: WMP

Wer über ein neues oder sein ­erstes Kamerasystem nachdenkt, muss zwei Grundsatzentscheidungen treffen: Marke und Sensorformat. Mit der Marke entscheidet man sich nicht nur für eine Kamerareihe, sondern auch für ein Objektivprogramm. Noch wichtiger ist die Sensorfrage. Bis vor wenigen Jahren war für die meisten Amateure der APS-C-Sensor die erste Wahl, als guter Kompromiss zwischen Leistung, Gewicht, Größe und Preis der Ausrüstung. Heute dominiert der größere Kleinbildsensor die Neuentwicklungen.

Vier Kameras im Vergleich

Trotzdem gibt es weiterhin gute Argumente für den APS-C-Sensor. Unser Ratgeber vergleicht zwei APS-C- und zwei Kleinbildkameras um 1000 Euro: die Fujifilm X-S10 und Sony A6400 mit APS-C-Sensor kosten zwischen 900 und 950 Euro, die Canon RP und Nikon Z5 mit Kleinbildsensor sind für 1050 und 1200 Euro erhältlich.

Aktivster Hersteller in der APS-C-Klasse ist Fujifilm. Der japanische Anbieter hat momentan sieben spiegellose APS-C-Kameras im Programm. Für diesen Vergleich haben wir die X-S10 ausgewählt, die als einziges X-Serie-Modell unter 1000 Euro einen X-Trans CMOS 4 mit 26 Mega­pixeln und Sensor-Shift-Bildstabilisierung (IBIS) besitzt. Bei Sony gilt das nur für das Topmodell der APS-C-Reihe, die 1450 Euro teure A6600. Wir ­haben uns für die A6400 entschieden, die abgesehen vom fehlenden Bildstabilisator der A6600 technisch ähnelt.

APS-C versus Kleinbild: Sensorformat und Bildwinkel

Die Vorteile von APS-C-Modellen gegenüber Kleinbildkameras lassen sich mit drei Worten umschreiben: kleiner, leichter und günstiger. Noch mehr als für die Gehäuse gilt das für die Objektive, wenn man von identischer Brennweite und Lichtstärke ausgeht. Selbst eine kompakte Kleinbildkamera wie die Nikon Z5 bringt mit erweitertem Standardzoom (Nikkor Z 4/24-120 mm) rund 1300 Gramm auf die Waage. Die Fujifilm X-S10 mit vergleichbarem Zoomobjektiv (XF 4/16-80 mm) wiegt dagegen nur 900 Gramm. Hat man zwei oder drei weitere Objektive im Gepäck, addiert sich das bei Kleinbild zu einem stattlichen Mehrgewicht. Der Platzbedarf in der Foto­tasche ist größer, der Preisunterschied beträchtlich: Das Fuji­film-Zoom kostet 750 Euro, während man für das Kleinbild-Pendant von Nikon 1300 Euro berappen muss.

Ein Kleinbildsensor misst rund 36 x 24 mm, ein Bildsensor im APS-C-Format zwischen 22,5 x 15 mm (Canon) und 23,5 x 15,6 mm (Fujifilm, Nikon, Sony). Während Bildsensoren rechteckig sind, liefern Objektive eine kreisförmige Abbildung. Der auszuleuchtende Bildkreis muss mindestens der Diagonale des Bildformats entsprechen, das sind circa 43 mm beim Kleinbild- und 27 bis 28 mm beim APS-C-Format. Die fürs Kleinbild konstruierten Objektive sind deshalb voluminöser und schwerer als Rechnungen für das APS-C-Format.

APS-C mit Crop-Faktor

Traditionell assoziieren wir Brennweiten und die zu erwartende Bildwirkung mit dem Kleinbildformat: 50 mm bezeichnen wir als Normal- (Bildwinkel circa 47 Grad), 35 mm als gemäßigte Weitwinkel- (circa 63 Grad) und 12 mm als Ultraweitwinkelbrennweite (circa 122 Grad), 75 mm als leichtes Teleobjektiv (circa 32 Grad) und 400 mm als Supertele (circa 6 Grad).

An einer Kamera mit APS-C-Sensor verengt sich der Bildwinkel des Objektivs um den Crop-Faktor. Für die APS-C-Sensoren der meisten Hersteller gilt der Crop-Faktor 1,5 (Canon: 1,6). Das heißt: Ein 50-mm-Objektiv bildet das Motiv mit dem Bildwinkel eines 75-mm-Objektivs (50 mm x 1,5) ab. Bei unverändertem Aufnahmestandpunkt wird der Bildausschnitt enger. Der Effekt entspricht dem Beschneiden eines Fotos im Bildbearbeitungsprogramm.

Grafik_Bildkreis_Sensorformat
Der auszuleuchtende Bildkreis muss mindestens der Diagonale des Bildformats entsprechen, das sind circa 43 mm bei Kleinbild und 27 bis 28 mm bei APS-C. Die fürs Kleinbild konstruierten Objektive sind deshalb voluminöser und schwerer als Optiken für das APS-C-Format.
© WEKA Media Publishing

APS-C gut für Teleaufnahmen

APS-C-Sensoren begünstigen die Telefotografie, weil man zum Beispiel mit einem 300-mm-Objektiv die Wirkung einer 450-mm-Optik an einer Kleinbildkamera erzielt. Ein für APS-C gerechnetes 300-mm-Objektiv ist aber kleiner und leichter als ein Kleinbildobjektiv mit 400 oder 500 mm Brennweite. Kontraproduktiv wirkt der Crop-Faktor dagegen am anderen Ende der Brennweitenskala: Ein 10-mm-Ultraweitwinkelobjektiv hat an einer Kleinbildkamera einen Bildwinkel von rund 130 Grad. In Verbindung mit einem APS-C-Sensor sind es dann nur noch 110 Grad, was einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 15 mm entspricht.

Kleinbildsensor für kreative Bildgestaltung

Viele Fotografen bevorzugen Kleinbildkameras auch deshalb, weil sie das kreative Spiel mit Schärfe und Unschärfe begünstigen. Je größer nämlich der Bildsensor im Verhältnis zur verwendeten Objektivbrennweite und Arbeitsblende ist, desto geringer fällt die Schärfentiefe aus. Das „Freistellen“ eines Motivs vor unscharfem Hintergrund wird damit einfacher. Bei Kameras mit APS-C-Sensor lässt sich das bis zu einem gewissen Grad kompensieren, zum Beispiel durch Vergrößern des Abstands zwischen dem Motiv und dem Hintergrund, durch eine größere Ar­beits­blende beziehungsweise Verwendung eines lichtstärkeren Objektivs. Mehr Schärfentiefe aufgrund eines kleineren Sensors kann aber auch Vorteile haben, etwa bei Landschafts-, Architektur- oder Makro­­aufnahmen. Oder immer dann, wenn man wegen ungünstiger Lichtverhältnisse möglichst wenig abblenden möchte.

Auflösung und Pixelgröße

Eine Sensorauflösung um 24 Mega­pixel ist Standard bei APS-C-Modellen, bei Kleinbildkameras typisch für die Basismodelle der Hersteller. Damit lässt sich eine maximale Auflösung von mehr als 2000 LP/BH erreichen, unabhängig von der Sensorgröße. Mit Blick auf die Detailschärfe ist das APS-C-Format also keineswegs im Nachteil. Bei niedrigen Empfindlichkeitseinstellungen zwischen ISO 100 und 400 produzieren Kleinbild- und APS-C-Kameras häufig Bilder mit ähnlicher Qualität. Unterschiede, die vielleicht im direkten Vergleich sichtbar werden, lassen sich oft eher auf die Bildver­arbeitung in der Kamera und auf das verwendete Objektiv zurückführen als auf das Sensorformat.

Dennoch macht es einen Unterschied, ob man 24 Millionen Pixel auf der Fläche eines APS-C- oder eines Kleinbildsensors verteilt. Eine größere Sensorfläche erlaubt größere Pixel, die mehr Licht einfangen können. Bei höheren ISO-Einstellungen kann die Signal­verstärkung moderater ausfallen, somit entsteht weniger Bildrauschen. Und je weniger man das Rauschen unter­drücken muss, desto geringer wird auch die Gefahr, dass die Texturen im Motiv glatt­gebügelt werden. Die Dynamik – die Fähigkeit des Bildsensors, hohe Motivkontraste abzubilden – profitiert ebenfalls von größeren Pixeln. Ten­denziell zeigt sich der Qualitätsvorteil eines Kleinbildsensors eher bei höheren ISO-­Einstellungen oberhalb von 800 als bei Eingangsempfindlichkeit.

Kleinbildkameras gibt es aber nicht nur mit 24, sondern auch mit 45 oder sogar 60 Megapixeln Nennauflösung. Das geht zwar wieder auf Kosten der Pixelgröße, ermöglicht aber eine enorme Detailschärfe und viel Spielraum für Bildausschnitte. Wer sich den Weg in diese Kameraklasse offenhalten will, sollte von Anfang an in Modelle mit Kleinbildsensor und möglichst hochwertige Objektive investieren.

Fazit: Preiswert und empfehlenswert

Man muss kein Vermögen für spiegellose Systemkameras ausgeben, deren Bildqualität und technische Möglichkeiten jedes Smartphone hinter sich lassen.

  • Das beste Beispiel ist die Fujifilm X-S10 mit BSI-CMOS und Sensor-Shift-Bildstabilisator – ein Highlight in der Klasse bis 1000 Euro. Kauftipp: Preis-Leistung APS-C.
  • Die Sony A6400 bietet eine vergleichbare Bildqualität und das noch leistungsfähigere AF-System, muss aber auf einen ein­gebauten Bildstabilisator verzichten. Ein gutes Argument für die A6400 ist, dass sie als preisgünstiger Türöffner für Sonys A-Serie-Kameras mit Kleinbildsensor dienen kann. Dank identischem E-Bajonett lassen sich Kleinbildobjektive von Sony ebenfalls an der A6400 verwenden – eine Bereicherung vor allem für die Telefotografie. Kauftipp: Flexibilität.
  • Nur 1050 Euro kostet die Canon RP und ist damit die günstigste Spiegellose mit Kleinbildsensor – ein ideales Produkt für den Einstieg in Canons R-System. Kauftipp: Einsteiger KB. Im Vergleich zu Schwestermodellen wie der EOS R oder R6 wurde zwar der Rotstift an verschiedenen Stellen angesetzt, beim Fotografieren merkt man davon aber nicht viel.
  • Ganz ähnlich gilt das für die Nikon Z5 als derzeit preiswerteste Spiegellose mit bildstabilisiertem Kleinbildsensor im Vergleich zu den Schwestermodellen Z6 und Z6 II. Kauftipp: Ausstattung.

Auf den Folgeseiten finden Sie die Kameras in der ausführlichen Einzelvorstellung.

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