Downloads, Sicherheit, technische Hürden

Corona-Warn-App: Interview mit Hakan Ekmen

19.6.2020 von Hannes Rügheimer

ca. 1:40 Min
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Hakan Ekmen
Hakan Ekmen, CEO Telekommunikation umlaut
© WEKA / Connect

Interview mit Hakan Ekmen, CEO Telekommunikation umlaut

„Wenn Menschenleben gerettet werden und die Wirtschaft schneller wieder in Gang kommt, ist das Geld für die Corona-App gut investiert“

Herr Ekmen, hat die Entwicklung der App zu lang gedauert, kommt sie nun genau rechtzeitig, oder hätte sie noch länger getestet werden sollen?

Hakan Ekmen: Die Streitigkeiten über den Datenschutz haben zu unnötigen Verzögerungen geführt. Ohne sie hätte die App schon Ende April veröffentlicht werden können. Da die App ermöglicht, potentielle Infektionsketten gezielter zu adressieren, hätte sie die Basis dafür schaffen können, früher mit Lockerungen zu starten.

Allerdings ist es ein Vorteil, dass nun auch kritische Datenschützer hinter dem App-Konzept stehen. Es bleibt zu hoffen, dass schnell eine ausreichend große User-Basis erreicht wird, damit das System tatsächlich wirken kann. Die Download-Zahlen der ersten Tage machen dafür Hoffnung, und das Lob der Datenschützer spielt dabei sicherlich auch eine wichtige Rolle. Vielleicht erreicht die App schnell genug die relevante Nutzerzahl, bevor es gegebenenfalls zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

Wie schätzen Sie die Wirksamkeit der App heute und auf mittlere Sicht ein?

Hakan Ekmen: Die App-Nutzung erfolgt auf freiwilliger Basis und wird nur wirksam, wenn eine ausreichend große User-Basis existiert. Wir schätzen, dass rund 40 Millionen Nutzer in Deutschland benötigt werden. Also fast alle Erwachsenen – allerdings ohne die 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung, die gar kein Smartphone besitzen oder ein zu altes beziehungsweise nicht unterstütztes Modell nutzen.

Aber auch wenn die Nutzerzahlen ausreichen, bleibt die große Frage, ob die App die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Das lässt sich erst in einigen Wochen beurteilen, wenn neben der Nutzerzahl auch die Zahl mitgeteilter Warnungen und die Auswirkungen des gesamten Systems auf die Infektionsraten bekannt sein werden.

Was sagen Sie zu den Entwicklungs- und Betriebskosten? 20 Millionen für die App-Entwicklung, rund 1,5 Millionen pro Monat für Betrieb und Wartung – wäre das nicht günstiger gegangen?

Hakan Ekmen: Wenn man sich die vergleichsweise einfache Funktion der App anschaut, dann erscheinen die Entwicklungskosten zu hoch. In Relation zum volkswirtschaftlichen Nutzen, wie zum Beispiel dem Schutz vor einer zweiten Welle oder neuerlichen Lockdowns, sind die Kosten aber zu vernachlässigen. Wenn Menschenleben gerettet werden und die Wirtschaft mit Hilfe einer solchen Lösung schneller wieder in Gang kommt, ist das Geld jedenfalls gut investiert.

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