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Pro-Ject Xtension 9 Evolution SuperPack im Test

Pro-Ject baut sein Imperium aus. Wir haben es mit einem finanzkräftigen Global-Player zu tun. Das Schöne: Auch die Fans werden beschenkt. Wie beispielsweise mit dem superben, erschwinglichen Xtension 9 Evolution.

Schallplatte Player

© Pro-Ject

Pro-Ject legt den Plattenteller des Xtension 9 auf eine Keramikkugel; das Lager selbst ruht ebenfalls auf einem Keramikboden.

Pro

  • souveräner Abnehmer
  • feiner Tonarm aus Carbon
  • unerschütterliches Laufwerk
  • klangliche Spitzenklasse

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 77 Punkte; Klang: 53 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Wie definiert sich Pro-Ject? Bis vor Kurzem war man als Anbieter von erstaunlich erschwinglichen Plattendrehern unterwegs. Nun hat man bereits ein stattliches Portfolio erreicht, das bis in die höchsten Höhen des High End geht. Der Firmenchef Heinz Lichtenegger hat klug gewirtschaftet und Stück für Stück den Katalog ausgebaut. Gerade ist ihm sein jüngster Coup gelungen: Er hat den britischen Elektronik-Hersteller Musical Fidelity aufgekauft. So erschafft man ein Imperium. Der Mann darf sich als Fürst bezeichnen.

Wo will das Imperium hin? Pro-Ject ist der größte Gewinner des aktuellen Vinyl-Booms. Die Umsätze sind famos. Von Wien aus beherrscht der Hersteller eine komplette Welt. Legt Pro-Ject irgendwann eine eigene Lautsprecher-Serie auf und wird Vollsortimenter? Noch ist es eine Vermutung, die Zukunft wird es zeigen.

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Verlockendes Chassis

Wie weit die Wiener den Markt bereits aufgerollt haben, zeigt das Plattenspielermodell Xtension 9 Evolution vorbildlich. Hier geht es längst nicht mehr darum, eine Einsteiger-Gemeinschaft anzufixen, hier wird bereits feinstes High End betrieben. Wir stehen vor einem Edel-Player, einem Riemenantriebler mit vielen hochwertigen Details.

Schon das Chassis lockt die Finger und Augen an. Hier wird in Klavier-Finish lackiert oder in feinstem Furnier gewandelt. Der Xtension 9 Evolution ist in Mahagoni, Olive, Walnuss, Palisander oder Eukalyptus zu haben. Zur Bedämpfung füllt Pro-Ject die Basis mit Metallgranulat.

Stolze 16 Kilogramm bringt die Gesamtkonstruktion auf die Waage. Der Teller wird aus Aluminium geschliffen und mit einem thermoplastischen Elastomer aufgestockt. Zudem sorgt ein schwerer Plattenpuck für die perfekte Auflage der Rillen. König Kunde muss zudem nicht aufwendig den Riemen umlegen, will er mal zwischen 33 und 45 Umdrehungen wechseln: Die Motorsteuerung erledigt dies per Knopfdruck. Ein weiteres praktisches Plus: Die Acrylhaube ist im Lieferumfang inbegriffen.

Pro-Ject Xtension 9 Evolution

© Pro-ject Audio

Schlaue Kombi: Im "SuperPack" gibt es den Pro-Ject Xtension 9 Evolution mit dem großartigen MC-System Ortofon Quintet Black.

Als Tonarm hat Pro-Ject sein hauseigenes Modell 9cc Evolution spendiert, das wir schon ausführlich gewürdigt haben. Hier wird Carbon auf neun Zoll gestreckt. Clever legt Pro-Ject gleich vier unterschiedlich schwere Gegengewichte bei. Jeder noch so ungewöhnliche Tonabnehmer kann damit sinnvoll eingependelt werden. Die Konkurrenz spart oftmals bei der Höhenverstellung, nicht so Pro-Ject. Eine Schraubendrehung genügt, und der 9cc Evolution kann auf das ideale Verhältnis von Nadel zu Vinyl angepasst werden.

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Das "SuperPack"

Wer bis hierhin gefolgt ist und sein Portemonnaie aufmacht, müsste feststellen, dass ihm noch ein passender Tonabnehmer fehlt. Pro-Ject kürzt die Suche ab und bietet ein Xtension 9 Evolution "SuperPack" an: Hier gibt es ein MC-System, das Ortofon MC Quintet Black, im Paket mit hinzu. Eine schlaue, klangvolle Kombination, die auch finanziell verlockend ist. Das Black würde allein 800 Euro kosten und stellt die Speerspitze der Quintet-Serie dar.

Die Spule wurde aus vergoldetem, monokristallinem Kupfer gestrickt, an der Spitze des Bor-Nadelträgers sitzt ein Edelstein im Shibata-Schliff. Wir sind von der konzeptionellen Stärke und dem noch erschwinglichen Preis beeindruckt. 2.650 Euro verlangt Pro-Ject für das Xtension 9 Evolution SuperPack. Die Zielgruppe ist klar: Aufsteiger oder schlaue Einsteiger, die das gewisse Quäntchen mehr investieren können.

Emotional stark

Wo stehen wir klanglich? Weit über der Preisklasse. Dieser Player hat uns fasziniert und beglückt. Hier stimmt das analoge Lebensgefühl ebenso wie die feinste, analytische Ausbeute. Als erste schwarze Scheibe haben wir eine bereits mythische Edelpressung der Decca aufgelegt: Sir Georg Solti dirigiert das London Symphony Orchestra in Bela Bartoks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta. Die Musik kennt man nicht? Oh doch: Stanley Kubrick hat sie ausgiebig in seinem Film "Shining" verwendet.

Selbst in den leisen Tönen wird eine starke Emotionalität ausgesandt. Der Pro-Ject zeigte im Test diese genussvolle Art, das erzeugte Gänsehaut. Zudem stimmte der Mix aus direkter Präsenz und Rauminformation – bis in die Forte-Momente hinein; da stellte sich eine erstaunliche Druckkraft an den Membranen ein. Den Drive lieferte die Souveränität des Laufwerks, die feine Auflösung stammte von der Kombi Tonarm und -abnehmer. Das vermittelte die schönste Spielfreude. Unwissend hätten wir die Gesamtkombi deutlich teurer eingeschätzt.

Eine weitere Luxuspressung, die man besitzen sollte: Till Brönner und Dieter Ilg interpretieren das Album "Nightfall" – Trompete trifft auf Kontrabass. Kleiner kann eine Jazz-Besetzung nicht ausfallen. Das sind Miniaturen, bestehend aus ganz großer Kunst. Auch die Tontechniker haben Vollendetes geleistet. Die Instrumente klingen direkt, warm, reich – ultrapräzise dazu die Rauminformationen. Wenn denn auch der Anfang der Kette mitspielt. Die LP-Version klingt fast besser als der HiRes-Download.

Der Xtension 9 Evolution offenbarte jede noch so kleine Information. Klasse, wie wir die Phrasierungen von Till Brönner vor die Ohren gesetzt bekamen; superb, wie raumgreifend sich die Bässe von Dieter Ilg formten. Eine dicke Empfehlung von uns und natürlich ein "Highlight" obendrauf.

Pro-Ject Xtension 9 Evolution

© Pro-ject Audio

Freier Blick: Der Motor-Pulley des Pro-Ject Xtension 9 Evolution wird normalerweise von einer Metallplatte verdeckt. Die unterschiedlichen Antriebsvarianten werden elektronisch geregelt.

Fazit

Kombinieren muss man können. Uns sind schon einige Hersteller begegnet, die sich verzockt haben. Nicht so Pro-Ject.

Das Aufgebot mit dem Namen Xtension 9 Evolution SuperPack ist eine großartige Kombi – sinnig und klangstark. Schon an der Nadel fängt es an: Das MC Quintet Black ist ein traumhaft souveräner Abnehmer. Dann der feine Tonarm aus Carbon, dazu das unerschütterliche Laufwerk. Klanglich sind wir in der Spitzenklasse daheim.

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