Die HiFi-Welt von AUDIO und stereoplay
Netzwerk-Player

Lumin X1 im Test

Lumins X1 glänzt in jeder Hinsicht. Der konsequente Streamer fordert in Klang und Verarbeitung Europas Elite heraus. Lesen Sie unseren Test hierzu.

Lumin X1 im Test

© Lumin

Netzwerk-Player mit vollständig galvanischer Signaltrennung dank optischem Digitalausgang.

Pro

  • enorme Präzision, Transparenz und Räumlichkeit

Contra

  • App überfordert bisweilen Smartphone-Screens mit eng zusammenliegenden Buttons

Fazit

AUDIO Klangurteil: 150 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Das Zeitalter der Globalisierung wirbelt alles durcheinander. Waren wir eine gefühlte Ewigkeit lang daran gewöhnt, dass die besten Whiskys aus Schottland kommen, so gibt es inzwischen preisgekrönte Destillate aus Asien. Insofern ist es keine große Überraschung mehr, dass ein junges Unternehmen aus Hongkong einen High-End-Streamer konstruieren kann, dessen Grundkonzept glatt aus Glasgow stammen könnte. 

Der Lumin X1 erinnert Eingeweihte unweigerlich an die Kreationen von Linn. Das edle Gehäuse des 13 000 Euro teuren Streamers besteht ebenso wie das des externen Netzteils aus dickem Aluminium. Allerdings schraubt Lumin dafür nicht einfach verschiedene Alubleche aneinander. Die Gehäuse werden wie bei Linn aus einem massiven Alublock mit computergesteuerter CNC-Technik herausgefräst.

Lediglich der Boden wird dann aufgesetzt. Das Ganze sieht im Rohbau noch imposanter als im fertigen Zustand aus. So erreicht Lumin nicht nur eine extrem hohe Anfassqualität. Es entsteht auch eine äußerst vibrationsresistente, zudem antimagnetische Behausung, die den elektronischen Schaltungen optimale Arbeitsbedingungen bietet. 

Die solide Machart schlägt sich auch im Gewicht nieder. Das neuentwickelte Netzteil PSU (auch als Upgrade für S1, A1 und T1 erhältlich) wiegt mit seinen beiden Ringkern-Transformatoren zur kanalgetrennten Versorgung ungeachtet seiner kompakten Abmessungen allein schon 4 Kilogramm. 

Der eigentliche Streamer bringt es auf das Doppelte. Dagegen nimmt sich die optionale dritte Einheit (70 Euro) sowohl von der Ausführung als auch vom Gewicht und den Abmessungen äußerst bescheiden aus. Dennoch ist die über ein professionelles optisches SFP-Netzwerkkabel mit dem Lumin X1 verbundene Blackbox ein absolutes Highlight in gesamten Wettbewerb. 

Lumin X1 im Test - ESS ES9038Pro Sabre

© Lumin

Doppel-DAC: Gleich zwei ESS ES9038Pro Sabre teilen sich die Arbeit im X1. In der Theorie könnte jeder Chip allein acht Kanäle wandeln, allerdings mit Dynamik-Einbußen

Mit ihr lässt sich der LAN-Anschluss komplett ausquartieren, um die Einwanderung von Massestörungen zu unterbinden. Zwar gewährleistet die auch direkt auf der Rückseite des X1 vorhande RJ45-Verbindung, die ursprünglich für Computernetzwerke konzipiert wurde, grundsätzlich ebenfalls eine Massetrennung. 

Doch durch die komplette Auslagerung der gesamten Netzwerkplatine, die nur noch über eine lange optische Verbindung mit dem eigentlichen Streamer kommuniziert, entsteht eine perfekte galvanische Trennung nebst Unterdrückung hochfrequenter elektromagnetischer Einstrahlungen. 

Wer schon im Eingangsbereich derartige Sicherheitsvorkehrungen trifft, der weckt ähnlich hohe Erwartungen wie ein Club mit einer harten Tür. Und diese Erwartungen erfüllt der Lumin X1 ohne Wenn und Aber. 

Die Konstrukteure haben nicht nur Wert gelegt auf eine aufwendige D/A-Wandlung in Doppel- Mono-Konfiguration durch zwei ESS ES- 9038Pro Sabre – das Topmodell der Serie EES Pro, das über 120 dB Systemdynamik ermöglicht.

Mehr lesen

AVM Evolution SD
Digitale Musik

Wer seine digitale Musik möglichst audiophil wiedergeben möchte, steht vor der Frage: Musikserver oder Netzwerkplayer?

Maximaler Aufwand

Jeder der vielseitigen High-End-DACs wäre theoretisch dazu in der Lage, alleine acht Kanäle mit höchster Präzision zu verarbeiten. In seinem Streamer-Flaggschiff X1 nutzt Lumin für jeden Kanal einen eigenen Chip dieser auch in Tonstudios gebräuchlichen Konverter. Lumin macht sogar von der Möglichkeit Gebrauch, die De-Emphasis-Funktion des Sabre-DACs in der App für 44,1-kHz- CD-Dateien manuell zu aktivieren, weil beim Rippen die Flag verloren geht, die beim CD-Player die Entzerrung aktiviert. 

Allerdings waren entsprechende, in den Höhen vorentzerrte CDs ohnehin von Anfang an selten; man weiß in der Regel nicht, welche das sind, sofern man sie nicht in der auf der Lumin-Homepage verlinkten Liste findet. Doch zeigt dieses Detail wie auch die Möglichkeit zur Invertierung der Absolutphase die Detailverliebtheit und Qualitätsbesessenheit der Entwickler.

Bereits vor dem „Happy End“ im ESS ES9038Pro Sabre durchlaufen die digitalen Signale einen spannenden Prozess.Lumin nutzt einen selbst programmierten FPGA (Field Programmable Gate Array) statt eines PC-Prozessors, um seine eigene, besonders effiziente Betriebsoftware zu verwenden und vertraut auf Master-Clocks mit Femto-Sekunden-Präzision.

Durch Verwendung der Lumin-App statt Roon lässt sich die Auslastung und damit des Rauschen des Prozessors noch weiter verringern. Das gleiche gilt im Zusammenspiel mit dem „schlanken“ iOS statt mit Android, für das es auch eine Lumin-App gibt. Der Lumin X1 verdaut PCM mit bis zu 32 Bit/768 kHz und natives DSD512. 

Damit möglichst viel davon im Vorverstärker oder den Endstufen respektive Aktivboxen bei Verwendung der zuschaltbaren Lautstärkeregelung ankommt, spendierte Lumin den symmetrischen XLR-Ausgängen sogar die für extreme Kabellängen im Profibereich gebräuchlichen Ausgangstrafos in Top-Qualität in Form zweier Lundahl LL7401.

Lumin X1 im Test - Innen

© Lumin

Neben beträchtlichem Aufwand im Digitalbereich fallen vor allem die Übertrager für den symmetrischen XLR-Out auf (links unten)

Der Streamer für Perfektionisten

Die Digital-Ausgänge sind flexibel konfigurierbar. Für den Fall, dass tatsächlich jemandem die Fähigkeiten des integrierten DACs nicht ausreichen, kann man die Digitaldaten auf viele Arten aufbereiten und via USB oder koaxialer BNC-Buchse ausgeben. Was genau aus welchem Ausgang herauskommt, lässt sich über die Lumin-App vorgeben. 

Es gibt eine zuschaltbare Lautstärkeregelung, um den Lumin X1 als Digital-Vorverstärker zu verwenden. Um DSD über USB an externe D/A-Wandler oder PCs auzugeben, lassen sich die Daten ins DoP-Format (DSD over PCM) umwandeln. Man kann sie aber auch auf PCM downsamplen, um mit gewöhnlichen DACs kompatibel zu sein. 

Den gleichen Hintergrund hat die wählbare Downsampling-Rate für PCM-Dateien mit 352,8 kHz oder 384 kHz Samplingfrequenz. Auch für 196 und bei 176,4 kHz gibt es entsprechende Optionen, bei denen jeweils auf geradzahlige Teiler geachtet wird, um den Jitter gering zu halten. Für MQA-Files lässt sich ebenfalls bestimmen, wie sie weitergereicht werden. 

Mehr lesen

Streaming Zuhause - Lifestyle Pulse2
Streaming FAQ

Nur wenn Player, Server und Smartphone richtig zusammenspielen, wird Streamen zum Vergnügen. Wir klären die wichtigsten Fragen zum Musik-Streaming.

Viele Möglichkeiten gibt es auch beim Upsampling während der Wiedergabe. Das Beste daran: Angesichts seiner unzähligen Funktionen ist der X1 sogar gut zu bedienen. Die App wirkt allerdings nüchtern wie ein Profi-Tool und überfrachtet bisweilen den kleinen Touchscreen eines Smartphones. Wer sich einen Streamer wie den Lumin X1 gönnt, sollte sich für den Gebrauch der App noch ein iPad leisten. 

Der Klang begeisterte in jeder Hinsicht. Der tiefreichende Bass besaß den nötigen Kick, was in Verbindung mit der frischen, dynamischen Spielweise für perfekten Drive sorgte. Das Differenzierungsvermögen war in jedem Bereich vorhanden. Der Fokus war superb, die Abbildungsstabilität ebenfalls. 

Die Synthese aus Authentizität und Dynamik erzeugte Gänsehaut. Die Q-Sound-Effekte in Songs wie wie „Amused To Death“ von Roger Waters wirkten plastisch und stabil wie aus separaten Boxen hinterm Sitzplatz. Wer wirklich alles aus seinen Aufnahmen herausholen will, der bekommt mit dem Lumin X1 trotz hohem Preis einen hohen Gegenwert.

Fazit

Ein Speed-Freak wie ich verbindet mit der Bezeichnung X1 wohl ewig das legendäre Raketenflugzeug von Bell, mit dem mein Jugendidol Chuck Yeager 1947 die Schallmauer durchbrach. Der Lumin X1 ist ebenfalls ein Superlativ: Er ist für mich der Überflieger unter den Streamern. Er klingt mitreißend authentisch, ist funktionell und sieht top aus.

Mehr zum Thema

T+A MP 3100 HV
SACD-Netzwerkplayer

Der Netzwerkplayer T+A MP 3100 HV ist ein Alleskönner, der alle aktuellen digitalen Signalquellen vereint. Was uns daran begeistert, lesen Sie im…
Bluesound Node 2
Netzwerkplayer

Der Netzwerkplayer Node 2 von Bluesound ist kaum größer als ein Taschenbuch, doch drinnen steckt jede Menge Technik. Kann er im Test überzeugen?
Fiio M7
HiRes-Portable-Player

Für einen mobilen HiRes-Player ist der Fiio M7 recht günstig. Wir testen, was der Mobilplayer kann und wie gut die Bluetooth-Übertragung klappt.
Ode an die 80er: Teac NR-7CD  im Test
Netzwerk-CD-Player

Gibt es Liebe auf den ersten Blick? Bei diesem Teac lautete die Antwort: ja! Das Design verbindet High-Tech auf unnachahmliche Art mit Retro, und auch…
Nuprime IDA-8 im Test
Komplettsystem ohne Boxen

So klein kann stark sein: Der Nuprime IDA-8 ist ein kräftiger kleiner Amp, der gleich noch einen aufwendigen HiRes-DAC in sich trägt. Dazu bietet er…
Alle Testberichte
Huawei Y7 2019
Übersicht 2019
Vom Einsteiger-Handy bis zum Flaggschiff: Unsere Übersicht listet alle aktuellen Huawei-Smartphones, die den connect Test durchlaufen haben.
Unitymedia Logo Firmensitz
connect Festnetztest 2019
Überraschung: Nachdem die Kölner in den letzten Jahren im Mittelfeld landeten, sind sie diesmal der Sieger im connect Festnetztest 2019.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.