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Musikserver

Cocktail Audio X35 im Test

Zwischen Mini-Anlagen und High-End-Systemen liegen Welten, oder? Der Cocktail Audio X35 schließt diese Lücke - und zwar in bemerkenswerter Perfektion.

Cocktail Audio X35

© Cocktail Audio

Der Cocktail Audio X35 in der Frontansicht.

Pro

  • überragende Mög­lichkeiten
  • einfache Bedienung
  • vielfältige Anschlüsse
  • guter Klang

Contra

  • CD-­Laufwerk mit leichten Laufgeräuschen

Fazit

AUDIO Klangurteil: 98 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Ein Plattenspieler, ein Verstärker und zwei Lautsprecher reichen für die Musikreproduktion auf höchstem Niveau in der Regel völlig. Wobei es kein Fehler ist, den Vollverstärker gegen eine Vor-/Endstufen-Kombi auszutauschen. Ein Zusatznetzteil für den Plattenspieler und eines für den Vorverstärker bringen den Klang weiter nach vorn. Und ein CD-Spieler, ein Netzwerkplayer, ein Musikserver sowie UKW oder DAB+ erweitern die Zugriffsmöglichkeiten auf die Quelle des Genusses: die Musik. 

Doch die große Zahl an meist völlig unterschiedlich gestalteten Kisten kann einem die Freude an der Musik vergällen. Wer jetzt einwendet, dass eine schrecklich klingende Mini-Anlage auch keine Lösung ist, hat Recht. Doch zum Glück gibt es eine Alternative. 

Die Firma Cocktail Audio hat es sich zum Ziel gesetzt, hochwertige Audioplayer zu bauen, die sich auf praktisch alle Formate und Quellen verstehen. Das mittelere Modell der X-Reihe, der X35, stellt die vollständigste Variante dar. 

Er ist eine Kombination aus Netzwerkspieler, Netzwerkserver, CD-Player, UKW- und DAB+-Radio sowie Vollverstärker inklusive potenter Endstufen. Ein paar gute Passivboxen reichen ihm also, um ihn zur kompletten Anlage auszubauen. Auffällig ist das gewaltige 7-Zoll-Display, über welches man das Gerät steuert. 

Eingangsseitig lassen sich neben zwei analogen auch digitale Quellen über Cinch, Toslink oder AES/EBU anschließen. Daneben ist sogar ein Phono- Eingang vorhanden, der Moving-Magnet- oder High-Output-Moving-Coil-Ton- abnehmer akzeptiert. Für Low-Output-MCs, die aufgrund ihrer Qualität durch aus Sinn ergeben, muss man zusätzlich einen eigenen Übertrager oder einen Phono-Vor-Vorverstärker einplanen.

Testsiegel Cocktail Audio X35 Empfehlung 12/17

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel Cocktail Audio X35 Empfehlung 12/17

Interne Festplatte

Der X35 kann Musik vom NAS im lokalen Netzwerk abspielen. Er bietet dem User auch die Möglichkeit, die eigene Musiksammlung zu speichern – auf der internen Festplatte, deren Größe und Bauart der Käufer bei der Bestellung bestimmt. Um das lüfterlose Gerät lautlos zu halten, empfehlen wir die Wahl einer Solid State Disk (SSD), die ohne bewegliche Teile auskommt und daher keine Geräusche von sich gibt. 

Mit solchem Festspeicher ausgestattet, kann der X35 auch anderen UPNP-Komponenten wie Lautsprechern oder Smart-TVs seine Musik zur Verfügung zu stellen. Technisch gesehen ist er also Server, Client und Renderer in einem und kann neben seiner zentralen Rolle in einer hochwertigen Anlage zusätzlich den Mittelpunkt eines Multiroom-Systems bilden. 

Zur Steuerung der komplexen Funktionen empfiehlt es sich, eine Smart- phone- oder Tablet-App einzusetzen. Cocktail Audio bietet hier keine eigene Entwicklung an, aber die App-Stores von Apple und Google sind mit passenden Programmen ausgerüstet. Im Test verwendeten wir die App „Music X“ des Entwicklers Novatron. Damit gelang uns die Steuerung einwandfrei und komfortabel vom Sofa aus. 

Musik-Files können vom PC oder Mac auf den X35 kopiert werden. Über das eingebaute CD-Laufwerk ist CD-Ripping ein Kinderspiel. Der User kann zwischen den Formaten MP3, WAV, AIF, ALAC, Ogg und FLAC wählen, wobei FLAC den audiophilsten Kompromiss zwischen Dateiumfang und Klangqualität darstellt. Tagging-Infos zur Katalogisierung von Künstler, Album und Titeln holt sich der X35 über das per WLAN oder LAN erreichbare Internet von der freien CDDB. Alternativ kann man eine per Daten-CD mitgelieferte Version der CDDB auf dem Gerät selbst installieren. 

Cocktail Audio X35 Anschlüsse

© Cocktail Audio

VOLLE PACKUNG: Digitale Ein-­ und Ausgänge in drei Formaten, zwei analoge Eingänge mit Line-­Pegel und sogar einen Phono­-Eingang für MM­-Systeme – hier gibt’s wirklich alles, was das Herz begehrt. Der HDMI­Port gibt ebenfalls Audiosignale aus, zusätzlich zum UI.

Auch das Laden der Cover von verschiedenen Quellen, zu denen auch Amazon gehört, geht kinderleicht. Selbst von analogen Quellen wie dem Plattenspieler lassen sich digitale Dateien aufzeichnen, in Tracks unterteilen und mit Metadaten versehen. Zum Einfügen von Textinformationen empfiehlt sich allerdings eine USB-Tastatur, die am X35 ebenfalls Anschluss findet und im Test tadellos funktionierte. 

In Bezug auf Komfort haben die Macher von Cocktail Audio an alles gedacht. Man merkt, dass man hier eigentlich einen vollwertigen Computer vor sich hat, nur ist er wesentlich besser bedienbar. Wer keine Musik aus eigenem Bestand hören möchte, kann auf die riesige Auswahl an Webradio-Stationen zugreifen, die der Receiver zur Verfügung stellt. Daneben ist Streaming über Spotify, Deezer, Qobuz und Tidal möglich, das entsprechende Nutzerkonto bei den genannten Diensten vorausgesetzt.

Nach so viel Technik wollten wir nun endlich Musik hören. Vom 7-Zoll-Farbdisplay des X35 sah die stimmgewaltige Adele mit festem Blick in den AUDIO-Hörraum – und stimmte ihr Mega-Hit-Album „25“ (2015) an, das ja auch klanglich etwas für Feinschmecker ist. Der Class-D-Amp beschickte unsere Referenzboxen Bowers & Wilkins 802D beherzt mit hochauflösender Musik von unserer AUDIO-NAS. 

Das Einrichten und Verbinden nebst Songauswahl funktionierte einwandfrei. Und schon schwebte Adeles Stimme fast schwerelos durch den Raum, das Piano trat dezent, aber fein konturiert in den Hintergrund, Klangfarbe sowie Tieftondruck überzeugten. S-Laute hätten vielleicht noch einen Tick sauberer an unser Ohr dringen können, was jedoch fast schon als Luxusproblemchen gelten durfte. Streicher fächerte der X35 recht detailliert und sonor-körperhaft auf. 

Cocktail Audio X35 Speichereinschub

© Cocktail Audio

Der Massenspeicher ist schnell getauscht. Nur zwei Schrauben muss man lösen, um eine größere, schnellere oder lei­sere Festplatte ein­zubauen. Die Ein­richtung gelingt mit Bordmitteln.

Und wenn’s mal richtig laut sein soll, geht das souverän klar: Charlie Antolinis „Knock Out“ knackte und pushte mit Nachdruck, wenngleich reine High-End-Verstärker hier ohne Frage eine noch vehementere Performance abliefern. Klassik wie „Bach in Leipzig“ mit Stücken wie „Wachet auf …“ oder „Jauchzet, frohlocket“ interpretierte der Allroundermit strahlenden Bläsern und recht farbstarken Kinderstimmen, wenngleich ein wenig mehr Auffächerung und Homogenität nicht geschadet hätten. 

Feines Raumgefühl und Atmosphäre bewies der Cocktail-Audio-Entertainer mit Al Di Meolas „Morocco Fantasia“, auf der NAS eingefangen via Plattenspieler. Die Gitarre erschien griffig und klar konturiert, das Akkordeon atmete lebendig. Ein ähnliches Bild gab der Cocktail Audio X35 mit CD-Kost ab. Die phänomenale Aufnahme von Lizz Wrights tollem Album „Grace“ beamte er mühelos luftig, farb- und bassstark in den Hörraum.

In puncto Schnelligkeit konnte er ausgewachsenen All-In-One-Verstärkern nicht ganz den Schneid abkaufen. Schließlich beseelte er David Gilmours „Live In Pompeii“ mit wunderbarer Atmosphäre des antiken Amphitheaters. Solche Tugenden entlohnten dann auch für die vergleichsweise langen CD-Einlesezeiten nebst minimalen Zirpgeräuschen des Laufwerks im Betrieb.

Der App-Check

Mit der App „Music X“ lassen sich alle Möglichkeiten des X35 ausnutzen, bis in die tiefsten Tiefen des Systems. Optisch ist sie zudem ansprechend gemacht, den logische Aufbau der einzelnen Funktionseinheiten versteht man sofort. Im Test reagierte sie stets flott. Die Suchfunktion arbeitet leider nur mit intern gespeicherten Songs.

Music X - App

© Music X

SMARTPHONE UND TABLET: Eine zum X35 passende App heißt „Music X“ und ist kostenlos. Sie läuft sowohl auf Smartphones als auch auf Tablets.

Fazit

Haben wir hier die eierlegende Wollmilchsau im HiFi-Bereich gefunden? Wer sich den Cocktail Audio X35 ansieht, kann kaum zu einem anderen Schluss kommen. Die Möglichkeiten, Musik aus unterschiedlichsten Quellen zu genießen, sind mit dem X35 fast endlos. Ein klare Kaufempfehlung, nicht nur für All-Inclusive-Fans.​

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