Menü

Smartphone-Markt Motorola im Marken-Check

von
US-Printanzeige für das Motorola X
US-Printanzeige für das Motorola X
Motorola gehört seit 2012 zu Google. Der dadurch ­erhoffte Ruck lässt aber auf sich warten.
Motorola
  • Gründungsjahr: 2011
  • Hauptsitz: Libertyville, USA
  • CEO: Dennis Woodside
  • Mitarbeiter: 15000
  • Jahresumsatz: 4,1 Milliarden US-Dollar
  • Produkte: Smartphones, Tablets
  • Verwendetes OS: Android

Motorola ist ein Traditionsunternehmen der Mobilfunkbranche. 1928 gegründet, wurde der Hersteller im Januar 2011 in zwei ­Firmen aufgeteilt: Motorola ­Solutions und Motorola Mobility. Solutions kümmert sich um Geschäfts­kunden, Mobility um Mobilfunk. Hintergrund waren stetig sinkende Marktanteile. 2012 kaufte Google dann die ­Mobilfunksparte.

Auch wenn die US-Amerikaner in Europa nie die Bedeutung ­erlangen konnten wie in ­ihrer ­Heimat, so haben Mobiltelefone von Motorola den hiesigen Markt doch geprägt. Bereits 1983 stellte Motorola das erste kommerzielle Mobiltelefon vor, das DynaTAC. Zehn Jahre später kam mit dem International 3200 – auch ­bekannt als „Knochen“ – das erste GSM-Mobiltelefon auf den Markt, bei dem die gesamte Technik im ­Handy saß. 

Außerdem produzierte Motorola als ­erster Hersteller ­serienreife UMTS-Telefone und erlangte Kultstatus mit dem Klapphandy Razr, von dem ­weltweit mehr als 50 Millionen Stück verkauft wurden.

Mit dem Razr gelang Motorola ein echter Hit.
Mit dem Razr gelang Motorola ein echter Hit.

Doch ähnlich wie Nokia und Sony ist Motorola im Smart­phone-Zeitalter ins Hintertreffen geraten. Die US-Amerikaner sind zwar früh auf den Android-Zug aufgesprungen, haben es aber nicht geschafft, den Boom des Google-Betriebssystems auszunutzen. Dabei waren die Ansätze vielversprechend: 2011 gewann Motorola für das Smartphone-­Tablet-Mischwesen Atrix 4G den connect-Innovationspreis.

Fahrlässige Update-Politik

Schwach- und Knackpunkt der ganzen Geschichte war aber die fahrlässige Update-Politik von Motorola: Die Smartphone-Ver­sion des Razr etwa war lange Zeit das Flaggschiff der Firma, dennoch mussten Nutzer knapp ein Dreivierteljahr auf Software-­Updates warten – das ist im High-End-Segment unzumutbar.

Motorola hat lange versucht, mit reichlich Modellen in Tritt zu kommen. Für jeden Geldbeutel und für jeden Geschmack gab’s ein Gerät: das Backflip mit nach hinten wegklappbarem Display, das Flipout mit zweigeteiltem, ­quadratischem Gehäuse oder das ­Milestone mit nach oben wegschiebbarer Anzeige. Einen Hit landete Motorola aber trotzdem nicht. Die Marktanteile schrumpften, um Motorola wurde es ruhiger.

Beziehungsweise unruhiger: Im Mai 2012 übernahm Google für 12,5 Milliarden US-Dollar die Mobilfunksparte. Der Ruck, den man sich ­dadurch erhofft hatte, blieb bisher jedoch aus. Dass sich bei Moto­rola etwas ändern wird, zeigt das selbstbewusste Auftreten von Ralf Gerbershagen, Vice President und General Manager Europe: „Ziel ist es, unsere Vorreiterposition im Markt zurückzugewinnen.“ Wie das gehen soll? „Wir konzen­trieren uns auf ­Produkte, die das Smartphone-Erlebnis revolutionieren werden. Damit werden wir künftig wieder eine wichtige ­Rolle auf dem Markt spielen.“

Motorola mit neuem Logo im Google-Look

Dabei verfolgt die ­Google- Tochter eine neue Politik: „Seit Ende 2012 haben wir unsere ­Strategie dahingehend geändert, dass wir unsere Produktpalette verkleinern und uns auf weniger, besonders innovative Produkte konzen­trieren.“

Im ­Fokus stehen dabei zwei „Kundenprobleme“, die ­Motorola ­angehen will: Akkulaufzeit und Gehäuse­stabilität. „Warum hält eine ­Akkuladung nicht bis zu einer Woche?“, fragt Gerbers­hagen und meint: „Wenn ein ­Gerät zu Boden fällt, sollte es nicht gleich zu Bruch gehen.“

Das Razr i ist derzeit das letzte Modell von Motorola.
Das Razr i ist derzeit das letzte Modell von Motorola. ©

connect-Prognose

Stabile Gehäuse und lange Akkulaufzeiten sind durchaus zwei ­Aspekte, die für Smartphone-­Nutzer entscheidend sind. Von der Hardware einmal abgesehen, ­spielen mittlerweile aber Software und Dienste eine gewichtige Rolle. Ob Motorola hier Akzente setzen und wieder oben mitspielen kann, bleibt abzuwarten und ist nach ­aktuellem Stand eher unwahrscheinlich. 

Doch wer weiß? Mit Google im Rücken ist neues Potenzial, neues Know-how und sicherlich auch neues Geld für Entwicklungen und Innovationen vorhanden. Dass Motorola auf der diesjährigen CES in Las Vegas, also praktisch vor der eigenen Haustür, nicht vertreten war, kann ­allerdings nicht als ­gutes Zeichen gewertet werden. Vielleicht sind die Tüftler aber auch nur in Klausur, um schon bald mit einem neuen Topmodell zu überraschen. 

Kunden sollen Motorola X nach eigenen Wünschen gestalten

In der Gerüchteküche wird das Motorola X genannte ­Spitzenmodell ja schon länger heiß gehandelt. Dank der Nähe zu ­Google ist auch ein von Motorola gebautes Nexus-Smartphone alles andere als ­undenkbar. Fakt ist: Will Motorola nicht von der Bildfläche verschwinden, muss sich etwas tun – und zwar bald. Schließlich laufen in den allermeisten Statis­tiken und Erhebungen die Markt­anteile von Motorola – zumindest im europäischen Markt – nur noch unter „Sonstige“.

comments powered by Disqus
x