IFA 2019

Nokia 6.2 und 7.2 im ersten Test

Auf der IFA hat Nokia die neuen Mittelklasse-Smartphones 6.2 und 7.2 sowie ein paar einfache Telefone vorgestellt. Die Finnen bleiben auf Erfolgskurs. connect konnte einige Modelle bereits in die Hand nehmen.

Nokia 7.2 und 6.2

© connect

Im Vordergrund ist das Nokia 6.2 zu sehen, hinten das 7.2 mit Triple-Kamera von Zeiss. Beide Phones sind mit 160 x 75 mm sehr handlich. 

Das neue Nokia, hinter dem die von Ex-Nokianern gegründete Firma HMD mit Hauptsitz in Finnland steht, hat innerhalb weniger Jahre einen festen Platz im Smartphone-Markt erobert. In Deutschland bewege man sich stabil in den Top 5 der Smartphone-Hersteller, wobei die Position zwischen Platz 4 und 5 hin und her schwanke, so Deutschland-Chef Eric Matthes im Rahmen der Produktvorstellungen. In Anbetracht eines gesättigten und umkämpften Marktes ist das eine beeindruckende Leistung.

Ein Standbein des Erfolges ist die vorbildliche Update-Politik, die – von Apple und Google einmal abgesehen – praktisch alle Smartphone-Hersteller in den Schatten stellt. Gerade haben die Finnen den Update-Fahrplan für Ihr Portfolio auf Android 10 bekannt gegeben (siehe Abbildung) und Matthes erklärte, dass alle Nokia-Modelle mit einem aktuellen Betriebssystem, also Android 9, ausgerüstet sind.

Das ist ein dicker Pluspunkt und ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem Nokia nicht nur im B2B-Segment (laut Matthes stark wachsend), sondern auch im Privatkundengeschäft Eindruck schinden kann.

Nokias Update-Fahrplan für Android 10

© Nokia

Kein Smartphone bleibt zurück: Nokias Update-Fahrplan für Android 10 können sich andere Hersteller gerne zum Vorbild nehmen.

Nokia 6.2 und 7.2 im Hands-On

An der Spitze der IFA-Neuvorstellungen stehen das Nokia 6.2 und das Nokia 7.2, beides solide Mittelklasse-Modelle, die trotz der niedrigen Preise mit einer tadellosen Verarbeitung und wertigem Design aufwarten können. Hinzu kommt eine technische Ausstattung, die es in sich hat.

Das Nokia 6.2 wird nur 249 Euro kosten, wenn es Mitte Oktober in den Handel kommt, und dafür bekommt der Käufer nicht nur ein 6,3-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung, sondern auch eine Triple-Kamera und 64 GB Speicher. Die Anfassqualität mit Kunststoffrahmen und Gorilla Glass 3 vorne und hinten ist solide und vermittelt hohe Stabilität.

Nokia 7.2 Rückseite

© connect

Die Rückseite besteht aus Gorilla Glas 3 mit einer mattierten Oberfläche, die vergleichsweise rutschfest und resistent gegen Fingerabdrücke ist.

Nokia 6.2 technische Daten

  • Größe, Gewicht, Farben: 160 x 75 x 8 mm, 180 g, schwarz, weiß
  • SoC und Speicher: Qualcomm Snapdragon 636, 4GB RAM, 64 GB ROM
  • Display: LCD, 6,3 Zoll, 2240 x 1080 Pixel
  • Kamera: 16 MP Weitwinkel + 8 MP Ultra-Weitwinkel + 5 MP Bokeh / Frontkamera mit 8 MP
  • Anschlüsse: Klinke und USB-C
  • Akku: 3500 mAh, 10-Watt-Netzteil im Lieferumfang
  • System: Android 9 Pie mit Android One (natives Android mit 2 garantierten Versionsupdates)
  • Extras: Benachrichtigungs-LED, Gesichtserkennung, Taste für Google Assistant, Radio, micro-SD und Dual-SIM

Das Nokia 7.2 hat einen stärkeren Prozessor und setzt bei der Kamera noch einen drauf. Sie stammt von Optik-Spezialist und Nokia-Partner Zeiss, dessen Schriftzug auch die rückseitig kreisrund herausstehende Kamera-Einheit ziert. Beim Ultra-Weitwinkel (8 Megapixel) und beim Bokeh (5 Megapixel) bleibt alles beim alten, der Hauptsensor löst aber mit 48 Megapixel besonders hoch auf. Er beherrscht Pixel-Binning, eine Technologie, bei der 4 Pixel zu einem großflächigem und damit besonders lichtempfindlichen Pixel verschmolzen werden. Aus einem 48-Megapixel-Foto wird also ein 12-Megapixel-Foto, das auch bei wenig Licht noch rauscharm und verwackelungsfrei ist.

Das 7.2 kommt denn auch mit einem speziellen Nachtmodus für Aufnahmen in der Dunkelheit. Huaweis P20 Pro sorgte damit 2018 für Furore – das war allerdings ein Highend-Smartphone, während das Nokia 7.2 im Oktober 2019 bei 299 Euro startet.

Das ist ein Kampfpreis, denn auch die übrige Ausstattung stimmt, und sie kommt wie gewohnt in einem stimmig eleganten Glas-Gehäuse (Gorilla Glass 3), das von einem Metallrahmen zusammengehalten wird.

Nokia 7.2 technische Daten

  • Größe, Gewicht, Farben: 160 x 75 x 8 mm, 180 g, schwarz, weiß, grün
  • SoC und Speicher: Qualcomm Snapdragon 660, 4GB RAM, 64 GB ROM
  • Display: LCD, 6,3 Zoll, 2240 x 1080 Pixel
  • Kamera: 48 MP Weitwinkel (Quad-Binning) + 8 MP Ultra-Weitwinkel + 5 MP Bokeh / Frontkamera mit 20 MP
  • Anschlüsse: Klinke und USB-C
  • Akku: 3500 mAh, 10-Watt-Netzteil im Lieferumfang
  • System: Android 9 Pie mit Android One (natives Android mit 2 garantierten Versionsupdates)
  • Extras: Benachrichtigungs-LED, Gesichtserkennung, Taste für Google Assistant, Radio, micro-SD und Dual-SIM
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Beim Nokia 6.2 und beim 7.2 wurde auf der linken Seite eine Extra-Taste für den Google Assistant positioniert.

Beide Smartphones gehören zu Googles Android-One-Initiative, was bedeutet, dass zwei Versionsupdates (Android 10 und 11) und monatliche Sicherheitsupdates für einen Zeitraum von 3 Jahren garantiert sind. 

Nokia 800 Tough

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Groß, schwer und teuer: Das 800 Tough soll 119 Euro kosten.

Neue Feature Phones reichen nicht

Während Nokia bei Android-Smartphones mit einem exzellenten Preis-Leistungsverhältnis Punkte sammelt, ist man im Segment der Feature Phones, also der Smartphones ohne erweiterterbares Betriebssystem, eher hochpreisig unterwegs. Hier wurde mit dem 2720 Flip ein alter Klassiker wiederbelebt, das Klapp-Handy 2720 fold.

Beim 800 Tough handelt es sich um ein robustes Outdoor-Handy. Beide Phones sind mit 99 Euro (Flip) beziehungsweise 119 Euro (Tough) keine Schnäppchen, dürften aber aufgrund der hohen Produktqualität und der Zugkraft der Marke viele Käufer finden. Nokia ist nicht ohne Grund unangefochtener Marktführer bei Feature Phones.

Aber eben diese Tatsache stellt für das Unternehmen perspektivisch auch ein Problem dar. Denn die Marktführerschaft bedeutet im Umkehrschluss, dass das Wachstumspotential begrenzt ist. Auch im Mittelklasse-Segment sind die Aussichten endlich, zumal Nokia hier in den letzten 12 Monaten nicht mehr so stark wachsen konnte wie in den Jahren zuvor.

Die schillernde Erfolgsstory um den Wiederaufstieg der Marke ist nun in den Mühen der Ebene angekommen. Die eigentliche Bewährungsprobe steht 2019/20 bevor.

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