Kopfhörer

Kopfhörer-Geschichte: Mobile Kopfhörer, In-Ears, Bluetooth

15.3.2014 von Marco Breddin

ca. 4:05 Min
Ratgeber
VG Wort Pixel
  1. Die Geschichte der Kopfhörer
  2. Kopfhörer-Geschichte: Stereo-Sound, Elektrostaten, HiFi-Kopfhörer
  3. Kopfhörer-Geschichte: Mobile Kopfhörer, In-Ears, Bluetooth
Kopfhörer,Sony,Walkman
1979: Sony Walkman
© Sony

Breakbeat

1979 schlägt die Stunde von Sonys Walkman und der ersten mobilen Kopfhörer-Generation. Im Paket mit den portablen Kassetten-Playern befindet sich der MDL-3L2, ein federleichter und biegsamer On-Ear-Hörer für jede Gelegenheit. Breakdance?

In den nächsten Jahren unternimmt Sony einige Anstrengungen, Standardmodelle für die neue Street-Kultur zu etablieren. Mit dem MDR-W30L gibt es 1983 den ersten Schritt in Richtung Ear-Bud-Hörer, doch ist seine Zeit noch nicht gekommen. Nicht bevor Steve Jobs im Jahr 2001 den mobilen Musikmarkt mit seinem iPod aufmischt. Und erinnern Sie sich noch an den MDR-G61? Das erste Nackenbügel-Modell?

Kaufberatung: Die besten Noise-Cancelling-Kopfhörer bis 450 Euro

Bose schafft zum Jahrtausendwechsel einen bis heute währenden Gegenpol zur immer lauter werdenden City: Die Quiet Comfort-Linie. Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Technologie nutzen Piloten schon seit Jahrzehnten und jetzt profitieren endlich auch die Flugreisenden von der gegenphasigen Ansteuerung lästiger Triebwerksgeräusche. Ironischerweise wandert mit Boses QC-1 nach über 50 Jahren der Austreibung wieder das Mikrofon in den Kopfhörer; jedoch nicht zur Verständigung, sondern zur Isolation. Die fortschreitende Isolation bringt uns zu den derzeit so beliebten In-Ears (Intraaural-Hörer).

Apple Earphones
2001: Apple Earphones
© Apple

Ursprünglich als Monitoring-Technik für die Bühne entwickelt, nutzen vor allem Musiker den konstanten und rückkopplungsfreien Höreindruck in lauten Umgebungen. Eine Rückkopplung gibt es dennoch zur Entwicklungsgeschichte: Nathaniel Baldwin erfand bereits in den 1920er-Jahren die stromeffizienteste Technologie für heutige In-Ears: den BA-Wandler (Balanced Armature). Durch den anpassbaren Verschluss des Ohrkanals schaffen In-Ear-Hörer eine bislang unerreichte Basswiedergabe und Abkapselung zur Außenwelt.

In das lukrative In-Ear-Geschäft steigen bald die Hörgeräte-Akustiker ein und entwickeln Techniken zur individuellen Ohrkanalanpassung mittels fachgerechter Othoplastiken. Jeder hörende Mensch sieht sich der naturgegebenen Differenz zwischen rechtem und linkem Ohrkanal ausgesetzt. On- und Over-Ear-Hörer konnten bisher nicht auf diese leicht differierenden Hörunterschiede eingehen. Die In-Ear-Welle wird zur Luxuswelle. Ein perfekt angepasster Ohrkanal-Hörer ist immer ein Einzelstück und kann von niemandem sonst gehört werden.

Ultrasone IQ
2012: Ultrasone IQ
© Ultrasone

HiFi macht mobil

Die Welt der Kopfhörer ist endgültig entzweit: Wohnst du noch, oder bist du schon mobil? Als Statement gegen Mobilität demonstrieren die Österreicher von AKG im Jahr 2007, wie ein waschechter HiFi-Kopfhörer aufgebaut sein muss. Zum ersten Mal kommen Flachdrahtspulen zum Einsatz, was nicht nur die Effizienz des Magnetsystems steigert, sondern auch eine besondere Leichtbauweise ermöglicht. Die Abbildung ist näher am Lautsprecherhören und die sonst üblichen Probleme der Im-Kopf-Lokalisation von Schallereignissen weniger offensichtlich. Der AKG K 701 gilt als Meilenstein unter den offen dynamischen HiFi-Kopfhörern, zumal er für die Allgemeinheit erschwinglich bleibt.

"Return to Sender"

Der Kopfhörermarkt entwickelt sich zum Kampfplatz der Übertragungstechnologien. Seit Alexander Graham Bells Idee der Lichtwellen-Übertragung vor über 130 Jahren führen Funktechnologien in der Übertragungswelt der Kopfhörer nur ein Schattendasein. Radiowellen-Hörer funken zwar mittlerweile digital und übernehmen die kabellose Kommunikation mit der HiFi-Anlage, müssen aber zu Hause bleiben.

Über viele Jahre haben Radiowellen unsere Musikrezeption entscheidend geprägt. Ob wir über Radio, WLAN oder Bluetooth sprechen und ob wir über 3G oder LTE empfangen - wir hören immer mehr aus der "Cloud". Der Kopfhörer steht am Ende einer Übertragungskette, dessen Anfang wir kaum noch verstehen können. Mit Smartphone und Bluetooth sind wir auch unterwegs alle Kabel losgeworden; dennoch bleibt die private Musiksammlung überall abrufbar. Was Bell bei seinen Experimenten im ausgehenden 19. Jahrhundert gefehlt hat, trägt heute jeder in seiner Tasche: den Sender in Form eines Telefons.

Während die mobile Übermittlung von Musiksignalen mit Bluetooth-aptX-Protokollen ständig verbessert wird, stellt sich die Frage, ob wir auf Kabel verzichten wollen. Die Mehrheit der angebotenen Bluetooth-Kopfhörer erreicht nicht die Klangqualität ihrer Kabel-Pendants.

Beats by Dr. Dre Studio
2008: Beats by Dr. Dre Studio
© Beats by Dr. Dre

Sound-Image

Immer öfter bedienen Kopfhörer ein Image oder erscheinen als Signature-Modelle. Seit 1963 steht Tony Bennett als Markenbotschafter für Koss parat, 1966 signieren die Beatles ihre "Beatlephones" und heute firmieren Jazz-Größen wie Miles Davis oder Quincy Jones für moderne Ohrkanal-Produkte. Wie bei einem Musiker-Instrumenten-Endorsement besteht hier eine vertragliche Bindung zwischen Produkt und Künstler.

Rotes "B" auf metallischem Grund? Klar, oder? Beats. Weißes Kabel, weiße Stöpsel? Na? Apple. Die Verkaufszahlen sind gigantisch: Weit über 300 Millionen iPods und natürlich ebenso viele weiße Kopfhörer, weil zu jedem iPod ein Paar Ear-Buds mitgeliefert wurden. Dagegen wurden 2012 im deutschen Einzelhandel markenübergreifend nicht mehr als 11,1 Millionen Kopfhörer abgesetzt. Dr. Dre ist Markenbote für die NBA (National Basketball League) und für seinen Studio-Sound. Jeder Beats-Käufer darf das gerne "live" miterleben. Doch wenn Dr. Dre remastered, dann auch seine Kopfhörer. Damit wird ein "Sound-Image" verkauft. Wir stehen vor der Wahl: Wollen wir den Mix hören oder den subjektiven Eindruck eines Menschen der den Mix hört?

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