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KEF Q950 im Test

Uni-Q steht für Evolution und für das Ideal der Punktschallquelle. Während die Koax-Chassis mit der Zeit immer weiter reiften, setzen die Briten bei der Q950 weiterhin auf Schlichtheit. Lesen Sie hierzu unseren Test.

KEF Q950 im Test

© KEF

Groß, schwarz, stark: Die KEF Q950 verzichtet auf Schnörkel. Sie fokussiert sich ganz auf die Klangperformance.

Pro

  • ausgewogen
  • überzeuge Auflösung
  • rabenschwarze Bässe

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 81 Punkte; Klang: absolute Spitzenklasse (68 Punkte); Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Die 1990 eingeführte Q-Serie von KEF gehört zu den unauffälligen, gleichwohl potenten HiFi-Boxen klassischer Prägung. Die aktuelle Linie besteht aus den drei Standboxen KEF Q950, Q750 (unser Test) und Q550 sowie den beiden Kompaktboxen Q350 und Q150. Für Surround-Systeme gibt es noch den Center Q650 und das Dolby-Atmos-Modul Q50a. 

Somit deckt die Baureihe eine Reihe von Einsatzgebieten ab. Im Test haben wir uns das Flaggschiff vorgenommen, das mit einem Paarpreis von 1550 Euro sehr erschwinglich positioniert ist. 

Gleichwohl bekommt man für sein Geld eine Menge Lautsprecher. Die 2,5-Wege-Standboxen bauen 1,12 Meter hoch und wiegen immerhin gut 21 Kilogramm. Design-Spielereien riskiert KEF zwar nicht, doch das kantige, klare Design der Q-Serie ist so schlicht, dass es absolut zeitlos wirkt. 

Wer den Blick auf die insgesamt fünf Treiber nicht genießen kann, der muss sich die Grills für seine Q950 separat bestellen. Das kostet noch einmal knapp 100 Euro extra, verhüllt dann aber die Schallwand der in Schwarz oder Weiß erhältlichen Standsäulen komplett hinter schwarzem Stoff. 

Trotz der preisbewussten Auslegung der MDF-Gehäuse wollte sich KEF dabei nicht mit Steckverbindungen zufriedengeben, weil diese Bohrungen in der Front erfordern, die bei puristischer Aufstellung ohne Hülle die Anmutung kompromittieren. Deshalb setzen die Designer auf unsichtbare Magnethalterungen.

KEF Q950 im Test - Tiefmitteltöner

© KEF

Aerodynamisch optimierte Körbe und Polkernbohrung zeichnen den Tiefmitteltöner aus, der von zwei passiven Bass-Radiatoren unterstützt wird.

Bei der neuen Generation sparte sich KEF die bei der 7. Generation quer unter dem Koaxial-Mittel-Hochtöner angebrachten Metallblenden ebenso wie die silberne Farbe für die Membranen des Uni-Q-Treibers. Dieser Stealth-Look lässt die Standboxen gerade in der schwarzen Ausführung noch schlichter wirken, dürfte aber die Akzeptanz bei Frauen trotz Beibehaltung des mit der Vorgängerreihe eingeführten Bauhaus-Looks nicht unbedingt erhöhen.

Um die Akzeptanz dieser britischen Bestseller-Reihe bei Freunden des guten Klangs zu erhöhen, verbesserte KEF seinen einzigartigen Uni-Q-Koax im Laufe der Jahre konstant weiter. In der Q950 hat der Treiber beachtliche Ausmaße angenommen. Sein Durchmesser beträgt 20 Zentimeter. Das macht ihn nicht nur zum größten Koax der Serie, sondern des ganzen KEF-Programms. 

Selbst in der Superbox Blade beträgt der Durchmesser des Uni-Q nur 13 cm. Das Riesenwachstum des in einer separaten Kammer untergebrachten Treibers hängt damit zusammen, dass es sich bei der Q 950 um eine 2,5-Wege-Konstruktion handelt, die im Bass aber richtig Luft bewegen soll.

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Gleichheits-Prinzip bei den Treibern

So weisen bis auf den Hochtöner alle Membranen den gleichen Durchmesser auf und damit auch ein identisches Abstrahlverhalten. Von den unteren drei Treibern ist allerdings nur der mittlere aktiv, die beiden anderen sind Passiv-Radiatoren. Der Effekt ist mit einer Bassreflex-Konstruktion zu vergleichen, aber es können keine mittleren Frequenzen aus dem Inneren der Box austreten und es gibt auch keine Probleme mit Strömungsgeräuschen. 

Der obere Tiefmitteltöner des Uni-Q-Chassis trägt Versteifungen auf seiner Aluminium-Membran und verwendet eine komplett andere Sickenkonstruktion als die unteren Tieftöner. Um den 20er-Konus nicht bis in Bereiche zu nutzen, in denen seine große Membran zu starker Bündelung neigt, lässt KEF den Hochtöner bis 2 kHz hinterlaufen. 

Dafür bekam er eine ungewöhnlich große Kalotte mit 3,8 cm Durchmesser. Aluminium verleiht der Membran die nötige Steifigkeit, ein Vorsatz, der Tangerine Wave Guide optimiert den Frequenzgang. Nach hinten abgestrahlter Schall wird durch ein Röhrchen abgeführt und unschädlich gemacht (von welchem anderen englischen Hersteller kennen wir das nur?). 

Im Laufe der Jahre wurde Uni-Q immer besser und bringt im Grunde nur Vorteile. Das macht ihn auch zu einer Art Markenzeichen, so ähnlich wie die erst kürzlich in Rente geschickten gelben Kevlar-Membranen von Bowers & Wilkins.

KEF Q950 im Test - Uni-Q

© KEF

Über Jahrzehnte gereift: KEFs Uni-Q ist ein Unikum - KEF verfeinerte seinen lange gereiften Uni- Q-Loax durch speziell geformte Metall-Membranen und Tangerine Wave Guide.

Im Hörtest ging es dann ausschließlich um Klangfarben. Und hier hatten die schlichten schwarzen Quader viel zu bieten. Die angenehmen, eher warmen Mitten bekamen durch die frischen, gut aufgelösten Höhen den ein oder anderen Farbtupfer. Die Harmonie und Bandbreite des gesamten Klangbilds brauchten sich hinter manchem deutlich teureren Lautsprecher nicht zu verstecken. 

Lediglich mit manchen Aufnahmen wirkten die Höhen einen Tick zu dominant. Mit Live-Aufnahmen wie David Gilmour „Live At Pompeii“ konnte die Britin all ihre Stärken ausspielen. Bei „Wish You Were Here“ arbeitete sie akribisch die Saiten der beiden Gitarren heraus und grenzte die Stimme von Gilmour vom Publikumschor ab, dem man auch klar folgen konnte. 

Ihre Autorität im Bass – für diese Klasse schon außergewöhnlich gut entwickelt – konnte sie mit Titeln wie „Time“ oder „Money“ manifestieren. KEF schuf mit der Q950 einen rundum ausgewogenen, erwachsenen Lautsprecher.

Fazit

Vom Design ist die Q950 keine Überraschung, vom Klang schon. Selten bekam man so viel Lautsprecher für unter 1600 Euro. Neben der Ausgewogenheit und Koax-typischen Raumabbildung überzeugen Auflösung und rabenschwarze Bässe.

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