Mittelklasse-Smartphone

Huawei P20 Lite im Test

Mit dem Lite rundet Huawei seine überaus erfolgreiche P20-Serie nach unten hin ab. Reicht die Strahlkraft der Topmodelle bis in die Mittelklasse? Oder anders gefragt: Wie viel Pro steckt im Lite? Wir haben im Test nachgeschaut.

Huawei P20 Lite im Test

© Huawei

Der Materialmix aus eloxiertem Aluminium und gebogenem Glas sorgt für eine hohe Anfassqualität, hinzu kommt ein Display mit „Notch“. Mit diesem Gehäuse klopft Huawei bei der Oberklasse an.

EUR 251,00

Pro

  • modernes Design mit randlosem Display
  • starke Haptik und sehr gute Verarbeitungsqualität
  • leuchtstarkes Display im 18:9-Format
  • gute Kamera-Ausstattung
  • intuitive Benutzeroberfläche auf Basis von Android 8 mit vielen Extras
  • gut funktionierende Gesichtserkennung
  • gute Akustik und gute Funkeigenschaften
  • Unterstützung für Dual-SIM und Micro-SD

Contra

  • Kameraeinheit steht deutlich aus dem Gehäuse heraus
  • mäßige Akkulaufzeit

Fazit

connect-Testurteil: gut (408 von 500 Punkten)
81,6%

Wo fängt eigentlich Premium an? Auf den ersten Blick sind es jedenfalls nur Nuancen, die das Lite-Modell vom P20 unterscheiden, obwohl Letzteres fast doppelt so teuer ist. Es liegt satter in der Hand, weil es fast 20 Gramm schwerer ist, außerdem fühlt sich der Metallrahmen einen Tick edler an, weil die Oberfläche glattpoliert und nicht eloxiert ist. Aber das ist nichts, was sich ernsthaft am P20 Lite kritisieren ließe. 

Zumal das zu den Rändern hin gerundete Glas und die schimmernde Rückseite mit den zwei Kameras und dem mittig eingelassenen Fingerabdrucksensor ordentlich Eindruck schinden. Das Material- und Verarbeitungsniveau in der Mittelklasse hat ein Niveau erreicht, das vor Kurzem noch den teuren Flaggschiffen vorbehalten war. Huawei spielt bei dieser Entwicklung eine tragende Rolle, das zeigen die Preisknaller der Schwestermarke Honor genauso wie das Mate 10 Lite. Und das P20 Lite schafft es, hier nochmal einen draufzusetzen – stark! 

Design und Haptik sind exzellent, aufgrund des geringeren Gewichtes liegt es für uns sogar noch bequemer in der Hand als die Geschwister – aber das ist Geschmackssache. Einigkeit herrscht dagegen bei der Feststellung, dass es nur wenige Kritikpunkte gibt: zum einen die spürbar aus dem Gehäuse stehende Optik, die das Smartphone auf dem Tisch kippeln lässt, zum anderen die fehlende IP-Zertifizierung. Bei Samsung sind auch die Mittelklasse-Modelle gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt.

Testsiegel connect gut

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Display der Spitzenklasse

Der Premium-Eindruck entsteht auch, weil das Display so gut ist. Huawei stattet das Lite-Modell mit einem frontfüllenden 18:9-Panel aus, das fast überall bis an die Ränder reicht. Nur an der Oberseite bleibt jene Einbuchtung für Kamera und Lautsprecher, die mit dem iPhone X eine gewisse Berühmtheit erlangt hat und auf immer mehr Oberklasse-Smartphones anzutreffen ist. 

Die hohe Auflösung von 2280 x 1080 Pixeln und eine Leuchtkraft jenseits der 500 Candela sorgen für eine exzellente Darstellungsqualität, die nicht weit entfernt ist vom LCD des P20. Auf diesem Preisniveau ist das eine starke Ansage. Ernüchterung kommt dagegen auf, wenn man mit dem System arbeitet. Denn der Mittelklasse-Chipsatz Kirin 659 ist in puncto Performance doch ein Stück weit entfernt vom 970er, der in den anderen beiden P20ern den Takt vorgibt. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist zwar flott und typisch für die Mittelklasse, aber spürbar langsamer als auf einem P20, was vor allem im direkten Vergleich deutlich wird.

Apps starten langsamer, der Wechsel innerhalb der Youtube-App ins Querformat dauert einen Tick länger. Bei zwei im Alltag besonders wichtigen Aktionen hat Huawei dagegen den Turbo eingeschaltet: Der nahezu verzögerungsfreie Start der Kamera beeindruckt, auch die Entsperrung per Fingerabdruck erledigt das P20 Lite blitzschnell. In der Summe liefert der Chipsatz auf dem Smartphone also eine ordentliche Leistung ab.

Huawei P20 Lite im Test - Apps

© Screenshot WEKA / connect

(links) Eine Gesichtserkennung, die so gut arbeitet, trifft man in dieser Preisklasse nicht häufig. (mitte) Das zweite starke Extra: Huaweis Cloud mit zahlreichen Backup- und Speicherfunktionen. (rechts) Die Benachrichtigungsverwaltung von EMUI geht über den Android-Standard hinaus.

Viele Extras an Bord

Besonders gut gefallen hat uns die Systemoberfläche EMUI, die praktisch unverändert von den höheren Modellen übernommen wurde und damit eine erfreulich große Funktionsvielfalt bietet. An erster Stelle steht hier die Entsperrung per Gesichtserkennung, die nicht so schnell wie der Fingerabdruck, aber dafür komfortabler ist und zuverlässig funktioniert. 

Außerdem hat der Nutzer die Möglichkeit, per Huawei ID auf die umfangreiche Cloud-Infrastruktur der Chinesen zuzugreifen. Dazu gehört die Online-Sicherung aller wichtigen Smartphone-Daten ebenso wie eine Foto-App, die sich mit ihrer Funktionsvielfalt und dem aufrüstbaren Onlinespeicher als gelungene Alternative zum übermächtigen Google Fotos präsentiert. Der interne Speicher ist mit 64 GB üppig bemessen und die Connectivitiy überzeugt ebenfalls. 

Dass mit LTE Cat 6 schon bei 300 Mbit/s das Tempolimit erreicht ist, ist verkraftbar. Relevanter ist, dass alle wichtigen WLAN-Standards unterstützt werden. Hinzu kommen eine moderne USB-C-Buchse und Bluetooth aptX für die verlustfreie Übertragung von Musik. Im Vergleich mit den teureren P20ern kann sich der Lite-Nutzer zudem über eine Klinkenbuchse freuen, sodass handelsübliche Kopfhörer passen. Die fungieren übrigens als Antenne, wenn man das integrierte UKW-Radio benutzen möchte.

Huawei P20 Lite im Test - Kamera-Einstellungen

© Screenshot WEKA / connect

Die Einstellungstiefe ist nicht mit dem Leica- System des P20 (Pro) vergleichbar. Aber es gibt einen Profi-Modus mit RAW-Option – in der Mittelklasse eine Ausnahme.

Dual-Kamera auf gutem Niveau

Das Qualitätsniveau der Kameras hat in den letzten Jahren vor allem in der Mittelklasse einen Sprung gemacht. Bei Tageslicht erreicht das Lite fast P20-Qualität. Die eingerahmte und deutlich herausstehende Doppeloptik sieht genauso aus wie beim P20, sicher eine vom Hersteller gewollte Assoziation. Davon abgesehen haben beide Kamerasysteme kaum Gemeinsamkeiten. 

Während beim P20 das Foto aus zwei Sensoren zusammengerechnet wird, kommen die Bildinformationen beim Lite vom oberen 16-Megapixel-Sensor, das Pendant darunter hat nur 2 Megapixel und dient ausschließlich dazu, Abstandsinformationen zu sammeln. Die wiederum bilden die Basis für die Trennung von Vorder- und Hintergrund, sodass man bei Porträtaufnahmen das Umfeld in Unschärfe verschwimmen lassen kann. 

Da hinter diesem Effekt viel Rechenpower steht, sieht das Ergebnis auf dem Lite nicht so gut aus wie auf dem P20 – die Bereiche mit Bokeh sind nicht so sauber definiert, zudem sind schnell Artefakte im Trennbereich sichtbar. Für einen Facebook-Post oder Whatsapp reicht es aber locker. Generell kann sich die Qualität der Kamera sehen lassen und ist bei guten Lichtverhältnissen mit 39,8 Prozent nah dran am P20. 

Wenn es dunkler wird, fällt die Leistung auf 15,8 Prozent. In der Summe liegt das P20 Lite in etwa auf dem Niveau von Samsungs Galaxy A8  – und dem Galaxy S7. Die Fotoqualität der High-Ender von 2016 wird jetzt also in der Mittelklasse geboten.

Fazit: Gelungenes Mittelklasse-Phone

Im Testlab gibt es keine Überraschungen – leider, möchte man sagen, denn die schon vom Mate 10 Lite bekannte Ausdauerschwäche, die wir auf den Kirin 659 zurückführen, findet sich auch beim P20 Lite. Das Smartphone schafft nur 6:37 Stunden in unserem genormten Messverfahren, das sind zwei Stunden weniger als ein P20. Am Abend sollte also eine Steckdose in Reichweite sein.

Bei den Funkeigenschaften und der Akustik gibt es keine Ausreißer nach unten, Huawei liefert hier jenes gute Niveau ab, für das die Chinesen mittlerweile bekannt sind. In der Summe ist das P20 Lite ein starkes Mittelklasse-Phone, dem man die Ausdauerschwäche aufgrund des gelungenen Designs, des tollen Displays und der guten Kamera verzeiht.

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