Standboxen

Polk Reserve R700 im Test

25.2.2022 von Andreas Günther

Was macht einen guten Standlautsprecher aus? Sicherlich nicht das Furnier. So denkt auch Polk bei seiner R700 – statt Show gibt es hier handfeste Musikalität und den schönsten Drive.

ca. 2:50 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
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Den Standlautsprecher von Polk stellt man am besten wandnah auf.
© Polk

Pro

  • dynamisch und kraftvoll
  • toller Schub im Sweet Spot

Contra

  • mitunter kritisch bei der Verstärkerwahl

Fazit

Das audio-Klangurteil: 95 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Ganz genau erinnere ich mich noch an die erste Polk, die mir vor die Ohren kam. Sofort war die Liebe entbrannt. Wir sind in den frühen 90er-Jahren. Ich war jung und brauchte das Geld. Also keine Edelbox, ein Preisbrecher musste es sein. Schon damals bediente Polk dieses Begehren. Was mir sofort auffiel: Diese Lautsprecher wollten nicht nur dem höchsten HiFi huldigen, sondern vor allem musizieren. Als ob es ein schöner Aufbau hinter den Musikern auf der Bühne stünde. Dieser Lautsprecher verströmte Musikalität und eine aufregende Rauheit.

So ist es bis heute geblieben. Es gibt viele Gründe, Polk zu lieben. Hier wird nicht gesäuselt, sondern der Stier bei den Hörnen gepackt. Polk erfüllt dieses Bild auch hier in der neuesten Generation der Reserve R700. Was steht vor uns? Polk sagt: Das sind 2,5 Wege. Wir haben nachgemessen und widersprechen: Das ist ein Dreiwegler mit zwei Bassmembranen, einem Mitteltöner und einem kleinen Hochtöner.

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Rechts: Polk spendiert hier den hauseigenen Ringradiator, den es sonst nur bei den teuren Modellen gab. Links: Polk nennt es „Turbine Cone“. Der Kern besteht aus Schaumstoff.
© Polk / Montage: connect

Jetzt kommt die Breitseite: Dieses Duo kostet gerade einmal 2600 Euro. Das ist im Vergleich zu dem technischen Aufgebot erstaunlich humanes Geld. Also ein Billigheimer? Gott bewahre – hier wird ein großartiger Lautsprecher halt nur finanziell bis auf die Schmerzgrenze heruntergedreht. Gespart wird nicht am Klang, sondern beispielsweise am Finish. Das ist gute Folie, ehrenwert, aber halt nicht abgehoben.

Die R700 ist Teil einer großangelegten Familie, die mal nach Stereo umschlagen kann, aber ebenso die ganz dicke Klangarchitektur um Dolby Atmos bedienen soll. Auf sich gestellt, bleibt die R700 jedoch selbstredend bei frontalem Stereo. Bei 350 Hertz springt der Mitteltöner an, bei 2700 Hertz geht es zu einem Ringradiator. Habe ich das richtig gehört? Ein echter Ringradiator? Deren Hersteller können wir auf dem Weltmarkt an zwei Händen abzählen, doch Polk hat ihn. Der Top-Ebene im Katalog, der „Legend“-Serie war dieser Hochtöner bislang vorbehalten.

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Ein Bi-Wiring-Terminal muss bei Polk sein – sachlich, aber gut.
© Polk

Nun lebt er im erschwinglichen Preisbereich bei der „Reserve“-Familie weiter. Ebenso ist der Mitteltontreiber mit Turbine Cone hinuntergerutscht. Dann die beiden Bassproduzenten: Sie schwingen hinter einer eigenen Konstruktion, die Polk frisch zum Patent angemeldet hat. Das komplette Gehäuse wurde per Laser-Doppler-Vibrometer analysiert und getunt. Zugleich wurde ein neuer Reflexport ertüftelt, er strahlt gen Boden – Druck ist gut, Strömungsgeräusche hingegen sind böse. Toll und wertig dazu die massiven Traversen: Da wackelt und vibriert nichts.

Und wieder blitzt dieses höchst eigene Ideal einer Profibox auf. Ein Klang, wie die Musiker auf der Bühne ihn leben und lieben. Wir spüren die Botschaft und legen ein wunderbares Live-Happening auf: Cream gibt seine Reunion in der Royal Albert Hall zu London. Ohne arrogant zu sein: Ich war dabei. Live hat mich der legendäre Konzertsaal nicht sonderlich beeindruckt – eine Suppenschüssel mit kritischen Reflexionen. Doch das Trio um Jack Bruce, Eric Clapton und Ginger Baker klingt aufgezeichnet und mit hoher Dichte der Mikrofone wie die Versammlung der Götter.

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Der Bassreflexport strahlt gen Boden auf eine Rundung, die für die Verteilung im Raum sorgt.
© Polk

Genau das möchten wir an guten Lautsprechern hören. Die Magie, das Erlebnis und echte Spielfreude. Die R700 gab uns das Füllhorn, da brodelte die Erde unter dem Bühnenteppich. Alles tönte wunderbar selbstverständlich. „Sunshine Of Your Love“ habe ich schon über Dutzende Lautsprecher gehört. Hier jedoch der Kick – als hätten wir uns direkt an das Mischpult in der Albert Hall angedockt.

Wieder geht es um die Wahrheit des echten, rauen Musizierens. Die Polk legte sich mächtig aus der Achse, wir hörten keine Membranen, sondern ein ideal aufgebautes, plastisches Klangbild. Der markante Oberbass erfreute. Aber: Ein laststabiler Verstärker muss sein, sonst beginnt das Klangbild zu wabern. Ich hasse den Begriff „Volltreffer“, aber hier muss er sein: Diese Box swingt und behält stets die lineraren High-End-Ideale. Der mächtigste Kauftipp, den wir aussprechen können.

Fazit

Ein richtig erwachsener Standlautsprecher für bescheidenes Geld? Hier wird es zum Erlebnis. Überraschend, wie viel Chassis-Feinkost Polk springen lässt. Das harmoniert auf das Schönste. Hier spielt ein echter Musikant auf und nimmt einen mit auf die Reise.

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