Starke Konkurrenz für Apple Watch

Fitbit Sense im Test: Das kann die neue Gesundheits-Watch

Fitbit legt mit der neuen Smartwatch Sense das Augenmerk auf Gesundheit und Fitness. Wer sie trägt, hat ein mächtiges Analyse-Instrument am Handgelenk. Im connect-Test konnte sie auf ganzer Linie überzeugen.

© Fitbit

Die Fitbit Sense ist in zwei Farben erhältlich. Das neue Standardarmband ähnelt dem der Apple Watch.

Fitbit gibt Gas: Kürzlich hat das Unternehmen drei neue Produkte vorgestellt (wir berichteten). Das Highlight des Trios ist die brandneue Health-Smartwatch Fitbit Sense für knapp 330 Euro, die mit zahlreichen Sensoren ausgestattet ist:

  • optischer Mehrwege-Herzfrequenzsensor
  • SpO2-Sensor
  • mit EDA-Scan-App kompatible elektrische Mehrzwecksensoren
  • Hauttemperatursensor
  • WLAN (802.11b/g/n 2,4 GHz)
  • Umgebungslichtsensor
  • NFC-Chip
  • Vibrationsmotor
  • Lautsprecher (Schallpegel 75 dB / 10 cm)
  • Mikrofon (abschaltbar)

Fokus auf Gesundheit und Fitness

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Erfassung von Gesundheits- und Fitnessdaten: Die Uhr überwacht beim Tragen permanent die Herzfrequenz, ermittelt den Stresslevel und misst während des Schlafs den Sauerstoffgehalt des Blutes, die Hauttemperatur sowie die Schlafqualität. Das alles (und noch viel mehr) wird von der mächtigen Smartphone-App schön aufbereitet und wo nötig mit verständlichen Erklärungstexten unterlegt. Wer’s ganz genau wissen will, findet oft weiterführende Links auf englischsprachige Webseiten.

Fitbit Premium 6 Monate inklusive

Den vollen Funktionsumfang der gut gemachten, sehr informativen Fitbit-App erhalten Kunden, die Fitbit Premium gebucht haben. Der Service kostet 8,99 Euro pro Monat (jederzeit kündbar) oder 79 Euro pro Jahr und beinhaltet tiefergreifende Gesundheitsanalysen, geführte Achtsamkeitsprogramme, personalisierte Workouts und mehr.

Bei der Fitbit Sense ist eine 6-monatige kostenlose Mitgliedschaft inklusive (sofern man Fitbit Premium nicht bereits auf einem anderen Modell aktiviert hat). Wir haben im Folgenden mit der Premium-Version getestet. Mit dieser hat man Zugriff auf die Kachel „Gesundheitswerte“, die die Messwerte zu Atemfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Hauttemperatur, Sauerstoffsättigung und Ruheherzfrequenz als Diagramme im Wochen- oder Monatsüberblick bietet. Aber auch ohne Premium bietet die Sense eine beeindruckende Funktionsfülle.

Schlafphasen und Hinweise auf Schlafapnoe

Wichtig fürs Wohlbefinden ist zweifellos ein guter, erholsamer Schlaf. Die Fitbit Sense gibt einem hier umfangreiches Material zur Analyse an die Hand und wertet die Schlafdauer sowie die verschiedenen Schlafphasen detailliert aus. So erfährt man, wie lange man im Tief- und im Leichtschlaf sowie in der REM-Phase verbracht hat – und wie lange man wach lag. Die Fitbit-App fasst die Messungen morgens zusammen und erstellt einen Schlafindex, der mit Punkten und Verbalnote eine Einstufung der Schlafqualität abgibt. Im Test lag der Index zumindest bei den Werten, die wir nachvollziehen können (Wachphasen und Erholungswert), in der Regel richtig.

Zudem erfasst der SpO2-Sensor die Sauerstoffsättigung des Blutes: Die liegt während der Nacht üblicherweise über 90 Prozent. Gibt es öfter große Abweichungen, liegt möglicherweise eine Schlafapnoe vor. Hierbei sinkt durch Atemaussetzer im Schlaf die Sauerstoffversorgung des Körpers, was beträchtliche Auswirkungen haben kann. Betroffene fühlen sich tagsüber nicht nur müde und abgekämpft, sondern riskieren auch ernsthafte Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder gar einen Schlaganfall.

Die Herzgesundheit im Blick

Die Herzfrequenz erfasst die Sense laut Fitbit mit einem neuen Mehrwege-Sensor und „PurePulse-2.0“-Technologie, im normalen Modus alle 5 Sekunden, im Trainingsmodus jede Sekunde. Anhand des Ruhepulses und des Alters errechnet der Algorithmus die persönlichen Herzfrequenz-Schwellenwerte. Steigt oder sinkt der Wert bei mindestens 10 Minuten ohne Aktivität über oder unter die Schwelle, erscheint auf Wunsch eine Warnung auf dem Display.

EKG kommt noch

Gute Aussichten: In den USA ist die Fitbit Sense bereits zur Aufzeichnung von EKGs zugelassen. Sobald die Zertifizierung hierzulande durch ist, wird das Feature auch in Deutschland verfügbar sein. Wie bei der Apple Watch legt man dann einfach Zeigefinger und Daumen für 30 Sekunden an den Metallrahmen, um eine Messung vorzunehmen. Diese kann durch Unregelmäßigkeiten beim Herzschlag Anzeichen für Vorhofflimmern detektieren.

Hauttemperatur im Schlaf

Über Nacht wird auch der Hauttemperatur-Sensor aktiv. Nachdem er Messwerte von drei Nächten gesammelt hat, legt er einen persönlichen Normalbereich fest und protokolliert fortan die Abweichungen von diesem. Die App-Auswertung zeigt in einem Schaubild, ob die Schwankungen im Normbereich liegen oder stark abweichen. Schwankt die Temperatur sehr stark, kann dies ein frühes Indiz für eine Krankheit sein.

© WMP

Jede Menge Infos: Die Fitbit-App versorgt einen mit etlichen Daten und Auswertungen.

Stressmanagement per EDA-Scan

Laut Fitbit zum ersten Mal in einer Smartwatch integriert ist die EDA-Funktion. Auf der Uhr kann man einen 2-minütigen Schnellcheck starten. Dazu legt man einfach eine Handfläche über die Uhr und bewegt sich während der Messung möglichst nicht. Anhand der elektrodermalen Aktivität (EDA) registriert die Sense, ob die Haut Stressreaktionen wie Schwitzen zeigt. Anschließend gibt man manuell seine Stimmung ein – in fünf Stufen von „sehr ruhig“ über „neutral“ bis zu „sehr gestresst.

Die Ergebnisse sind in der Fitbit-Smartphone-App unter dem Punkt „Stressmanagment-Index“ zu finden. Der fasst Werte aus den EDA-Scans, den Herzfrequenzmessungen und des Schlaf-Trackings zusammen und reicht von 0 bis 100. Je höher die Punktzahl, desto besser das Befinden. Gut: Links zu erklärenden Texten helfen hier wie an vielen anderen Stellen beim Verständnis.

Ist der Stresspegel zu hoch, bieten sich Achtsamkeitsübungen zur gezielten Entspannung an. Über die Achtsamkeits-Kachel in der Fitbit-App lassen sich geführte Audio-Übungen (bislang nur in Englisch) zum konzentrierten Atmen starten. Auch hier legt man die Handfläche auf die Sense, sodass die Reaktion des Körpers erfasst wird. Anschließend kann man in der Premium-App nachschauen, wie sich der Herzschlag nach der Übung beruhigt hat.

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Stressmanagement: Die Fitbit-Premium-App veranschaulicht den Stresslevel.

Aktivzonenminuten als Ziel

Besonders interessant sind die Herzfrequenzzonen natürlich für Sportler. Die sehen in Echtzeit, ob sie sich in der Fettverbrennungs-, Cardio- oder Höchstleistungszone befinden und können die Trainingsintensität entsprechend anpassen.

Dazu geht Fitbit auch beim Protokoll einen neuen Weg: Statt wie früher auf Schritte als Tagesziel setzt man seit dem Tracker Charge 4 auf Aktivzonenminuten. Diese sammelt man, sobald Bewegung den Kreislauf ankurbelt. Mäßige Aktivitäten wie zügiges Gehen werden im Fettverbrennungsbereich verortet, hier zählt 1 Minute als 1 Aktivzonenminute. Bei höherer Anstrengung im Cardio- oder Höchstleistungsbereich gibt es für 1 Minute 2 Aktivzonenminuten. Die WHO empfiehlt mindestens 150 Aktivzonenminuten in der Woche. Schritte zählt die Sense natürlich ebenfalls, auch die bewältigten Stockwerke werden erfasst.

Die jeweiligen persönlichen Ziele lassen sich in der umfangreichen App individuell festlegen, ebenso die angestrebte Schlafdauer, Wasser- oder Kalorienzufuhr. Frauen können zudem ihren Zyklus samt Begleitumständen wie Kopfschmerzen oder Unterleibskrämpfen protokollieren.

GPS-Sensor eingebaut

Eine Neuerung, die vor allem Outdoor-Sportler freuen wird: Die Sense hat einen GPS-Sensor eingebaut – zur Streckenaufzeichnung muss man also kein Smartphone mitnehmen. Mehr noch: Auf dem Smartphone lässt sich genau nachvollziehen, an welcher Stelle man in welcher Herzfrequenzzone und mit welchem Tempo unterwegs war.

Mit einem GPS-Sensor konnte abseits der älteren Ionic bislang nur der Tracker Fitbit Charge 4 dienen (hier geht's zum Test). Doch während dessen Akku mit aktiviertem GPS schnell in die Knie geht, leidet die Laufzeit der Fitbit Sense kaum.

Sechs Tage Laufzeit

Überhaupt ist die Akkuleistung ein Pfund: Bis zu 6 Tage und mehr hält die Sense mit einer Akkuladung durch. Auch das Auftanken mit dem neuen, magnetischen Ladeknopf geht fix. Nach nur 12 Minuten Tankstopp bietet die Sense genug Reserven für bis zu 24 Stunden.

Neuer Verschluss, angenehmer Sitz

Das quadratische, 33 Gramm leichte Gehäuse sitzt mit seinen abgerundeten Ecken schick am Handgelenk. Mit Abmessungen von 40,48 × 40,48 × 12,35 mm und 33 Gramm Gewicht (ohne Band) störte uns die Sense zu keiner Zeit. Zumal sich die Armbänder aus weichem, hautfreundlichem Material sehr angenehm tragen (wir hatten das Standardarmband sowie ein gelochtes Sportarmband im Test).

Bei der Befestigung geht Fitbit endlich neue Wege: Die Bänder werden nun einfach angesteckt und sind per Knopfdruck schnell wieder gelöst. Bei den beiden älteren Versa-Modellen musste man noch umständlich mit Haltestiften operieren, die neue Versa 3 setzt auf das gleiche System wie die Sense. Das macht auch den temporären Umstieg auf eines der optional erhältlichen Sport-, Leder- oder Gewebearmbänder einfach.

© Fitbit

Das neue Standardarmband erinnert an das der Apple Watch. Zum Wechseln wird es einfach per Knopf gelöst und ein anderes angesteckt.

Spotify und Deezer, Fitbit Pay

Wer Spotify nutzt, kann seinen Account mit Fitbit koppeln und die Wiedergabe über die Sense steuern. Mit einem Deezer- oder Pandora-Plus-Konto lässt sich sogar Musik auf der Sense speichern, sodass man beim Joggen das Smartphone zu Hause lassen kann. Dazu braucht es nur einen Bluetooth-Kopfhörer, der mit der Sense gekoppelt wird.

Auch bezahlen kann man mit der Smartwatch. Allerdings wird Fitbit Pay in Deutschland aktuell nur von wenigen Banken unterstützt, neben der BW Bank/LBBW sind die Commerzbank und Mercedes Bank als größere Player dabei. Eine Liste finden Interessenten hier.

Kooperation mit dem Smartphone

Zur Alltagsorganisation holt sich die Sense anstehende Termine und Nachrichten vom Smartphone, auch Telefonate signalisiert die Uhr. Amazons Sprachassistentin Alexa wird bereits unterstützt, bei der Einrichtung fragt die Sense, ob man seinen Account verknüpfen möchte oder nicht. Googles Assistant soll später folgen.

© WMP

Fazit: Überzeugende Vorstellung

Die Fitbit Sense hat uns im Test mit ihrem großen Funktionsumfang überzeugt. Sie erfasst alle relevanten Gesundheits- und Fitnessdaten und bereitet diese in der Smartphone-App kongenial auf. Vor allem die Premium-Version macht Statistik-Fans glücklich. Mit der Überwachung der Herzfrequenz, dem SpO2- und dem Hauttemperatur-Sensor kann die Sense zudem Hinweise auf drohende Krankheiten geben. Wenn später noch die EKG-Funktion hinzukommt, ist die Sache perfekt.

Fitbit will die Sense laut der deutschen Homepage ab 16. Oktober ausliefern. Vorbestellen kann man sie bereits jetzt – etwa auf Amazon.de oder bei Media Markt. Bei Letzterem soll sie bereits ab 6. Oktober im Online-Shop verfügbar sein.

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