Standlautsprecher

Polk Reserve R600 im Test

8.3.2022 von Andreas Günther

In den USA steht Polk auf einer gewaltigen Fan-Basis. Das Rezept: guter Klang mit richtig Drive aber ohne Schnickschnack zum kleinen Preis. Zieht das Konzept auch vor europäischen Ohren?

ca. 2:45 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
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Wow – was für ein Druck aus einer immer noch schlanken Standbox.
© Polk

Pro

  • wuchtige Dynamik
  • einfache Aufstellung
  • feine Verarbeitung

Contra

Fazit

Das stereoplay-Gesamturteil: 79 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Jetzt wollen wir einmal ganz genau sein. Wir blicken auf die Umsätze bei Lautsprechern auf dem US-Markt. Wer liegt vorn? Die Amerikaner verteilen ihre Vorlieben recht unterschiedlich, aber klar ist eine Aussage: Polk hält über 15 Prozent. Das macht die Marke stark. Jeder zehnte Haushalt in den USA besitzt einen Klangwandler von Polk. Erstaunlich. Denn vor langen Jahren hat Polk eher als Bastelbude begonnen.

In Baltimore haben sich 1972 drei junge Herren versammelt und es von „liebenden Tüftlern“ bis zu ernst zu nehmenden Herstellern geschafft. Die Kernbotschaft: Wir fertigen Klangwandler, die sich jeder leisten kann. Eine schlaue Preisstruktur wurde aufgebaut, die bis heute hält. Wir schauen auf die R600 und freuen uns über das Etikett: 1800 Euro für das Paar. Das tut noch nicht weh, da spüren wir keinen dreisten Griff in unseren Geldbeutel.

Polk R600: Ringradiator und Turbine Cones

Polk gibt Gas – insbesondere in Deutschland. Die Hintergründe sind einfach geklärt: Polk hat sich verkauft. Nicht billig und nicht zufällig. Sondern an eine machtvolle Instanz – „Sound United“. Sound United besitzt beispielsweise Bowers & Wilkins, ebenso Denon, Marantz und Classé. Das ist das größte Pfund in der HiFi-Welt. Mit dieser Investitionskraft kann man Berge versetzen. Das nutzt Polk natürlich, das erschafft eine neue Hauspolitik.

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Links: Ein Ringradiator springt bei 2700 Hertz an. Natürlich eine Eigenentwicklung. Rechts: Polk setzt auf Single-Wiring und eigene Kontakte.
© Polk / Montage: connect

Polk R600: ungewöhnliche Bauform

So profitiert die R600 bewusst von den großen Geschwistern aus den höheren Serien. Was den Preis aber drückt: Es gibt sie derzeit einzig in Schwarz (Weiß und Walnuss in der Pipeline) und mit Folie überzogen. Hört sich billig an? Muss man gesehen haben – das ist wirklich gut und sauber umgesetzt. Die Chassis hat Polk höchstselbst entwickelt, kein Ankauf, sondern nur hier zu haben. Zuerst überrascht der Hochtöner, der als Ringradiator ausgeführt ist.

Diese Bauform trifft man nicht allzu oft an. Unter 2700 Hertz tönen zwei „Turbine Cones“. Klingt nach Marketing-Englisch, ist aber tatsächlich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Hier ummantelt Polk einen Schaumstoffkern und prägt ein am Computer entwickeltes, optimiertes Muster hinein. Das soll die Steifigkeit erhöhen, ohne zusätzliche Masse zu erfordern.

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Polk nennt es „Power Port 2.0“: Die Bassreflexöffnung strahlt gen Boden auf einen Kegel.
© Polk

Polk R600: Klangtest

Der Bassreflex-Port strahlt nach unten ab und lugt ein gutes Stück aus der Box heraus. Der Vorteil: Der Abstand zwischen Austrittsöffnung und Boden ist immer einigermaßen konstant. Sieht auch gut aus, der Kegel liegt in der Mitte einer Basiskonstruktion, zu der auch vier Kunststofffüße für sicheren Stand gehören. Fazit bis hierher: Leckere Details, stringente Fertigung, humaner Preis. Das könnte eine Win-Win-Situation für den potenziellen Käufer sein.

Muss nur noch der Klangeindruck stimmen. Drei Takte – und wir hören klar einen Grundcharakter: Diese Box liebt den Zugriff, die schöne Fülle. Das könnte man als typisch amerikanisch abtun. Doch damit bringt Polk einen neuen Ton in den deutschen Markt. Die anderen US-Amerikaner lassen sich dafür göttlich bezahlen, hier wird der Punch in die Mittelklasse integriert. Das hat fast etwas von den professionellen Lautsprechern auf Rock/Pop-Live-Bühne.

Aber kann die R600 auch Klassik? Nehmen wir eine Musik, die ebenfalls viel Druck braucht: Carmina Burana von Carl Orff. Kennt jeder, insbesondere den Eröffnungschor (der FC Bayern schreitet dazu aus den Katakomben). Die beste Einspielung hat Orff noch zu Lebzeiten abgesegnet – Eugen Jochum dirigiert Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin.

Wir hören „O Fortuna“ in 24 Bit. Wow – was für ein Druck aus einer immer noch schlanken Standbox! Weit das Panorama – ein Spektakel im besten Sinn. Wer unken will: Die Feinauflösung kennt Grenzen, aber das gebotene Klangbild lässt den Preis der Polk R600 bescheiden erscheinen. Eine dicke Kaufempfehlung und ein stereoplay-Highlight.

Fazit

Herrlich unaufgeregt, aber stark in der Gesamtkonstruktion. Polk hat hier wirklich feine Chassis entwickelt. Der Klangcharakter liebt den Samt und die wuchtige Dynamik. Etwas zurückhaltend in der Feinauflösung, aber kein wirkliches Manko.

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