Downloads, Sicherheit, technische Hürden

Proximity-Tracing: Die technischen Voraussetzungen

Inhalt
  1. Corona-Warn-App: Die Bilanz nach den ersten Tagen
  2. Proximity-Tracing: Die technischen Voraussetzungen
  3. Corona-Warn-App: Interview mit Hakan Ekmen

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Die offizielle Corona-Warn-App begrüßt neue Nutzer mit einer kurzen Erklärung der Funktionsweise.

Voraussetzungen im Betriebssystem

Die Corona-Warn-App setzt das sogenannte Google-Apple-Protokoll (GAP) voraus. Google musste für Android und Apple für iOS erst eine Schnittstelle bereitstellen und freigeben, mit der sich die eigentlich zur Ortsbestimmung über Inhouse-Beacons vorgesehene Lokalisierungs-Funktion für die Corona-App „zweckentfremden“ lässt. 

Bei Apple wurde diese Funktion mit iOS 13.5 geliefert, das sich ab dem iPhone 6S installieren lässt. Einige Politiker fordern, die Voraussetzungen zu senken. Dies würde allerdings erfordern, dass die Schnittstelle auch in iOS 12 eingebaut wird – dafür ließ Apple bislang keine Bereitschaft erkennen.

Bei Android ist die Lage etwas unübersichtlicher: Grundsätzlich lässt sich die GAP-Schnittstelle ab Android 6 installieren. Dazu muss das Smartphone allerdings zusätzlich die Google Play Services unterstützen, und es muss ein entsprechendes Ergänzungs-Update für das jeweils genutzte Smartphone-Modell bereitstehen. 

Außen vor sind derzeit die neueren Huawei-Modell ohne Google-Dienste wie zum Beispiel das Huawei P40 Pro. Allerdings will das Konsortium aus Telekom und SAP die Corona-Warn-App und die zugehörige Tracing-Schnittstelle später auch in Huaweis AppGallery bereitstellen.

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Feintuning für Bluetooth-Signale

Die beschriebenen Schritte sind aus zwei Gründen erforderlich: Erstens müssen die beiden Smartphone-Betriebssysteme der Corona-Warn-App den Zugriff auf die auf Bluetooth LE basierende Annäherungs-Erkennung überhaupt zur Verfügung stellen und erlauben.

Zweitens ist für dieses Proximity-Tracing ein hohes Maß an Feintuning für jedes einzelne Smartphone-Modell erforderlich. Der Ende 2009 erstmals als Teil von Bluetooth 4.0 vorgestellte Low-Energy-Modus ist von Haus aus nicht auf die Messung von Abständen ausgelegt. 

Seit 2014 und Bluetooth-Version 4.2 rangiert der Standard unter dem Namen „Bluetooth Smart“ und bietet die fürs Tracing erforderlichen Voraussetzungen. Allerdings basiert die Messung auf der empfangenen Bluetooth-Signalstärke – und diese unterscheidet sich von Smartphone-Modell zu Smartphone-Modell. Mit Unterstützung der Hersteller musste deshalb für jedes unterstützte Smartphone einzeln kalibriert und normiert werden, ab welcher Feldstärke der geforderte Abstand von 1,5 Meter unterschritten ist.

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Der Startbildschirm der Corona-Warn-App nach der Einrichtung: Das Risiko kann erst nach einiger Nutzungszeit ermittelt werden.

Contact Tracing auch im Flugmodus

Einen entsprechenden Scan der Umgebung führt GAP alle fünf Minuten durch. Wenn die ID eines bestimmten Gerätes in drei aufeinanderfolgenden Scans enthalten ist, gilt die Begegnung als „Match“. So kommt es zu der oft genannten Mindestdauer einer von der App registrierten Begegnung von 15 Minuten. Die Scans werden auch im Flugmodus durchgeführt, sodass die Kontaktregistrierung etwa auch auf Flugreisen funktioniert. Nur bei gezielt ausgeschaltetem Bluetooth-Modul stellt auch das Tracing seine Funktion ein.

Gleichzeitiger Kontakt zu Bluetooth-Kopfhörern oder -Lautsprechern stört die GAP-Funktion nicht, dasselbe gilt auch für andere Bluetooth-Funktionen wie den Datenaustausch zwischen zwei Smartphones.

Wie der Name schon sagt, arbeitet Bluetooth Low Energy sehr stromsparend. Dabei wurde die Effizienz der Funkchips laufend weiter erhöht. Relevanten Einfluss auf die Akkulaufzeit durch das Proximity-Tracing brauchen Anwender also nicht zu befürchten. Je neuer das Smartphone, umso geringer schlägt die Corona-Warn-App zu Buche.

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In der Detailansicht zur aktuellen Risikobewertung gibt die Corona-Warn-App allgemeine Verhaltenshinweise zur Verringerung des Infektionsrisikos.

Parameter zur Risikoeinschätzung lassen sich anpassen

Wie mehrfach berichtet wurde, erfolgt die Speicherung der erfassten Kontakte dezentral, also lokal auf dem Smartphone. Die eigene ID wird nur dann zur Warnung der anderen App-Nutzer auf den Server des Robert-Koch-Instituts (RKI) hochgeladen, wenn man sich selbst als positiv getestet meldet und dies mit einem von den Laboren bereitgestellten PIN- oder QR-Code belegt. 

Das RKI erklärte mittlerweile im übrigen, dass es Parameter wie die Ansteckungswahrscheinlichkeit auf seinem Server modifizieren kann, sodass sich die Warnschwelle der App im laufenden Betrieb nachsteuern lässt. Und es betont, dass eine „rote“ Meldung in der App kein Grund zur Panik ist. Sie besagt nur, dass man sich besser testen lassen sollte. Ebenso wie ein „grüner“ Status in der App kein belastbarer Beweis dafür sei, NICHT infiziert zu sein.

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