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B&W 803 D3 im Test

B&W nutzt für die Membranen der D3-Serie ein eigens entwickletes Material. Wie das den Klang der B&W 803 D3 beeinflusst, verrät der Test.

B&W 803 D3

© Bowers & Wilkins

B&W 803 D3

Pro

  • herrschaftlicher Klang
  • perfektes Timing
  • höchste Spielfreude

Contra

Fazit

AUDIO Klangurteil: 104 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Die Premiere der 800-D3- erie hat die Menschen emotional berührt – wir haben gestandene Produktmanager weinen gesehen. Was haben die Ingenieure nur angestellt im britischen Steyning?

Hier residiert das Entwicklungszentrum von Bowers & Wilkins. Die Forscher haben für die D3-Serie mit allen bekannten Spielregeln gebrochen. Da geht es auch um Trennungsangst – beispielsweise von den markanten, gelben Kevlar-Membranen, die über Jahre das bevorzugte Material für die Mitteltöner waren. Aus und vorbei. Der neue Stoff heißt „Continuum“, ein Kunstname. Dahinter verbirgt sich ein Composit-Geflecht, das es so nur bei B&W gibt – aus Gelb wurde strahlendes Silber. Über die Feinheiten hat B&W eisernes Schweigen verhängt. Nur so viel dürfen wir wissen: Es geht hier um optimale und kontrollierte Nachgiebigkeit. Acht Jahre Forschungsarbeit stecken dahinter – und kein Mitbewerber konnte das Geheimnis knacken.

Auch deshalb verfallen wir stets in Hochachtung vor B&W. Das ist kein naives Anhimmeln; wir mögen einfach, wie die Briten unerschrocken neue Wege gehen und selbst das Beste noch verbessern können. Die D3-Serie klingt so überragend, dass wir die größere 802 D3​ in unserem Hörraum als audiophile Referenz etabliert haben. Nun erreichte uns die kleinere 803– wobei „klein“ relativ ist. Der Lautsprecher wirkt kompakter, bringt aber immerhin noch satte 65 Kilogramm auf die Waage. Wie gut, dass B&W an der Bodenplatte eine Rolle zum Rangieren integriert hat.​

Das Gehäuse ist nicht einfach nur eine verleimte Versammlung von MDF-Platten. B&W baut vielmehr eine optimierte Klangbasis aus mehreren Schichten auf, die zusätzlich verstrebt und gebogen werden. Hier​ gilt das Ideal der Matrix, verstärkt durch zusätzliche Aluminium- und Stahl-Elemente. Das Ganze steht auf einem massiven Metallsockel aus einer Aluminium-Zink-Legierung. Früher wurden im Sockel auch die Weichenbauteile versteckt – nun steckt B&W sie in den Rücken, hinter ein Aluminium-Profil, das zugleich als Kühlkörper taugt. Die 803 D3 hat die größten Änderungen in ihrer Architektur erfahren: Es gibt sie erstmals mit einem eigenen Kopf für den Mitteltöner. B&W nennt die charakteristische Rundung treffend „Turbine Head“ denn sie besitzt wirklich alle Erkennungszeichen einer Turbine.​

B&W 803 D3

© Bowers & Wilkins

Die Continuum-Membran für den Mitteltöner wurde am Rechner entwickelt und wird auch per Computer verklebt.

Die Form ist am Rechner entstanden – B&W hat dem Turbinenkopf sämtliche ungewollten Schwingungen ausgetrieben. Stromlinienförmig wird die Energie auf den Hörplatz projiziert. Gleiches gilt für den Hochtöner, der an der Front einer Aluminiumröhre sitzt. Hier schwingt ein Membranmaterial aus künstlichem Diamant – teurer geht es kaum. Auch hier hat sich B&W wieder ein höchsteigenes Know-how erarbeitet, das der Konkurrenz nicht zugänglich ist.

Nach dem gleichem Selbstbewusstsein tönt es auch in der Tiefe. Hier setzen die Mannen von Bowers & Wilkins auf „Aerofoil“. Wieder nutzten die Briten die Computersimulation. Die Struktur ist unterschiedlich dick, je nach Ideal des Schwingungsverhältnisses – wo Kraft gefragt ist, arbeitet ein dickerer Membrandurchmesser, wo Tempo das höchste Maß ist, schwingt der dünnere Teil. Gleich zwei 18-cm-Chassis hat B&W in der 803 D3 verbaut – nominell soll es sauber bis zu sagenhaften 16 Hertz in den Keller hinabgehen.

B&W 803 D3

© Bowers & Wilkins

Bowers & Wilkins setzt die 803 S3 auf höhenverstellbare Spikes. Praktisch, dass eine Rolle beim Rangieren hilft.

Hörtest

Ehe wir in Stress verfallen – beginnen wir unseren Hörtest ganz smooth: ein feiner Samba/Jazz-Mix mit Lyambiko, gerade frisch erschienen bei Sony. Da entscheidet sich schnell, wie musikalisch eine Standbox aufspielen kann. Die schönsten Technologien nützen nichts, wenn das Timing nicht stimmt. Doch die 803 S3 versetzte uns in einen Rausch: Da passte jeder noch so kleine Impuls in ein Großes, Ganzes. Im Track „Afionas“ huscht ein Besen über das Schlagzeug, dazu die Singstimme – die B&W erschuf ein Fest daraus. Wir hatten zunächst Angst, dass der gewaltige technologische Aufwand in einen technokratischen Klang münden würde. Doch nichts davon – die 803 klang wunderbar human.​

Wir hatten noch den Vorgänger im Ohr, doch die D3 ist klar besser. Hier ​spielen die Membranen – trotzt höchst unterschiedlicher Materialien – geradezu zauberhaft zusammen. Da war eine feine Fläche der Abbildung, ein großes Panorama, in perfekter Stimmigkeit – die schönste Harmonie.​

Etwas mehr Schub? Wir streamten den neusten Mix der Gorillaz herbei – das Album „The Now Now“ in 24 Bit. Da müssen die Bassmembranen ihren Punch offenbaren, es geht in der Tiefe mächtig zur Sache. Wir konnten den Hub der Aerofoil-Membranen sehen. Doch das sah sehr souverän aus und hörte sich auch so an: Selbst bei den heftigsten Impulsen blieb die 803 S3 entspannt auf Kurs. Das war erhaben bis zum Anschlag: In der heftigsten Dynamik und bei hohen Pegeln wirkte die 803 nie scharf oder angriffslustig, sondern bot eine Wand aus Klang und Informationen.

Das wollten wir auch bei bester Klassik erleben und streamten die Neueinspielung der Brahms-Symphonien unter Daniel Barenboim. Die Deutsche Grammophon hat sich Mühe gegeben und die Sätze in 24 Bit und 96 Kilohertz aufbereitet. Schon das „Un poco sostenuto“ der ersten Sinfonie wirkte großartig. Hier gibt die Kesselpauke den Rhythmus vor, es dominieren die Streicher – alles pocht. Die 803 D3 zeigte sich als unbestechlicher Lautsprecher. Bei ihr war alles klar, analytisch und stimmig. Der Raum wirkte abgegrenzt, die Phrasen atmeten, die Dynamik war fein in hunderte Grade unterteilt.

B&W 803 D3

© Bowers & Wilkins

Das teuerste Element der 803 D3 ist der Hochtöner mit der Diamant-Membran. Die Frontkappe wird fest verschraubt.

Mit diesem Lautsprecher kann man Tonaufnahmen abmischen. Wir verstehen, dass B&W als Hoflieferant der Abbey-Road-Studios agiert. Damit dieser Lautsprecher auch ins private Heim geliefert wird, muss man nur eines tun – die Brieftasche öffnen. 17.000 Euro sind viel Geld, hier aber fair und angemessen. Man bekommt dafür einen Lautsprecher, der vollkommene Freude über Jahre verheißt.​

Fazit

Sicher, B&W hat über der 803 D3 noch einen Himmel konstruiert. Dort oben wird es zwar noch ein wenig voluminöser, aber auch ein wenig teurer. Die 803 bietet nach unserem Gusto, was ein Lautsprecher bieten soll – große Ehrlichkeit und höchste Musikalität. Wir waren angetan, wie perfekt harmonisch die Chassis zusammenspielten. Immense Gedankenarbeit wurde hier vereint, und dennoch klang die 803 nie kühl. Analytisch ja, technokratisch nie. 17.000 Euro sind viel Geld. Hier gibt es dafür etwas Ultimatives – einen Lautsprecher, der Spielfreude mit hoher Informationsdichte vereint. Die B&W 803 D3 taugt als unsere freundschaftliche Empfehlung.​

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