Testbericht

AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

Sonys neues AV-Flaggschiff STR DA 6400 ES (3000 Euro) fühlt sich erst in Heimnetzen hundertprozentig wohl. Bleibt zu hoffen, dass er auch auf klassische Weise toll musizieren kann.

  1. AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES
  2. stereoplay - Neue Netzwerfunktionen
  3. Datenblatt
AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

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AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES
AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

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Über seine zwei DMPort-Buchsen und eine Ethernet-Schnittstelle streckt der STR DA 6400 ES seine Fühler zu digitalem Extra-Zubehör (iPod-Dock, Bluetooth...) und zu diversen Netzwelten aus.

Selbst wenn man seine beträchtlichen Netzfähigkeiten außer Acht lässt, glänzt Sonys 3000-Euro-Receiver immer noch mit bedeutenden Pfunden. Oder je nachdem auch mit Bescheidenheit. So gestattet der STR DA 6400 ES zwar, das Setup sowohl über das fein gezeichnete, Film-transparente Grafik-Bildschirmmenü als auch über das Gerätedisplay vorzunehmen. Dem Fan, der via Digital-Management-Eingang (DMPort) ein entsprechendes optionales Dock anschließt, könnte aber aufstoßen, dass er zur komfortablen Bedienung seines iPods dann doch wieder den Monitor braucht.

Ambitionierte Videasten verwöhnt der neue Sony auch nicht gerade. Die an den insgesamt sechs HDMI-Eingängen anrückenden Videodaten reicht er bei Bedarf  auf dem schonendsten direkten Weg - ohne Menü-Beaufschlagung - zu den zwei alternativ anwählbaren HDMI-Ausgängen 1:1 durch. Auf ein Video-Equalizing, wie es aktuelle große Onkyos bieten, gilt es allerdings zu verzichten.

AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

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Die Fernbedienung für den Hauptraum bringt Tasten für das Setup und die nur dort anwählbaren sechs HDMI-Ins mit.

Das gilt auch dann, wenn der Siebenkanaler (bei dem Sony auf S-Video-Anschlüsse verzichtete) analoges Einfach-FBAS- oder  3-Komponenten-Video ins HDMI-Format umwandelt. Selbstredend vermag er dann aber unter penibler Bewegungsberücksichtigung aus der Folge von Bildern mit halber Zeilenzahl volle herzustellen (De-Interlacing von i auf p). Natürlich rechnet er auch die Linienzahl bis hoch zu 1080p (p für Vollbilder) auf die für den jeweiligen Monitor günstigste um.

Als wirklichen Reichtum bringt der STR DA 6400 ES nun aber  nicht nur einen bestens beleumundeten großen Videoprozessor  von Faradjou/Genesis, sondern gleich zwei mit. Und zwar extra dafür, dass ein User in einem  Zweitraum via 3-Komponenten-Leitung sein eigenes, bis zu 720p oder 1080i hochkonvertiertes Bild nebst eigenem Bedienmenü empfangen kann.

Dass der Sony (ebenso wie schon der kleinere STR DA 5400 ES von Heft 11/08) den einen und den anderen Film Picture In Picture (PIP) darzustellen vermag, kommt als erhebliche Nettigkeit dazu. Ebenso, dass er nach Anschluss einer Kamera an der Buchse "Extern Video" zum Beispiel eine PIP-Baby-Überwachung erlaubt.

Als einziger neben Yamahas DSP Z 7 (3/09) bietet der Sony zu alledem einen Party-Mode an, der dafür sorgt, dass die Musiksignale einer Quelle ohne Zeitversatz zu den Endstufen und Hochpegelausgängen für Raum 1, 2 und 3 kommen und dass es dann da und dort gleichtaktig klingt.

AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

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Der mitgelieferte zweite Geber gebietet über Bild und Ton im Nebenzimmer. Ein abgesetztes IR-Auge bietet Sony als Option.

Als absolut neu und exklusiv darf Sony die "Quick-Click"-Funktion seines neuen Flaggschiffs nennen. Weil es oft in eine Plage ausartet, mit einer ganzen Reihe von Ferngebern körperlich hantieren zu müssen, ruft der STR DA 6400 ES jetzt solche virtuell  via Bildschirm auf den Plan. Es braucht dann allerdings zunächst viel Gehirnschmalz und Geduld dazu, um die elektronischen Speicher in der Fernbedienung (eine Code-Tabelle oder auch das Erlernen  von Infrarot-Kommandos müssen dabei helfen) mit dem entsprechenden Wissen zu füllen. Doch nach vergossenem Schweiß geht die zentrale Kontrolle einer ganzen Heimkinoanlage inklusive eines Beleuchtungssystems etwa von Lutron unter Umständen tatsächlich eleganter von der Hand.

Zuvor muss dann nur noch ein mitgelieferter (weitere gibt's als Option) und vom Receiver gesteuerter IR-Sender so installiert werden, dass er in die IR-Augen der AV-Kombattanten sieht.

Hauseigene Tonlieferanten steuert der Sony natürlich im ganz normalen Remote-Verbund. Im Fall des highendigen SACD/CD-Spielers STR DA 6400 ES (Test in Kürze) vermag er über die HDMI-Leitung Taktimpulse zurückzumelden, so dass der Player sich haarscharf an der Arbeit des D/A-Wandlers im Receiver orientieren und damit Zeitfehler sprich Jitter vermeiden kann.

AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

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1) Bei den HDMI-Eingangs-Switchern setzt Sony auf besonders impulsfixe IC-Eigengewächse. 2) Ein 12-Pol-Spezialstecker und sechs Doppelleitungen führen zum HDMI-Eingang auf der Front. 3) Unter den Kühlkörpern schwitzen Faroudja/Genesis-Video-Groß-ICs für den Haupt- und Nebenraum. 4) Die beigeordneten FPGAs (Free Programmable Gate Array) liefern Bedien-Grafik-Informationen zu.

Wer mag, darf schließlich auf eine Einmess-Automatik vertrauen; im klangoptimierten stereoplay-Hörraum trat der Sony jedoch mit Vorteil in manuellem Boxen-Setup und ansonsten in möglichst naturbelassenen Flat-Positionen an. Etwa gegen seinen in puncto Erscheinung und Ausstattung ähnlichen kleinen Bruder STR DA 5400 ES.

Dieser zog sich allerdings bald wieder mit einigen Blessuren zurück, denn allein schon gegen die sagenhaft plastischen und durch und durch muskulösen, souverän durchziehenden Bässe des 6400 kam er nicht an - weder bei Stereo und erst recht nicht in Surround. Natürlicher, wärmer und schöner verästelt, auch in Mitten und Höhen, zeigte der Große seine Extraklasse. Und nur ganz ganz oben  im Hörbereich wiesen sie eine Gemeinsamkeit auf, weil Sony sie zur Sanftmut erzog: Bei metallisch-gefährlichem Percussionsfeuer nahmen beide Receiver eine dezent-vorsichtige Haltung an.

Indem er mehr Licht ins Geschehen brachte und im Bass bei fast dem gleichen Nachdruck um einen Tick stringenter wirkte, kam Rotels sagenhafter RSX 1550 (2/09) schon eher gegen den neuen Sony an. Dieser bot allerdings bei den CD-Durchgängen - etwa bei den Klanglandschaften von Kari Bremnes "Reise" (Indigo-CD) - mehr Tiefe und Atmosphäre, während die Stimme der Sängerin noch natürlicher und weiblicher erschien. Mit seiner höchst angenehmen milden Souveränität bekam der Sony 43 Stereopunkte und mithin dann doch einen Zähler mehr.

Bei den überkommenen Surroundformaten schwang sich der STR 6400 ES zu absoluter Höchstform auf. Dem von ihm scheinbar mit leichter Hand in den Hörraum katapultierten, urig-grimmigen, völlig ungebremsten E-Bassknurren von Medesky, Martin und Wood's "Uninvisible" (DTS-Sampler) hatte der Rotel nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Und wenn auch die Becken nicht ganz so blitzten, tobte sich der Drummer an einem dreidimensionaler, noch handfester im Raum postierten Schalgzeug aus.

AV-Receiver Sony STR DA 6400 ES

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Sony hat die Doppel-Videowandlersektion seines AV-Flaggschiffs mächtig getunt. Volltreffer im Farbkreisel sowie gute Videofrequenzgänge und Rauschabstände ergeben ein Bild der Perfektion. Dazu kam bei der Sichtprüfung ein von Ruckeln und Säumen praktisch freies, astreines De-Interlacing.

Fast noch günstiger wirkte sich der Charakter des Sony auf Al Di Meolas "One Of  These Nights" (in-akustik-DVD in Dolby Digital) aus. Den für das Format sehr feinen, aber auch fast überschlanken Klang brachte er zu imposanter Fülle und farbiger Blüte, während er via RSX 1550 vergleichsweise spitzer und glasiger erschien.

Erst bei Blu-ray-HD-Titeln gelang es dem Rotel wieder aufzuholen. So stellte er "Appalachian Spring" mit dem San Francisco Symphony Orchestra in Dolby True HD mit Vorteil frischer, geigenseeliger, eleganter vor, während der bärige Sony - trotzdem er nach wie vor mit majestätischer Schwere und Großräumigkeit imponierte -  fast schon etwas zu ruhig wirkte. Bei genau den gleichen Unterschieden kam auch bei der "Figaro"-DTS-HD-Master-Aufnahme der Deutschen Grammophon nicht mehr als ein Patt heraus. In der Summe aller seiner Eigenschaften kann aber kein Zweifel daran bestehen, dass Sonys Net-umtriebiger STR DA 6400 ES zu den Besten seiner Gattung zählt.

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