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KEF R5 im Test

Symmetrie auf der Schallwand schaut uns an. In der Mitte ein Superwandler: ein Koax aus Mittel- und Hochtöner. Hier werden Raum-Träume wahr. Wir haben den KEF R5 getestet.

© KEF R5

Pro

  • schöne Verarbeitung
  • angenehm schlank
  • überschaubarer Preis
  • perfekt gestaffeltes Klangbild

Contra

Fazit

Stereoplay-Testurteil: 79 Punkte; Klang: absolute Spitzenklasse (59 Punkte); Preis/Leistung: überragend

Wenn Dir ein Coup gelungen ist, dann bleib bei Deinen Stärken und baue sie aus. Wie das genau gelingt? Da lohnt sich ein Blick auf KEF. Die Lautsprecherprofis aus Great Britain haben ein Koaxial-Chassis entwickelt – mit viel Geld und Herzblut in jahrzehntelanger Iteration.

Es hätte schiefgehen können. Doch die Uni-Q-Konstruktion hat sich zum feinsten sowie einem der besten Schallwandler der Gegenwart entwickelt – der Coup halt. Und die Hochtechnologie kommt ursprünglich vom Luxuslautsprecher, doch mittlerweile auch in bezahlbaren, schlanken Boxen wie der R5 verfügbar.

Geht es humaner?

Das „R“ steht für Reference. Hier geht es um den Thron. Die R11 ist für uns und viele Kenner einer der besten Lautsprecher der vergangenen Monate. Unfassbar viel Wucht, grandios in der Feinzeichnung und dazu noch wirklich elegant als Skulptur im Hörraum. Aber finanziell anspruchsvoll. Man sollte 5.000 Euro auf dem Konto versammelt haben. Geht es auch humaner?

Genau jetzt kommt die R5 ins Spiel. Sie ist ebenfalls elegant, aufragend. Aber nicht vier Bass-Chassis umrahmen das legendäre Koax-Chassis, sondern nur zwei. Das ist eine spannende Kombination von einer D’Appolito-Anordnung in den tiefen Frequenzen und eben einem Mitteltöner, in dessen Zentrum der Hochtöner sitzt. Das gibt es in dieser Pracht nur hier. Dazu sinkt der Preis bei der R5 auf 2.400 Euro. Da kann man doch seine letzten finanziellen Reserven aufbieten.

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Haben Sie schon einmal die Sprengzeichnung eines Uni-Q-Wandlers gesehen? Da verfällt man in Ehrfurcht. Aus Dutzenden Bauteilen hat KEF ein Konstrukt des Absoluten erschaffen. Das ist die Neuzeit der Klangwandlung. Die meisten anderen Hersteller hinken hinterher.

Doch: Funktioniert das Wunderwerk auch in einer kleinen, erschwinglichen Standbox? Wir waren begeistert, die Frage stellte sich nie.

Schauen wir auf die Details. Die R5 ist knapp über einen Meter hoch und mit 17 Zentimetern angenehm schlank. Die Verarbeitung könnte nicht schöner sein. Natürlich wird auch die Schwarz/Weiß-Fraktion bedient. Wir hatten die Version in Walnuss vor unseren Augen, da geht das Herz auf. Vor allem, weil es KEF gelingt, die Membranen punktgenau einzufärben. Das vollführen nur die wenigsten Hersteller auf dem Weltmarkt. Das ist für die Augen ein Erlebnis – eine geschmeidige, optisch-harmonische Front reckt sich uns entgegen. Schon allein dafür gibt es Extrapunkte.

© KEF

Hier sieht man ein Meisterwerk: Das Uni-Q-Chassis von KEF ist ein Ausbund an High-Tech und Klangstärke. Das gibt es nur hier. KEF ist aber so schlau, die Basiskonstruktion durch alle möglichen hauseigenen Serien zu schleusen. In der R5 wird ein Fest daraus.

Die Basstreiber sind angesichts der schmalen Front auf 13 Zentimeter begrenzt. Das ist nicht viel. Aber es gibt ja das Doppel. In unserem Testlauf hatten wir nie das Gefühl, es könnte zu schlank im Tiefenbereich werden. Die beiden Membranen zeigten Kraft und Kontur. Ok, wir kennen die Edelversion R11 – da geht es mit 16,5 Zentimetern mächtig ab in der Tiefe. Doch die R5 wirkte nie wie die anämische Schwester – der Punch war da, die schöne Kraft, die uns am Zwerchfell berührte.

Überschaubares Geld

Was so fasziniert, ist die Geschlossenheit. Denn der Mitteltöner mit seinen 12,5 Zentimetern plus dem feinen Wave-Guide wirkt genauso groß wie die Bassproduzenten. Wir sehen also drei identische Ringe – clever und schön. In der Mitte liegt eine Aluminium-Kalotte mit 25 Millimetern in der Diagonale. Hier kann man für überschaubares Geld seinen Traum vor einer grandiosen Stereo-Standbox-Kombi auf kleinem Raum erfüllen.

Wir müssen ergänzen: Ein Raum über 35 Quadratmetern wäre überfordert. Aber im feinen Mittelfeld steht die R5 ohne Konkurrenz. Nochmals gesagt: Die Eleganz der Erscheinung ist großartig, dazu das Pfund des zentralen Koaxial-Chassis. Jetzt muss nur noch der Klangeindruck in unserem Hörraum mitspielen.

Tatsächlich war die R5 fulminant. Uns strömten alle Informationen entgegen, die gutes High End ausmachen – ein kräftiger Punch, dazu ein weites Klangbild mit immens vielen Informationen. In genau diesen Momenten erlebt man als Tester, dass die Lautsprecher über die Jahre immer besser werden.

© KEF

So entsteht Kraft: Der Magnet der Basstreiber ist erstaunlich groß ausgefallen, dazu viel Luft hinter der schwingenden Membran.

Wir könnten Hardrock herbeistreamen. Doch eine große Empfehlung gibt es für Katie Melua mit einem Live in Concert – ganz frisch erschienen. In den Zugaben entsteht „What a Wonderful World“. Natürlich eine Huldigung, die aber perfekt aufgenommen und musikalisch ein Fest ist.

Wir brauchen die Atmosphäre und den strammen Bass – beides erschuf die R5, wie es schöner nicht sein könnte. Wir sind Katie Melua und KEF verfallen. Noch ein Tipp zum Beethoven-Jahr? Da werden Hunderte Neueinspielungen auf uns zukommen. Wer wirklich ein frisches Klangideal sucht: Masaaki Suzuki hat die Neunte aufgenommen. Der Mann hat Legendäres bei Bach vollbracht und unter anderem alle Kantaten eingespielt. Nun schreitet er in der Zeit weiter. 

Dazu wieder die großartigen Tontechniker von BIS, alles in 24 Bit und 96 Kilohertz. Die Tempi sind mutig, die Akzente scharf. Da braucht es einen Lautsprecher, der jeden Impuls im richtigen Timing und in der richtigen Dynamik wiedergeben kann. Hier zeigte sich abermals, was für ein großes Plus KEF mit dem Uni-Q-Chassis hütet. Das war ein perfekt gestaffeltes Klangbild, dazu eine Präsenz zum Hineingreifen schön.

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