Smartphone

Google Pixel 4 & 4XL im Test

Die neuen Pixel 4 wollen eine Android-Alternative zu den iPhones sein, mit Hard- und Software wie aus einem Guss und happigen Preisen. Google leistet sich aber zwei Patzer. Lesen Sie unseren Test dazu.

© Google

Beide Modelle sind in (mattem) Weiß und (glänzendem) Schwarz erhältlich. In Rot-Orange gibt es nur das kleine Pixel 4 in einer limitierten Edition.

EUR 652,99

Pro

  • Design, Haptik, Verarbeitung sind top
  • kompakt und handlich (Pixel 4)
  • leuchtstarkes OLED mit 90 Hz, tolle Darstellung
  • Kamerasystem mit sehr guter Bildqualität und einzigartigen Extras
  • 3D-Gesichtserkennung auf dem Niveau von Apples Face ID (Pixel 4)
  • intuitives Betriebssystem mit besonderer Gestensteuerung
  • 3 Jahre Software-Updates
  • exzellente Akkulaufzeit (Pixel 4 XL)
  • gute bis sehr gute Funkeigenschaften (Pixel 4 XL)

Contra

  • 64 GB in der Einstiegsvariante nicht mehr zeitgemäß
  • keine Ultra-Weitwinkel-Optik

Fazit

connect-Urteil: gut (Pixel 4 XL: 413 von 500 Punkten; Pixel 4: 410 von 500 Punkten)
82,6%

Knapp Kalkuliert. Damit ist unter anderem die Kameraausstattung gemeint. Denn im Kamera­quadrat auf der Rückseite finden sich nur zwei Optiken, weil Google im Gegensatz zu Apple auf ein Ultraweitwinkelobjektiv für be­sonders große Bildaussschnitte verzichtet. 

Kombiniert wird hier ein Standardweitwinkel mit einer Tele­brennweite, die einen zweifachen optischen Zoom ermöglicht. Die fotografischen Möglichkeiten sind im Vergleich mit allen anderen Highend­-Smartphones also im Wort­sinne beschnitten. Qualitativ gibt es dagen nichts zu kritisieren, beide Pixel gehören wieder zu den Smart­phones mit der besten Bildqualität.

Die von uns gemessenen Unter­schiede zwischen den beiden Mo­dellen führen wir auf einen Produk­tionsfehler zurück – eine Vermutung, die wir mit einem zweiten Sample (das bis Redaktionsschluss nicht zur Verfügung stand) überprüfen wer­den. Großes Lob verdienen die neu hinzugekommenen Extras: 

An erster Stelle steht hier die Möglichkeit der Bildbearbeitung mittels „Dual Ex­posure“, die Google einmal mehr als Meister der HDR­Verarbeitung aus­weist: Per doppeltem Schieberegler kann man in der Kameravorschau im ersten Schritt einen schattigen Vordergrund aufhellen und dann im zweiten Schritt überbelichtete Be­reiche im Hintergrund ausgleichen.

Podcast: So testen wir im Labor

© Google

Die Displays füllen nicht die gesamte Front aus, bei den neuen Pixeln bleibt oben ein relativ breiter dunkler Rand. Google nutzt den Platz, um einzigartige Funktionen zu realisieren, die so bei keinem anderen Android-Smartphone zu finden sind.

Auch bei den Nachtaufnahmen legt Google mit dem „Astrofotografie­ Modus“ noch einen drauf.  Weniger gut gefallen hat uns dagegen der hohe Automatisierungsgrad der Ka­mera: Es gibt keinen Profi­-Modus, mit dem sich Parameter wie die ISO­ Empfindlichkeit manuell justieren lassen. Es ist weder möglich, HDR zu deaktivieren, noch die Zoomoptik dezidiert anzusteuern.

Letztere knipst Fotos immer mit zwölf Megapixeln, obwohl es sich um einen 16­-Mega­pixel­-Sensor handelt. Ein weiterer, wenn auch kleinerer Kritikpunkt be­trifft Videos, die qualitativ sehr gut sind, aber in 4K nicht mit 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet werden können – sowohl Apple als auch Samsung bieten diese Möglichkeit. Die neuen Pixel schalten dagegen bei 60 fps auf Full HD zurück.

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Apple lässt grüßen 

Das Design mit der quadratischen Kameraeinheit und auch die Größenverhältnisse erinnern an das iPhone 11 Pro (Max), der haptische Ein­druck ist ähnlich hochwertig, eben­ so die Verarbeitung – eine IP68­Zer­tifizierung ist dabei. Die Google­ Phones sind mit 162 Gramm (statt 188 Gramm) und 193 Gramm (statt 226 Gramm) allerdings spürbar leichter als die Apple-­Modelle. 

Mit der Glasrückseite und einem mattierten Aluminiumrahmen folgt Google der Tradition der Pixel­ Serie, zu der auch eine farblich ab­gesetzte Power-­Taste gehört. Von der zweigeteilten Glasoberfläche hat man sich dagegen verabschiedet, stattdessen ist das Glas entweder matt­milchig (weiß) oder glatt­glän­zend (schwarz). Neben diesen bei­den Farben gibt es eine orange­rote Version, ebenfalls mit matter Ober­fläche. 

Das farbige Pixel ist aller­dings auf eine Special Edition mit 64 GB limitiert, und hier sind wir gleich beim größten Kritikpunkt: Google knausert beim Speicher. Beide Modelle starten mit 64 GB für 749 Euro beziehungsweise 899 Eu­ ro, was in Anbetracht der fehlenden Speichererweiterung und dem High­end-­Anspruch bemängelt werden muss. 

128 GB sind bei Android schließlich längst in der Mittelklasse angekommen. Erschwerend kommt hinzu, dass der vormals kostenlose Cloudspeicher für Pixel­-Käufer (bei Pixel 2 und 3 war das ein zentrales Verkaufsargument von Google) mit der vierten Generation weggefallen ist – mit den Phones geknipste Fotos werden, wenn man sie unkomprimiert hochlädt, ganz normal auf das Speicherkontigent angerechnet.

© Google

Dieses Foto wurde laut Google mit einem Pixel 4 XL gemacht, mit Hilfe des neuen Astrofotografie-Modus, der bis zu 16 Fotos aufnimmt, die jeweils mit bis zu 15 Sekunden langzeitbelichtet sind. Ein Stativ ist dabei empfehlenswert. Wir haben solche beeindruckenden Ergebnisse nicht erzielen können, auch weil es in der Stadt zuviel Streulicht gibt. Klar ist aber: Bei Nachtaufnahmen macht den neuen Pixels keiner etwas vor.

Face ID für Android 

Der Smartphonekorpus wirkt auch deswegen wie aus einem Guss, weil Google auf einen Fingerabdruck­sensor verzichtet und sich bei der biometrischen Entsperrung voll auf die 3D­-Gesichtserkennung verlässt – die richtige Entscheidung, denn im Alltag arbeitet die Technik auf dem Niveau von Apples Face ID.

Ein weiteres Highlight markieren die Displays und zwar nicht (nur) wegen der hohen Qualität, sondern auch, weil die Bildwiederholrate bei 90 Hertz statt der branchenüblichen 60 Hertz liegt. Bewegte Inhalte wer­ den flüssiger dargestellt, was sich besonders beim Scrollen durch Websites oder Menüs angenehm bemerkbar macht. 

Um die Leistung muss man sich in diesem Kontext übrigens keine Sorgen machen, Google setzt auf Qualcomms stärks­ tes SoC im Stall, den Snapdragon 855, der von 6 GB RAM flankiert wird. Er treibt ein modern und an­ sprechend gestaltetes Android­ System an, das alle Google­-Dienste perfekt integriert und für drei Jahre garantiert mit Software­-Updates versorgt wird – für Android-­Smart­phones ist das (leider) nach wie vor ein bemerkenswert langer Zeitraum.

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Fazit 

Die 90 Hertz werden dynamisch zu­geschaltet, eine permanente Aktivierung würde sich negativ auf die Akkulaufzeit auswirken. Hier können wir Entwarnung geben, beide Mo­delle bieten mit 8:22 bzw. 9:40 Stun­den eine gute bis sehr gute Laufzeit. Ein 18-­Watt-­Netzteil gehört zum Lieferumfang, alternativ können die Phones auch drahtlos geladen wer­den. 

Die Akustik ist im positiven Sinne unauffällig, die Funkeigen­schaften in den LTE-­ und UMTS­-Netzen gut bis sehr gut. Das Fazit fällt aber trotzdem durchwachsen aus. Zu schwer wiegt das Festhalten an einem kleinen Speicher. Diese Kritik teilt sich Google mit den iPhone-­11-­Pro­Modellen, aber für Apple gelten andere Spielregeln. Für Android-­Nutzer gibt es gute Alternativen mit mehr Speicher und Ultraweitwinkel.

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