Corona-Analysen

Bewegungs- und Nutzungsanalysen per Crowdsourcing

Smartphones und Telekommunikation stellen Nähe zwischen Menschen auch über große Distanzen her. In der Corona-Krise bieten sie noch viel mehr.

Inhalt
  1. Bewegungs- und Nutzungsanalysen per Crowdsourcing
  2. Ausbreitungswege besser verstehen

© umlaut

Deutschland - In der Kalenderwoche 17 (vom 20. bis 24. April) stabilisiert sich die Entwicklung: Das Verkehrsaufkommen bleibt auf geringerem Niveau als vor Corona.

Smartphones spielen beim Kampf gegen das Virus SARS-CoV-2 und bei der Eindämmung der davon verursachten Erkrankung Covid-19 auf mehreren Ebenen wichtige Rollen. Nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren fokussierte sich die Diskussion vor allem auf die Möglichkeit, mit der Hilfe von Apps Ansteckungswege nachzuvollziehen. Auf diesem Gebiet gibt es mehrere Ansätze:

Zunächst sah es so aus, als ob das europaweite Konzept PEPP-PT (Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing, siehe auch hier) sich durchsetzen würde. Doch trotz Segen des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) und des Bundesdatenschutzbeauftragten ein Streit darüber, ob das Konzept für die Speicherung potenziell infek­iöser Begegnungen und die Benachrichtigung Betroffener wirklich höchste Datenschutzanforderungen erfüllt. 

Die grundsätzlichen Positionen konzentrierten sich um die Frage, wie zentral oder dezentral die Speicherung und Benachrichtigung möglicherweise infektiöser Kontakte konzipiert sein sollte. Mit der Abspaltung mehrerer Forscherteams war PEPP-PT praktisch tot. Schließlich ruderte auch die Bundesregierung zurück: 

Nachdem sie sich lange Zeit auf den zentralen Ansatz festgelegt hatte (der zwar aktuellere Infektionsstatistiken erlaubt, aber potenziell die Privatheit der Teilnehmer gefährdet), spricht sie sich nun für die dezentrale Variante aus. Ein Konsortium aus T-Systems und SAP soll nun eine entsprechende App und die zugehörige Infrastruktur entwickeln.

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Klarer Trend beim Roaming: Die nach Nationalitäten der Roaming-Nutzer aufgeschlüsselte Analyse der Wochen im März und April zeigt deutlich, aus welchen Ländern sich noch größere Besucherzahlen in Deutschland aufhielten – und aus welchen seit dem 16. März nicht mehr.

Eine wesentliche Rolle in der Diskussion spielt zudem, dass zwischenzeitlich auch Google und Apple sich auf dem Gebiet von „Corona-App“ engagieren: Die beiden kalifornischen Dickschiffe wollen Funktionen zur Distanzmessung und anonymisierten Speicherung von Kontakten zu anderen Smartphones gleich in ihre Mobilbetriebssysteme einbauen. Und sie haben sie dabei klar für die dezentrale Variante entschieden. 

Diese Entwicklung darf gleich mehrfach als Glücksfall gewertet werden: Sowohl im Sinne des Datenschutzes als auch für das Ziel, dass das grundsätzliche Konzept von Tracing-Apps überhaupt seinen Nutzen entfalten kann. Denn dies setzt voraus, dass möglichst alle Anwender zumindest kompatible Plattformen nutzen. Doch neben der Kontaktverfolgung per App gibt es auch noch andere Konzepte, wie Smartphones zum Kampf gegen Covid-19 beitragen können. 

Schon Mitte März hatte die Deutsche Telekom anonymisierte Bewegungsdaten dem Robert-Koch-Institut zur Verfügung gestellt, damit dieses prüfen konnte, inwieweit die Bevölkerung sich an die „Social Distancing“-Vorschriften hält. Wenn Sperren und Vorschriften weiter vorsichtig gelockert werden sollen, bleiben solche Analysen extrem wichtig.

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Weniger Besucher, weniger Roaming: An der wöchentlichen Entwicklung der Roaming-Nutzer pro Evaluation Area (hier für das Stadtgebiet von Berlin) lässt sich die weitgehende Abreise ausländischer Mobilfunknutzer ebenfalls deutlich erkennen.

Crowdsourcing erkennt Trends in der Smartphone-Nutzung

Dabei sind die wesentlichen Erfolgsfaktoren aussagekräftige Datenbestände und belastbare Analyseverfahren. Wie connect-Leser wissen, rangiert auf diesem Gebiet unser Mobilfunknetztest-Partner umlaut weit vorne. 

So überrascht es nicht, dass die Big-Data-Experten sich in ihrem Aachener Hauptquartier in den letzten Wochen auch intensiv mit Fragestellungen rund um die Corona-Epidemie befasst haben. 

Sie nutzen dazu ihre leistungsfähige Crowdsourcing-Plattform, die weltweit anonymisierte Daten zur Smartphone-Nutzung erhebt. Auf ihrer Basis lassen sich binnen weniger Tage vielfältige Erkenntnisse zum Nutzungs- und Mobilitätsverhalten der Bürger gewinnen – und dies bei absoluter Wahrung der Privatsphäre jedes Teilnehmers. 

Lesetipp: Mobilfunk-Vergleich Europa: Anbieter aus 28 Ländern

Die so gewonnenen Einblicke stellt umlaut in den Dienst der Corona-Bekämpfung, indem das Unternehmen seine Auswertungen etwa Regierungen, städtischen Verwaltungen oder Akteuren der Gesundheitsvorsorge zur Verfügung stellt. 

Ob in Italien, Spanien, den USA, Deutschland oder praktisch jedem anderen Land auf der Welt – die Datenanalysen können detailliert belegen, ob „Lockdowns“ funktionieren und wie viele Besucher aus anderen Ländern per Roaming aktiv sind. 

Netzbetreiber erhalten auf Basis der Analysen wichtige Planungsgrundlagen, da sie beispielsweise erkennen können, wie sich abgerufene Datenmengen verändern oder an welchen Orten sich die Mobilfunknutzung unter den neuen Umständen konzentriert. 

In welchem Umfang weichen Nutzer dabei auf WLANs aus, welche Apps verwenden sie besonders häufig? Auf alle diese Fragen kann umlaut detaillierte Antworten liefern.


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Berlin, 20. April 2020: Auch nach Ostern bleibt die Verteilung der Smartphone-Samples auf einem niedrigeren Niveau als in Vor-Corona-Zeiten.

Detailblick auf Deutschland

Uns stellten die Crowdsourcing-Spezialisten eine Reihe von Analysen für Deutschland zur Verfügung. Sie zeigen zum Beispiel deutlich, wie sich der Aufenthalt im öffentlichen Raum zwischen Mitte Januar und Ende April reduziert hat. Aus der Abnahme der Geschwindigkeit in Innenstädten lässt sich ein deutlicher Rückgang des Straßen- und öffentlichen Nahverkehrs ableiten.

Spannende Erkenntnisse

Nicht minder aufschlussreich ist der Blick aufs Roaming. Die entsprechende Analyse belegt, dass viele Österreicher, Schweizer, Franzosen und Niederländer seit dem 16. März aus Deutschland abreisten. Hingegen blieben etwa Erntehelfer und andere Besucher aus Rumänien und Polen zahlreicher vertreten.

Die Anzahl von Roaming-Nutzern pro „Evaluation Area“ zeigt zudem, wo sich diese vor allem aufhalten. Wie sich Corona auf den Fernverkehr in Deutschland auswirkt, spiegelt die Anzahl von GPS-Updates pro Auswertungskachel wider: Auf Autobahnen und Bundesstraßen waren Mitte und Ende April sichtbar weniger Fahrzeuge unterwegs als noch Mitte Februar. 

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Spannend ist schließlich auch ein Blick auf die Nutzungsfrequenz verschiedener App-Kategorien: Während Home Office und Home Schooling Business- und Bildungs-Apps befeuerten und Kommunikations-Apps unverändert stark genutzt werden, ist Smartphonenutzern die Lust auf Shopping-Apps offenbar ein Stück weit vergangen. 

Diese und viele weitere Analysen schreibt umlaut kontinuierlich fort. Damit ist das Crowdsourcing der Aachener auch künftig weiterhin eine wichtige Planungsgrundlage für die öffentliche Verwaltung und Institutionen des Gesundheitswesens im Kampf gegen Covid-19.


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