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Musikserver/Vollverstärker

CocktailAudio X-45 im Test

Der Musikserver CocktailAudio X-45 dient auch als Vorverstärker und hat eine Klangoptimierung erfahren. Macht sich das im Test bemerkbar?

© CocktailAudio

CocktailAudio X-45

Pro

  • enorme Funktionsvielfalt
  • fast lückenlose Formatunterstützung
  • überragende Klangqualität

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 88 Punkte; Klang Streamer (DSD, 24/96, 16/44,1): 64/63/60 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Ein Bayer würde einen Ser­ver/Streamer von Cocktail­ Audio als „Eier legende Woll­milchsau“ bezeichnen. Das wäre ein Gerät, das praktisch alles kann, ausgestattet mit einer Vielzahl von Features der modernen digitalen Audiotech­nik. Über die bisher erschiene­nen Modelle hat stereoplay je­weils ausführlich berichtet. Auch der brandaktuelle X­45, erhältlich für knapp 2000 Euro, reiht sich da ein; im Ver­gleich zum zuletzt getesteten X­35 hat CocktailAudio aber auf den Einbau von Endstufen verzich­tet. 

Beim X­45 arbeitet die ana­loge Ausgangsstufe als hoch­wertiger Vorverstärker, ausge­stattet mit zwei D/A­-Wandlern vom Typ ESS ES9018K2M. Zwar würde einer dieser Chips für beide Kanäle ausreichen, doch die Doppelbestückung bringt laut Hersteller eine Ver­besserung des Rauschabstands um 3 dB. Tatsächlich fällt das Rauschen mit gemessenen −117 dB(A) extrem gering aus.

X-45 Pro angekündigt

Doch damit nicht genug, denn schon hat CocktailAudio den X­45 Pro angekündigt, der ebenfalls als Vorverstärker nutz­bar ist, aber in Sachen D/A­-Wandler nochmals aufgewertet wird. So soll der Pro das Flagg­schiff aus der ESS­-DAC-­Serie enthalten, nämlich den Sabre ES9038Pro. Die Eckdaten: DSD512 und 768 kHz Abtastfrequenz – wenngleich dafür derzeit auch noch kein Musik­material zur Verfügung steht. Des Weiteren gibt’s Top-­Verar­beitung bei allerdings auch ei­nem Top­-Preis von 4500 Euro. 

Doch zurück zu unserem Testkandidaten, der immerhin über eine gefräste Alu­-Front verfügt. Für die relevanten Lautstärkebereiche erfolgt die Pegeleinstellung fein abgestuft in 0,5-­dB-­Schritten. Dazu kommt die Wahl der Programm­quellen, überwiegend intern via Streaming, HDD oder Web­ Musik-­Services, aber auch ex­tern per USB oder Phono MM. Die Ausgangsspannung könnte bei Cinch-­Anschluss etwas hö­her sein, reicht am XLR-­Aus­gang jedoch völlig aus. Als vollwertiger Vorverstärker kann der X­-45 Aktivboxen oder End­stufen ansteuern und – außer für Phono – eine Anlage mit nur einer zentralen, sichtbaren Komponente bestreiten. Die wichtigsten Programmquellen für den X­45 dürften der interne Speicher und NAS übers Heimnetzwerk sein. Zwar lassen sich 3,5-­Zoll­-HDD­-Laufwerke einbauen, doch ist davon wegen der hohen Geräuschentwicklung abzuraten. 2,5­-Zoll­-HDDs sind hingegen kaum hörbar, sodass auf die teureren SSDs verzichtet werden kann.

© CocktailAudio

Der X-45 ist mit hochwertiger und vielfältiger Anschlusstechnik ausgestattet. Dazu gehören vergoldete Cinch-Buchsen genauso wie XLR-Technik im Analog- und Digitalbereich. Auch eine Festplatte lässt sich einsetzen.

CDs rippen und brennen 

Apropos Laufgeräusch: Das in­tegrierte optische Laufwerk ist für die reine Wiedergabe eher zu laut, lässt sich aber gut fürs CD­-Rippen und ­Brennen nut­zen. Beides erfolgt unter Ein­beziehen der CD-DB­-Daten­bank: entweder aus dem Web oder nach Kopieren auf eine interne Platte. Rippen und Bren­nen laufen also ganz ohne PC.

Die Recorder­-Funktion be­rücksichtigt auch den integrier­ten MM-­Phonoeingang, für den sich sogar die Eingangsemp­findlichkeit einstellen lässt. Zu­ nächst wird eine Schallplatten­seite in eine Datei gespeichert, die der X­45 dann per Knopf­ druck in einzelne Titel aufteilt. Als Aufnahmeformat bietet der Server bis zu PCM 24/192.

PC­-affine Features, ohne die­sen jedoch zu benötigen, das sind die Stärken der Cocktail­ Audio­Geräte. So zum Beispiel die eigens angelegte interne Musikdatenbank, die wegen der im Vergleich zum Vorgänger besseren Prozessor­ und Spei­ cherausstattung flüssiger ab­ läuft. Wichtig ist, dass sich die in der Datenbank gesammelte Musik einfach auf USB oder NAS sichern und zurückspielen lässt. Davon sollte man bei den niedrigen HDD-­Preisen regen Gebrauch machen!

© Screenshot WEKA / stereoplay

Neben FM- bietet der X-45 auch DAB-Radio. Aufnahmen auf den internen Speicher lassen sich Timergesteuert von digitalen und analogen Quellen durchführen, dafür gibt es sogar eine Aussteuerungsanzeige.

Alle wichtigen Formate

Die Formatunterstützung um­ fasst praktisch alle relevanten Typen bis 32/384 und DXD352, nicht jedoch SACDs, DVD­-Audios oder BDAs sowie ISO­-Files derselben. Abspielbar sind CDs mit MQA­-Codierung, auch ist der X-­45 Roon Ready. Die Roon-­Technik arbeitet ähnlich wie UPnP, bindet aber vielerlei Infos aus dem Web über Musik und Künstler in die Wiedergabe ein.

Allerdings muss im Hinter­grund ein Roon-­Server auf ei­nem leistungsstarken Rechner oder NAS laufen. Die Bedienung kann direkt am Gerät erfolgen, dazu über die Fernbedienung, per App von CocktailAudio oder etwa von Roon sowie per Web­Interface. Für den Hörtest wählten wir eine Kombi mit der Yamaha­ Endstufe AS­1100. Klanglich sehr souverän spielte der X­45 DSD und HiRes­FLAC, die Gitarre von Lee Ritenour aus „In Your Dreams“ erstrahlte förmlich aus den Boxen. Präzise Drumbeats rundeten das Klang­erlebnis ab, ein wahrer Genuss.

Fazit

Der X-45 ist eine sehr interessante Kombination aus Server/Streamer und Vorverstärker. Wie schon bei anderen Modellen von CocktailAudio beeindruckt die enorme Funktionsvielfalt bis hin zum Phono-Eingang mit Aufnahmemöglichkeit. Dazu kommen die fast lückenlose Formatunterstützung und – dank exzellenter D/A-Wandler – eine überragende Klangqualität.

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