Mittelklasse-Smartphones

Motorola One Hyper vs. Huawei P30 lite New Edition

In der Mittelklasse jagt eine Modellneuheit die nächste. Ob und wie weit das Motorola One Hyper und das Huawei P30 lite New Edition nach vorne preschen, klärt unser Test.

© Motorola / Huawei / Montage: connect

Beide Hersteller bieten starke Geräte in der Mittelklasse. Motorola hat allerdings die Nase vorn.

Eine Erkenntnis unserer langjährigen Erfahrung mit Smartphonetests lautet: Motorolas Mittelklassemodelle sind immer wieder für positive Überraschungen gut. Allein deshalb verdient das One Hyper Aufmerksamkeit. 

Die Erwartungen an das überarbeitete Huawei P30 lite sind ebenfalls hoch. Schließlich klingt auch in der New-Edition-Variante das verführerische Versprechen an, für „kleines Geld“ ein nur geringfügig abgespecktes P30 zu ergattern. 

Im direkten Aufeinandertreffen erweisen sich die beiden zunächst als ungleiches Paar: Das kleinere, smartere Huawei liegt mit seinen 159 Gramm trotz glatter Rückseite und kantigerem Korpus angenehm in der Hand. Doch auch das merklich schwerere und größere Motorola hat was Besonderes. 

Zum Beispiel eine sehr edle, schwarz-blau spiegelnde Rückseite. Einigkeit herrscht bei der Materialwahl (Kunststoff) und der Verarbeitungsqualität, die tadellos ist. 

Eine IP-Zertifizierung, die den Modellen erhöhte Staub- und Wasserdichtheit bescheinigt, fehlt. Motorola schützt das Gehäuse immerhin mit einer Wassertropfen abweisenden Beschichtung.

© Screenshot & Montage: connect

(links) Diverse Klingeltöne hat jeder. Hier können sich Anrufer auch per Videoclip zu erkennen geben. (rechts) KI-gestützte Funktionen liefern unter anderem Informationen zu den erkannten Gegenständen.

Displays

Die Displays bieten weder Curved-Effekte an den Rändern noch die OLED-typische Farb- und Kontraststärke. Stattdessen bedecken die LCD-Panels jeweils 83% der Vorderseite, sodass für breite „Bilderrahmen“ erfreulich wenig Platz bleibt. 

Huawei bringt die Fronkamera in einer tropfenförmigen Aussparung unter. Deren Auflösung wurde von 24 auf 32 Megapixel erhöht. Motorola kann auf die Notch verzichten, da die Selfiekamera bei Bedarf ähnlich wie beispielsweise im Honor 9X ausfährt und zudem bei einem Sturz automatisch in die Ausgangsstellung zurückfährt.

Kleiner Nachteil der Pop-up-Kamera ist die um circa eine Sekunde verzögerte Betriebsbereitschaft. Dafür gelingen sehr natürliche und detailreiche Selfies.

Die LC-Displays nehmen sich nicht viel, abgesehen von einem kleinen Unterschied von einem Zentimeter in der Bilddiagonale. Lichtausbeute, Dunkelkontraste (um 1:2150) und die Pixeldichten liegen nahe beieinander und können sich preisbezogen durchweg sehen lassen.

Beachtliches Speicherangebot 

Im Speichervergleich mischt die New-Edition-Variante von Huawei die gesamte Mittelklasse auf: Satte 243 GB stehen intern für Apps, Fotos, Filme und mehr bereit. Vor allem für diejenigen, die nicht auf Onlinespeicher setzen, ist das ein Wort. Das One Hyper begnügt sich mit standesgemäßen 114 GB. Dank der Hybrid-Steckplätze geht noch mehr – vorausgesetzt, es wird keine zweite SIM-Karte benötigt.

 In den Benchmarkvergleichen der Midrange-Systemchips schneidet der jüngere Qualcomm Snapdragon 675 im Motorola etwas besser ab als Huaweis Kirin 710, der auf 6 statt 4 GB Arbeitsspeicher zurückgreifen kann. Das Leistungsvermögen reicht jeweils locker für flottes Multitasking und aktuelle 3D-Spiele.

© Huawei / Montage: connect

Huawei setzt auf eine Tripelkamera mit 48-MP-Hauptsensor.

Verschiedene Softwarestände

Das neue Huawei P30 lite basiert noch auf Android 9 mit dem Sicherheitspatch vom 1. Dezember 2019. Die bewährte, vielseitige EMUI- Bedienoberfläche entspricht der Version 9.1.0. Ungeachtet des Handelsstreits zwischen den USA und China ist bei diesem überarbeiteten Modell – anders als beim Mate 30 Pro – das Google-App-Paket samt Zugang zum Play Store vorhanden. 

Mit dem fast unbearbeiteten Android 10 ist das Motorola auf Höhe der Zeit. Ob das künftig so bleiben wird? Wahrscheinlich ja. Garantiert ist das aber nicht. Denn dem One Hyper fehlt die Android-One-Unterstützung und damit die Garantie, drei Jahre lang zügig Sicherheitsaktualisierungen zu erhalten.

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Konnektivität & Kamera 

Offen für einen digital vernetzten Lifestyle präsentieren sich beide Testkandidaten – auch wenn die höchsten LTE-Geschwindigkeitsstufen sowie Funkstandards wie WiFi-6 außen vor bleiben. WLAN-ac, Bluetooth und LTE-Downloads bis 600 Mbit/s stehen bereit. Mobiles Bezahlen ist per NFC-Chip möglich. 

Telefonieren im 4G-Netz und via WLAN unterstützen beide Modelle. Aufhorchen dürfen auch Musikhörer. Neben einer UKW-Radio-App bietet das Duo eine Klinkenbuchse für den Anschluss hochwertigerer Kopfhörer. Mit seiner deutlich höheren Ausgangsspannung (968 mV) ist das One Hyper dafür besser geeignet. Auf Stereolautsprecher verzichten beide. 

Dem Motorola liegt neben einer transparenten Schutzhülle auch ein passabel klingendes In-Ear-Headset bei. Filmaufnahmen erstellt das One Hyper maximal in 4K-Qualität mit 30 Bildern pro Sekunde (fps) und erfreulicherweise auch bei aktivierter elektronischer Videostabilisierung. Das P30 lite New Edition zeichnet in typischer Full-HD-Auflösung mit bis zu 60 fps auf.

© Motorola / Montage: connect

Motorola setzt auf eine Dualkamera mit 64-MP-Sensor.

Kameravergleich

Jede Menge Möglichkeiten: Die etwas weit aus der Gehäuseoberfläche herausstehende Tripelkamera des Huawei bietet neben einer hochauflösenden 48-Megapixel-Kamera (f1.8) eine Bokeh-Optik mit 2 MP für effektvollere Portraits und eine recht lichtschwache Ultraweitwinkeleinheit (8 MP). 

Eine KI-gestützte Echtzeit-Szenenerkennung ordnet die Motive auf Wunsch automatisch 22 bzw. bei der Frontkamera acht typischen Bildkategorien zu. Für beste Bildqualität empfehlen wir den 12-MP-Modus ohne HDR. Anders als beim Fotografieren in maximaler Auflösung stehen dann auch KI-Szenenerkennung, Ultraweitwinkel und eine 2-fach-Zoomfunktion zur Wahl.

In unseren Labortests blieb die Fotoqualität hinter den Erwartungen zurück. In der Praxis gelingen mit der Hauptkamera unter guten Lichtbedingungen durchaus passable Fotos, die relativ farbtreu gezeichnet werden. Die 32-Megapixel-Selfiekamera (f2.0) macht ihre Sache sehr ordentlich und natürlich. 

© WEKA Media Publishing GmbH

(links)Huawei: Bei der Abbildung der Klinkerfassade schleichen sich in unserer Beispielaufnahme beim Huawei mehr Ungenauigkeiten (Fugen) ein. (rechts) Motorola: Das Motorola bietet hier mehr Details in den Ästen und der Fassade. Insgesamt wirkt die Aufnahme auch in der Tiefe klarer und greifbarer.

Die Dualkamera des Motorola vertraut im „normalen“ Weitwinkelbereich auf einen noch höher auflösenden 64-Megapixel-Sensor und eine Optik mit identischer Lichtstärke (f1.8). Die beste Aufnahmequalität liefert der 16-MP-Modus ohne HDR. Hier greift dann die Quad-Pixel-Technologie, die jeweils Informationen von vier Bildpunkten zusammenfasst. 

Damit lässt sich im besten Fall die Lichtempfindlichkeit ohne markante Rauschzunahme erhöhen. Sind größere Bildausschnitte gewünscht, bietet sich der Einsatz der Ultraweitwinkeloptik (8 MP, f2.2) an. Ein Time-of-Flight (ToF)-Sensor kümmert sich um die Entfernungsmessung. 

© Screenshot & Montage: connect

(links) Zweimal „hacken“ aktiviert die Taschenlampe – auch das One Hyper hat die Moto-Action-Features. (rechts) Ein LED-Ring um den rückseitigen Fingerprintsensor signalisiert Anrufe und Nachrichten.

Er ermöglicht auch bei schlechteren Lichtverhältnissen eine schnelle, zuverlässige lasergestützte Autofokussierung. Den labortechnischen Kameravergleich kann das Motorola in heller und noch deutlicher in dunkler Umgebung für sich entscheiden. Auch überzeugend: die Fotoqualität der ein- und ausfahrbaren Selfiekamera.

Große Ausdauerunterschiede

Ein 4000-mAh-Akku verhilft dem Motorola zu einer herausragenden Ausdauer von 12:10 Stunden. Der Akku im Huawei (3340 mAh) muss schon nach 7:17 Stunden ans Stromnetz. Ein schnellladefähiges Netzteil mit 20 Watt liegt bei. Motorolas 27-Watt-Netzadapter verkürzt die Ladezeiten auf ca. eine Stunde. 

Mit einem optional erhältlichen 45-Watt-Ladegerät (USB Power Delivery 3.0) holt sich das One Hyper noch schneller frische Energie. Im Testlab überzeugt das Motorola mit etwas besseren Sende-/Empfangsleistungen im wichtigen LTE- Durchgang. 

Das Huawei P30 lite New Edition sammelt dafür mit starken Akustikeigenschaften beim Telefonieren zusätzliche Punkte. Mit der deutlich besseren Ausdauer setzt sich am Ende das Motorola One Hyper klar nach oben ab, hat so in der Mittelklasse sogar das Zeug zu einem Verkaufshit und ist damit top.

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Fazit

Ein echter Flop war keiner dabei. Beide Modelle zeigen in der Mittelklasse individuelle Stärken. Das leichtere Huawei glänzt mit handlicherem Design und mit massig freiem Speicher. Das Google-App-Paket ist an Bord, und auch die Chancen auf ein Upgrade auf Android 10 stehen wohl nicht schlecht (für das P30 lite ist es offiziell angekündigt). 

Das größere, schwerere Motorola bewegt sich auch punktemäßig auf höherem Niveau – in erster Linie wegen der überragenden Ausdauer und der überzeugenden Kameraleistungen. Darin eingeschlossen ist explizit auch die feine Bildqualität der „fahrbaren“ Frontkamera.​

Details: Huawei P30 lite New Edition

Pro:

  • kompaktes, smartes Design, exzellente Verarbeitung
  • 243 GB freier Speicher
  • standesgemäßer, nahezu frontfüllender LCD-Bildschirm
  • variabel einsetzbare Tripel-Hauptkamera
  • Frontkamera mit 32 MP
  • intuitive Benutzeroberfläche mit Extras wie FM-Radio, Rekorder...
  • gute Akustik

Cotnra:

  • mäßige Fotoqualität im Labor
  • relativ weit hervorstehende rückseitige Kameraeinheit
  • geringe Ausdauer
  • keine IP-Zertifizierung

connect-Urteil: gut (378 von 500 Punkten)

Details: Motorola One Hyper

Pro:

  • wertiger Metallic-Look, grundsolide Verarbeitungsqualität
  • notchfreies LC-Display
  • praxisgerechte Hardwareausstattung mit 114 GB Speicher
  • starke Dual-Hauptkamera
  • Pop-up-Frontkamera mit 32 MP
  • pures Android 10
  • hohe Ausdauer
  • 27-Watt Schnelllade-Netzteil und brauchbares In-Ear-Headset
  • gute Funkleistungen

Contra: 

  • keine verlängerte Updategarantie mangels Android One
  • nicht staub- und wasserdicht nach IP-Zertifizierung

connect-Urteil: gut (393 von 500 Punkten)

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