Plattenspieler & Phono-Vorverstärker

AVM 30 R 30.3 & PH 30.3 im Test

14.1.2022 von Andreas Günther

AVM hat die 30 für sich gefunden. Unter dieser Ziffer wird der Kampfpreis im Katalog ausgelebt. Nun kommt die Superkombi für Vinyl-Liebhaber: ein toller Plattenspieler plus Phono-Box. Beides rasant günstig und traumhaft klingend, wie unser Test zeigt.

ca. 5:55 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
AVM30 R 30.3 & PH 30.3 im Test
AVM30 R 30.3 & PH 30.3 im Test: Großartig wie der AVM den tieferen Groove erfasst. Ein Raum mit definiertem Hall.
© Josef Bleier

Pro

  • Von unten beleuchteter Plattenteller
  • Einer der besten Tonarme auf dem Weltmarkt
  • Tonabnehmer: Hauseigenes Cadenza-System

Contra

Fazit

stereoplay Testurteil: 76 Punkte; Preis/Leistung: überragend ; Klang: 53; stereoplay "Highlight"

Die Audio Video Manufaktur aus Malsch hat den eigenen runden Geburtstag schon vor fünf Jahren gefeiert. Aber es gibt eine never ending party. Für den Endkunden. Unter der Zahl 30 schleichen sich die günstigsten High-End-Komponenten im Katalog an. AVM ist dieser Philosophie bis heute treu geblieben. Erstaunlich viele Komponenten tragen die 30 im Namen.

Die jüngsten Vertreter haben wir eingefangen und in unseren Hörraum gestellt – den Plattenspieler 30.3 und die passgenaue Vorstufe mit gleichem Nachnamen. Mit Vornamen heißen sie „R“ für Rotation und „PH“ für Phono. Wie gesagt: Das sind die Günstlinge im Repertoire – es geht nicht niedriger im Preis.

AVM 30 R 30.3

Fangen wir mit dem Plattenspieler an. Rund 30 Jahre hat sich AVM gewehrt, eigene Plattenspieler zu bauen. Dann ein Aufschlag zur High-End-Messe in München: Da erschien der große R 5.3 ab 6500 Euro, dazu die kleine Variante 2.3 für 4000 Euro. Alle Branchenkenner waren sich einig: Das sind Wundertiere, darunter ist nichts vorstellbar.

Nun durchbricht AVM die Messlatten. Hier ist im ersten Test der R 30.3 für 2490 Euro ohne System. Das ist eine Kampfansage. Zumal es noch einige Stellschrauben im Preis gibt. Doch dazu später.

AVM 30 R 30.3 im Test - Tonarm
Feinmechanik at his best: Der Tonarm ist der Held des Players. Das Gegengewicht dämpft per Silikon. Das Antiscating braucht feine Finger.
© Josef Bleier

Schauen wir zuerst auf die Details und den Schönling. Vor uns steht faktisch der größere R 2.3, aber sanft reduziert. Wir können beispielsweise nicht mit den Farben spielen. Hier gibt es nur ein sanftes helles Leuchten, wenn wir den Schalter an der Unterseite aktivieren. Da wird der komplette Plattenteller illuminiert.

Aber der gleiche Tonarm ist da – neun Zoll und nur bei AVM zu haben. Das ist ein Meisterwerk, reines Aluminium. Damit sich böse Vibrationen nicht aufschwingen können, ist das Gegengewicht mit einem Silikonring bedämpft.

Sehr effektiv. Wir sagen es absolut: Das ist einer der besten Tonarme auf dem Weltmarkt, hier kann man nahezu jeden noch so edlen Tonabnehmer einschrauben.

Wo wir beim Thema sind: AVM krault den Bauch von Ortofon – und hat es geschafft, ein hauseigenes Cadenza-System zu bekommen, inklusive Namenszug und Branding. Ist das nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Immerhin würden nominell über 1000 Euro für dieses System fällig.

Wir verneinen klar: Dieses Laufwerk und dieser Arm limitieren nicht. Wir haben in unserem Test klar die Vorzüge des MC-Systems gehört. Zumal jetzt die Subbotschaft kommt.

AVM ist im 30er- Rausch – die ersten Käufer erhalten das Gesamtpaket inklusive Cadenza-Red für 600 Euro unter Normalpreis – also eine Summe von knapp unter 3000 Euro. Da wird selbst meine Kreditkarte nervös. Was aber noch nicht den günstigen Komplett-Preis erklärt.

AVM 30 R 30.3 im Test - Tonabnehmer
Gib mir Deinen Namen: Ortofon druckt auf sein Cadenza-System den Namen des verlängerten Geburtstagskindes.
© Josef Bleier

AVM hat im Vergleich zum 2.3 abgespeckt. Beispielsweise ist der Plattenteller dünner geworden. Auch die Abdeckhaube wird nun als Standard und in Kunststoff zugekauft. Die Federfüße wurden reduziert – aber eben auch maßgeschneidert auf das nunmehr geringere Gesamtgewicht.

Ebenso wurde die Zarge vereinfacht. An der Front liegt eine Platte aus Aluminum, dahinter ein Aufbau aus hochdichter Faserplatte, mit Metall-Splittern verstärkt und beschwert. Schließlich der Kern der Konstruktion: Das ist ein Masselaufwerk mit einem Riemenantrieb. Der Aufbau ist in wenigen Minuten geschafft.

Allenfalls das Antiskating-Gewicht am hauchdünnen Faden verlangt Fingerspitzengefühl. Subtext bis hierhin: Wir spüren in jedem Detail, der noch so kleinen Facette die Feinarbeit der Entwickler. Der Preis ist noch immer anspruchsvoll, geht von unserer Seite aber umfassend in Ordnung.

Phono-Vorverstärker: AVM PH 30.3

AVM PH 30.3 Rückseite
Alles im Großformat. AVM mag keine Kleinklaviere – die Eingangslast wird über „MC Load“ per Chinch- Widerständen zugesteckt. Natürlich sind auch MM-Systeme erlaubt.
© Josef Bleier

Pro

  • Schnell
  • Sehr schöne Dynamik

Contra

Fazit

stereoplay Testurteil: 81 Punkte; Preis/Leistung: überragend ; Klang: 58/57 (MC/MM); stereoplay "Highlight"

Schwenken wir mit der Kamera um – auf das kleine Kästlein neben dem Plattenspieler. Ohne Phonovorstufe geht nichts in der Vinylwelt. Hier legt AVM einen Neuling vor. Welch Wunder, auch er hört auf das Kürzel 30.3, eben nur mit „PH“ im Vornamen.

Nur für die Gefühlslage: AVM hat auch einen PH 8.3 im Katalog. Das sind elf Kilogramm im Vollformat, ebenfalls nur für die feinen Phono-Signale geschaffen und an der Spitze unserer Rang- & Namen-Liste zu finden. Leider nicht ganz billig. In diesem Sinne ist der AVM30 PH 30.3 ein echtes Schnäppchen. 800 Euro werden aufgerufen.

Haben wir dieses Schmuckstück nicht schon getestet? Nein. Es gibt den AVM30 P 30 – der identisch aussieht. Doch der 30.3 ist eine umfassende Neuentwicklung. Nur das Gehäuse aus massivem Aluminium ist in seinen Maßen geblieben, die Schaltung wurde umfassend runderneuert. Nun greift AVM das winzige Vinyl-Signal mit extrem kurzen Wegen ab, gleich hinter dem Cinch-Port.

Die Entzerrung wurde einem echten Class-A-Aufbau überantwortet. Die meisten Konkurrenten schicken das Signal dann durch ein Miniaturklavier auf dem Rücken. AVM widerspricht und packt drei Cinch-Stecker-Paare bei – 100, 200 oder 1000 Ohm. Da wird nicht geklimpert, sondern großformatig zugesteckt.

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Ohne Frage: das gefällt. Hoffentlich nicht nur uns, sondern auch einer weiten Fangemeinde. Also, verkabeln wir alles, werfen wir den Motor samt magischem Licht an und hinein in unseren Luxman-Amp. Ich habe die beiden größeren Laufwerke von AVM noch gut im Ohr. Aber schon nach acht Takten und der ersten Phrase war mir klar: Der 30.3 ist keine Reduktion der audiophilen Werte, sondern eine Kompression.

Klangbestimmend scheint nicht das Laufwerk an sich zu sein, sondern der superbe Tonarm. Das hatte Präzision und dennoch den Charme und die typische Vinyl-Leidenschaft. Diesmal nicht in schwarzer Pressung, sondern in schimmerndem Gelb. Ich habe mir das neue Album von Eric Clapton zugelegt „The Lady In The Balcony“. Ein Doppelalbum mit der Subgeschichte, dass Clapton sich hier seine Einsamkeit im Lockdown von der Seele spielt.

Da gibt es die Heldentaten der Vergangenheit im kleinen Gewand – „Layla“ und „Tears in Heaven“ inklusive. Mein persönliches Album des Monats. Die 30.3-Kombi erkannte sofort den Charme der Aufnahmen. Das war intim, perfekt räumlich. Toll die Dynamik der Gitarrensaiten – das sprang aus der Ebene direkt in unser Herz. Dazu die gemeißelt abgebildete Stimme des Altmeisters. Das ahnte ich.

Deshalb haben wir auch das Album in High-Res gegengehört, über unseren Technics SL-G700. Das war ebenfalls herzergreifend aber nicht so lässig und human wie die Vinylscheibe. Eine Runde geht noch. Etwas scheinbar Abwegiges.

AVM 30 R 30.3 im Test
Der Subteller wird per Flachriemen angetrieben. Auf Wunsch und Knopfdruck kann der Teller unterleuchtet werden.
© Josef Bleier

Bert Kaempfert wurde in den 1960er-Jahren ein reicher Mann durch eleganten Big-Band-Sound und wahre Geniestreiche der Komposition. „Spanish Eyes“ ist von ihm, ebenso „Strangers In The Night“. Wer das als banale Unterhaltungsmusik abtut, verpasst etwas. Denn die Arrangements, vom Meister selbst dirigiert („Today & Yesterday“), klingen auf frischen 180 Gramm vorzüglich.

Ein Plattenspieler muss Timing können. Großartig wie der AVM den tieferen Groove erfasst. Ein Raum mit definiertem Hall, kantig die Streicher, mächtig der Bass – so geht ein Sog von dieser Platte aus. In den besten Momenten möchte man aufstehen und Mitswingen.

Ein Finale mit Klassik. Und wieder so ein missionarischer Tipp – das Klavierquintett f-Moll, Opus 34 von Brahms ist eine verkappte Großsymphonie. Nur halt mit einem Streichquartett plus Klavier. Die beste Aufnahme stammt aus italienischer Hand – Maurizio Pollini am Flügel, umringt vom Quartetto Italiano, aufgenommen von der Deutschen Grammophon im Herkulessaal zu München.

Superb, wie die beiden AVMs genau diesen Raum wieder auferstehen lassen, sehr kompakt, nicht zu weit im Nachhall, dazu immer wieder diese Phrasen in schönstem Moll, mit Samt und Leidenschaft. Hier bebt es, hier webt es, hier entsteht eine eigene Welt. Auch hier liegt mittlerweile eine Version der analogen Bänder in High-Res vor.

Doch der Datensatz verfügte in unserem Test nicht über jenen Schmelz, den R und PH einbrachten. AVM zeigt auf schönste Weise, warum man sich auf die Vinyl-Seite des Lebens schlagen sollte, zu einem gehobenen, aber vollauf gerechtfertigten Preis.

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Fazit: AVM 30 R 30.3

Das ist effektiv reduziert – ohne Kompromisse bei der Klangkraft. Den Augen bietet sich ein Schmuckstück, wieder einmal mit von unten beleuchtetem Plattenteller. Der Tonarm ist der geheime Held – ein feinmechanisches Meisterwerk.

Er lässt erstaunlich wertige, teure Tonabnehmer zu. Wer schnell ist, sichert sich das Angebot mit Ortofon Cadenza. Der Sound huldigt den besten Analogwerten, sehr entspannt, dynamisch, reich in den humanen Werten.

Fazit: AVM PH 30.3

Hier wird dem hohen Tempo gehuldigt. Diese Phonovorvorstufe wirkt überaus schnell. Was viele helle Feininformationen an unsere Ohren bringt. Der Drive bringt schönste Dynamik ein, trotzdem wird es nie hart. Klasse, weil unkompliziert und nicht fehleranfällig, ist auch das Konzept der zusteckbaren Widerstände für MC-Tonabnehmer.

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