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Standbox

Canton Reference 8 K im Test

Die Reference 8 K ist die kleinste Standbox aus Cantons Prestige-Serie. Kann sie klanglich mit den Topmodellen der Reihe mithalten? Das zeigt der Test.

Canton Reference 8 K im Test

© Canton

Canton Reference 8 K im Test

Pro

  • ausgewogene und äußerst musikalische Abstimmung

Contra

  • das aufwendige Gehäuse bewirkt einen großen Preissprung

Fazit

AUDIO Klangurteil: 98 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Auf der High End 2018 in München stellte Canton die neue Reference 8 K vor. Mit einem Meter Höhe ist sie die kleinste Standbox der Reference-K-Serie, an deren Spitze die 134 Kilogramm schwere Reference 1 K steht. Der Kollege schwärmte im Fazit: „Die beste Canton aller Zeiten ist eine Sensation!“ In einer solch elitären Familie türmen sich auch die Erwartungen an einen Lautsprecher, der mit „nur“ 4000 Euro das Paar lediglich ein Fünftel des Topmodells kostet, mindestens so hoch wie das Taunusgebirge, wo Canton seinen Firmensitz hat. Die Hessen sind sich dieser Bürde offensichtlich bewusst. Sie betrieben zwar vorsichtiges Downsizing bei Gehäuse wie Treibern und wählten eine etwas einfacher umzusetzende Formgebung, doch was die grundsätzliche Chassis-Technologie oder die Qualität von Oberflächen und Gehäusedetails betrifft, macht Canton keine Abstriche.

Zeug zum Eroberer

Das Resultat ist für den normalen Canton-Kunden, der eine Soundbar oder Lautsprecher der besonders verkaufsträchtigen GLE- oder Vento-Serien besitzt, so etwas wie eine Traum-Box, auf die er lange sparen muss und von der er sich jahrzehntelange audiophile Genüsse verspricht. Mehr noch: Die Canton Reference 8 K besitzt durchaus einiges Eroberungspotenzial. Dies nicht zueltzt deshalb, weil sie in einer Marktnische zu Hause ist. Der Grund ist dafür ganz einfach: Die effiziente Massenproduktion vieler Mittelklasse-Boxen hat zu teilweise reichlich schmucklosen Resultaten geführt. Doch mit 4000 Euro ist die Reference 8 K für Canton High End und wird weiterhin im Stammsitz in Niederlauken hergestellt.

Canton Reference 8 K im Test - Mitteltöner

© Canton

Die Mittelton-Membran aus Aluminium-Keramik-Wolfram ist eigentlich wegen der Steifigkeit im Bereich der Antriebsspule ein Kegel, dessen Loch von einer Inverskalotte abgedeckt wird.

Solides Handwerk

Der besondere handwerkliche Aufwand spiegelt sich schon im Gehäuse wider – im wahrsten Sinne des Wortes. Die edle, hochglänzende Oberflächenversiegelung des Pianofinishs wird in zwölf Arbeitsschritten aufgetragen, verschliffen und aufwendig von Hand poliert. Sie verleiht den Gehäusen der Reference 8 K einen bemerkenswerten Tiefenglanz. Auch die nahtlosen, sanft gerundeten Ecken und die gewölbten, mehrschichtigen Seitenwände des MMC (Multilayer Mono-coque Cabinet) heben sich von den Schuhkartons der Massenproduktion wohltuend ab. 

Die Standplatte mit ihren höhenverstellbaren Gerätefüßen sieht nicht nur edel aus und sorgt für sicheren Stand, sie hat auch eine akustische Funktion. Wie alle Standlautsprecher der Reference-K-Familie arbeitet die 8 K mit dem eigens für diese Serie entwickelten Bassreflexsystem namens „Bass-Guide“. Schwingungen sollen damit aus dem Gehäuse geführt und Strömungsgeräusche gegenüber konventionellen Reflexports reduziert werden. Bei gleichbleibenden äußeren Abmessungen erhöht sich das nutzbare Innenvolumen des Lautsprechers, weil das Bassreflexrohr, das sonst ins Innere ragt, einfach wegfällt. 

Die Bauweise sorgt gleichzeitig für mehr Flexibilität bei der Wahl des Aufstellungsortes. Der Wandabstand, ja sogar die Positionierung in einer Ecke sollen damit dramatisch an Einfluss verlieren. Im Gehäuseinnern tragen nicht nur optmimal platzierte Versteifungen zur Klangsteigerung bei. Sogar die Kabel müssen ihren Beitrag zur Perfektion leisten. Dazu wurden die Wege auf ein Minimum reduziert. Die Strippen sehen teuer aus – gerade im Vergleich zu den sonst üblichen Klingeldrähten – und wurden für die Reference-K-Serie entwickelt. Durch Aufbau um einen in Kapazität und Induktivität optimierten Spezialkern mit sechs verdrillten Einzelleitern pro Phase will das Entwicklungsteam um Frank Göbl die optimale Klangübertragung gewährleisten – von den massiven, vergoldeten Bi-Wiring-Schraubklemmen bis zu den Chassis. 

Canton Reference 8 K im Test - Chassis

© Canton

Die Oxydschicht wird der zweiteiligen Membran im Säurebad von beiden Seiten und Zugabe von Wolframsalz „eingebrannt“. Sie ist dünner und leichter als Bedampfungen. Das macht den Mitteltöner steifer, aber nicht schwerer und erhöht die innere Dämpfung.

Entsprechend aufwendig konstruierte Göbl auch die mit selektierten Bauteilen besonderer Güte bestückten Frequenzweichen, bei denen er dafür sorgte, dass die Mittelhochton- von der Bass-Sektion räumlich getrennt wurde. Was die Filtercharakteristiken des bei 220 Hz und bei 3 kHz getrennten 3-Wege-Systems betrifft, so bleibt sich Göbl treu: Den Mittel- und Hochtonbreich trennt er mit 24 dB, Mittelton und Bass mit 12 dB. Als Hochtöner kommt der aus der Serie bekannte Aluminiumoxyd-Keramik-Hochtöner zum Einsatz. Seiner ebenso steifen wie leichten und resonsonanzarmen 2,5-cm-Kalotte ist ein Wave-Guide vorgeschaltet. 

Sie dient der Angleichung der Abstrahlcharakteristik an den ganz oben in einer eigenen Kammer sitzenden Mitteltöner aus Aluminium, Keramik und Wolfram. Dessen 16-cm-Membran besteht aus zwei Teilen: Ein Kegel wird in der Mitte durch eine konkave Blende so abgedeckt, dass die Form einer Invers-Kalotte entsteht. Die Bauweise macht die Membran innen steifer als außen. Damit lässt Göbls Truppe sie nicht wie bei sehr steifen Konstruktionen üblich bei einer Frequenz aufbrechen, sondern breitbandig und auch erst ab 15 kHz – also weit oberhalb des Übertragungsbereichs. 

Die beiden Tieftöner kann man davon nur bei genauem Hinsehen voneinander unterscheiden. Die Membranen durchmessen ebenfalls 16 cm und bestehen aus Aluminium-Keramik-Wolfram. Für die Reference 8 K entwickelte Canton allerdings eine besonders steife, doppelwandige Konstruktion. Die Schwingspule überträgt ihre Kraft auf den besonders steifen innenliegenden Kegel, der die sie dann mit maximaler Angriffsfläche am Außenrand auf die äußere Membran mit der Form einer inversen Kalotte überträgt. Die Konstruktion ist dadurch nicht nur sehr steif für knackige Impulse, sondern es erhöht sich die Masse für eine tiefe Resonanzfrequenz.

Canton Reference 8 K im Test - Sockel

© Canton

Statt eines Bassreflexrohrs, das zu Lasten des Innenvolumens des Box geht, legte Canton die Bodenplatte der Reference 8 K als hinten und vorne geöffneten Bass-Guide aus. Zudem soll die Bauweise das Aufstellen in Wandnähe oder gar in Ecken erleichtern.

Hörtest: Höchste Musikalität

Genug der Theorie – am Ende zählt immer nur, wie‘s klingt. Und das war bei der Canton Reference 8 K weit mehr, als man messen kann. Homogen und breitbandig sind auch schon die günstigeren Serien von Canton. Doch die Reference 8 K ging mit einer besonderen Musikalität und Spielfreude zur Sache. Ihre Attacke und Belastbarkeit ließen sie bei jeder Musikrichtung jeden Spaß mitmachen – praktisch bei jeder denkbaren Lautstärke. Der satte, gleichwohl extrem konturierte Punch im Bass war bei dieser Lautsprecher-Größenordnung wirklich eine Klasse für sich. 

Frank Göbl hat diesmal die DC-Schaltung mit ihrem gegen subsonisch bedingte, exzessive Auslenkungen eingesetzten Hochpassfilter nicht genommen, um den Bass tiefer zu ziehen, als dem Gehäuse lieb ist. Er hat seinen aufwendigen Treibern das nötige Volumen gegeben – und das hörte man im Test auch. Während die ausgewogenen, differenzierten Mitten und Höhen bei einem Lautsprecher der Marke Canton eigentlich wenig überraschten, so verblüffte der angesichts zweier 16er-Tieftöner herausragend satt, knackig und authentisch gestaltete Bass. Das Timing und bei Anwinkelung zum Hörplatz hin auch der Fokus waren ebenso Spitze wie die riesige Bühne. Man musste sich schon sehr konzentrieren, um überhaupt kleine Schwächen zu finden und sich etwa bei Streichern noch etwas seidigere Obertöne zu wünschen.

Fazit

„Die Entwicklung von Lautsprechern ist wie das Leben in einem Kloster. In strenger Askese und konzentriert auf das Wesentliche werden Tugenden sukzessive weiterentwickelt“ – so zitiert der Reference-K-Prospekt den Chefentwickler Frank Göbl. Doch keine Angst: Die 8 K passt nicht nur perfekt zu sakraler Musik von Bach für meditative Partiturmitleser. Sie kann dem Teufel auf den Schwanz treten. Disco-Hymnen wie „God Is A DJ“ sind für diesen explosiven, präzisen und belastbaren Lautsprecher wie gemacht. Toll: Trotz Spitzenklang und Top-Finish kann man mit der Niederlaukenener Glanzleistung preislich die Kirche im Dorf lassen.

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