Welches Land hat die besten Mobilfunk-Anbieter?

Mobilfunk-Vergleich: Fazit und Testverfahren

Mobilfunkanbieter im europäischen Vergleich - unser Fazit

Gratulation an Telia in Schweden, Vodafone in den Niederlanden und Swisscom für die höchsten drei Platzierungen in unserer Mobilfunk-EM. Die Auswertung von umlaut bestätigt einmal mehr, welche Anbieter und Länder in puncto Mobilfunk die Nase vorn haben. 

Wie bei derartigen Wettkämpfen üblich, können wir den deutschen Kandidaten nur Sportsgeist ans Herz legen. Auch wenn Deutschland in unserem Länder-Ranking mit „gut“ abschneidet, ist offensichtlich: Bei mobiler Breitband-Versorgung, Datenraten und Latenzen gibt es noch einiges zu tun. 

Dabei können wir uns den Hinweis nicht ganz verkneifen, dass alle drei deutschen Netzbetreiber in anderen europäischen Ländern Schwester- und Muttergesellschaften haben, die in unserer Auswertung deutlich besser abschneiden. Dabei wirken sich zwar auch die regulatorischen und geografischen Rahmen-Bedingungen aus – aber vielleicht hilft ja dennoch auch etwas sportlicher Ansporn.

Europäische Mobilfunkanbieter - so haben wir getestet

Für die Bewertungen in unserem Ländervergleich hat der Aachener Netztest-Spezialist umlaut Crowdsourcing-Daten ausgewertet, die in den 24 Wochen zwischen dem 14. Oktober 2019 (KW42) und dem 29. März 2020 (KW13) erfasst wurden. 

Um die erforderliche Datenbasis zu erhalten, sammeln Hunderte populärer Apps im Hintergrund während der Smartphone-Nutzung Parameter wie die Mobilfunk-Technologie der Verbindung und die Datenraten von Downloads – sofern der Nutzer dieser absolut anonymen Datenerhebung vorher zugestimmt hat. 

Die Messwerte werden in einem 15-Minuten-Raster aggregiert und regelmäßig an die umlaut-Server übertragen. Diese Reports umfassen nur wenige Bytes, sodass sie das Datenvolumen des Nutzers so gut wie nicht belasten.

Mobilfunk-Kategorie: Breitband-Güte

Mit insgesamt 500 erreichbaren Punkten macht die Breitband-Versorgung die Hälfte der Gesamtpunktzahl aus. Um sie zu ermitteln, legt umlaut ein Raster aus 2 x 2 km großen Kacheln über das Testgebiet. Für jede muss eine Mindestanzahl an Nutzern und Messwerten vorliegen. 

Um die Qualität der Breitband-Versorgung zu bewerten, vergibt umlaut pro Kachel einen Punkt, wenn das betrachtete Netz 4G- oder 5G-Versorgung bietet. Einen weiteren Punkt erhält ein Kandidat für jeden konkurrierenden Anbieter, der in derselben Kachel einen geringeren oder keinen Anteil an Breitbandnutzung aufweist. 

In einem Land mit drei Anbietern kann ein Kandidat somit pro Kachel bis zu drei Punkte erreichen: einen für die Breitband-Versorgung und bis zu zwei weitere für „geschlagene“ Mitbewerber. Die Wertung setzt die erreichten Punkte dann in Relation zur maximal möglichen Punktzahl für die Qualität der Breitband-Versorgung.

Zusätzlich betrachten wir den Zeitanteil mit Breitband-Versorgung. Er sagt aus, wie oft ein einzelner Nutzer im Betrachtungszeitraum 4G- oder 5G-Empfang hatte – unabhängig von den EAs, in denen die Samples erfasst wurden. Dazu setzt umlaut die Samples, die 4G/5G-Versorgung ausweisen, in Bezug zur Gesamtanzahl aller Samples. 

Die Resultate für Qualität der Breitband-Versorgung und Zeitanteil mit Breitband-Versorgung machen jeweils 50% der Punktzahl für die Breitband-Güte aus. Wichtig: Die für beide Parameter ermittelten Prozentwerte spiegeln den jeweiligen Erfüllungsgrad wider – sie entsprechen nicht der prozentualen 4G/5G-Mobilfunkabdeckung von Fläche oder Bevölkerung.

Mobilfunk-Kategorie: Datenraten und Latenzen

Die Datenrate fließt zu 30% ins Gesamtergebnis ein (300 erreichbare Punkte), die Latenz zu 20% (200 Punkte). Auch die Untersuchung dieser Parameter erfolgt unabhängig von den EAs und konzentriert sich somit auf das Erleben jedes einzelnen Nutzers. Samples, die etwa über WLANs oder bei aktivem Flugmodus erfasst wurden, filtert umlaut vor der weiteren Analyse aus. 

Um dabei der Tatsache Rechnung zu tragen, dass viele Mobilfunktarife die nutzbare Datenrate drosseln, hat umlaut drei anwendungsbezogene Geschwindigkeitsklassen definiert: Für Basis-Internet genügen 2 Mbit/s, HD-Video setzt 5 Mbit/s voraus, und UHD-Video 20 Mbit/s. 

Damit ein Sample gültig ist, muss in einem 15-Minuten-Zeitraum zudem eine Mindest-Datenmenge geflossen sein. Analog wird auch die Latenz der Datenpakete einer anwendungsbezogenen Klasse zugeordnet: Roundtrip-Zeiten bis 100 ms genügen für OTT-Sprachdienste, unter 50 ms qualifizieren ein Sample für Gaming.

Bei der Auswertung ordnet umlaut die im Sample ermittelten Geschwindigkeiten und Latenzen einer dieser Klassen zu. Basis-Internet macht dann 60% der Datenraten-Wertung aus, HD-Video 30% und UHD-Video 10%. In die Latenz-Wertung fließt OTT-Sprache mit 80% Anteil ein, Gaming mit 20%.

Normierung der Ergebnisse nach Geo-Kategorien

Damit je nach betrachtetem Land unterschiedliche Marktanteile und unterschiedliche Versorgungsstrategien der einzelnen Anbieter keine unfairen Benachteiligungen verursachen, unterscheidet die Analyse aller Teilergebnisse außerdem drei verschiedene geografische Kategorien: Urban, Suburban (Randbezirke großer Städte) und ländlich. 

Die Zuordnung der einzelnen EAs zu einer dieser Kategorien basiert auf öffentlich verfügbaren Landnutzungs-Daten. Der Anteil der drei Geo-Kategorien an der Wertung eines KPIs (Key Performance Indicator, also: Aggregation eines Messwerts) wird für jedes Land anhand der Verteilung der erfassten Nutzer in diesen Geo-Kategorien gewichtet. 

Dazu betrachtet umlaut einen 52-Wochen-Zeitraum, um saisonale Effekte wie den Strom von Stadtbewohnern aufs Land in Urlaubszeiten zu vermeiden.

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