Musikserver/Vollverstärker

CocktailAudio X-45 im Test

14.6.2018 von Reinhard Paprotka

Der Musikserver CocktailAudio X-45 dient auch als Vorverstärker und hat eine Klangoptimierung erfahren. Macht sich das im Test bemerkbar?

ca. 3:25 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
CocktailAudio X-45
CocktailAudio X-45
© CocktailAudio

Pro

  • enorme Funktionsvielfalt
  • fast lückenlose Formatunterstützung
  • überragende Klangqualität

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 88 Punkte; Klang Streamer (DSD, 24/96, 16/44,1): 64/63/60 Punkte; Preis/Leistung: überragend


Hervorragend

Ein Bayer würde einen Ser­ver/Streamer von Cocktail­ Audio als „Eier legende Woll­milchsau“ bezeichnen. Das wäre ein Gerät, das praktisch alles kann, ausgestattet mit einer Vielzahl von Features der modernen digitalen Audiotech­nik. Über die bisher erschiene­nen Modelle hat stereoplay je­weils ausführlich berichtet. Auch der brandaktuelle X­45, erhältlich für knapp 2000 Euro, reiht sich da ein; im Ver­gleich zum zuletzt getesteten X­35 hat CocktailAudio aber auf den Einbau von Endstufen verzich­tet. 

Beim X­45 arbeitet die ana­loge Ausgangsstufe als hoch­wertiger Vorverstärker, ausge­stattet mit zwei D/A­-Wandlern vom Typ ESS ES9018K2M. Zwar würde einer dieser Chips für beide Kanäle ausreichen, doch die Doppelbestückung bringt laut Hersteller eine Ver­besserung des Rauschabstands um 3 dB. Tatsächlich fällt das Rauschen mit gemessenen −117 dB(A) extrem gering aus.

X-45 Pro angekündigt

Doch damit nicht genug, denn schon hat CocktailAudio den X­45 Pro angekündigt, der ebenfalls als Vorverstärker nutz­bar ist, aber in Sachen D/A­-Wandler nochmals aufgewertet wird. So soll der Pro das Flagg­schiff aus der ESS­-DAC-­Serie enthalten, nämlich den Sabre ES9038Pro. Die Eckdaten: DSD512 und 768 kHz Abtastfrequenz – wenngleich dafür derzeit auch noch kein Musik­material zur Verfügung steht. Des Weiteren gibt’s Top-­Verar­beitung bei allerdings auch ei­nem Top­-Preis von 4500 Euro. 

Doch zurück zu unserem Testkandidaten, der immerhin über eine gefräste Alu­-Front verfügt. Für die relevanten Lautstärkebereiche erfolgt die Pegeleinstellung fein abgestuft in 0,5-­dB-­Schritten. Dazu kommt die Wahl der Programm­quellen, überwiegend intern via Streaming, HDD oder Web­ Musik-­Services, aber auch ex­tern per USB oder Phono MM. Die Ausgangsspannung könnte bei Cinch-­Anschluss etwas hö­her sein, reicht am XLR-­Aus­gang jedoch völlig aus. Als vollwertiger Vorverstärker kann der X­-45 Aktivboxen oder End­stufen ansteuern und – außer für Phono – eine Anlage mit nur einer zentralen, sichtbaren Komponente bestreiten. Die wichtigsten Programmquellen für den X­45 dürften der interne Speicher und NAS übers Heimnetzwerk sein. Zwar lassen sich 3,5-­Zoll­-HDD­-Laufwerke einbauen, doch ist davon wegen der hohen Geräuschentwicklung abzuraten. 2,5­-Zoll­-HDDs sind hingegen kaum hörbar, sodass auf die teureren SSDs verzichtet werden kann.

CocktailAudio X-45 - Rückansicht
Der X-45 ist mit hochwertiger und vielfältiger Anschlusstechnik ausgestattet. Dazu gehören vergoldete Cinch-Buchsen genauso wie XLR-Technik im Analog- und Digitalbereich. Auch eine Festplatte lässt sich einsetzen.
© CocktailAudio

CDs rippen und brennen 

Apropos Laufgeräusch: Das in­tegrierte optische Laufwerk ist für die reine Wiedergabe eher zu laut, lässt sich aber gut fürs CD­-Rippen und ­Brennen nut­zen. Beides erfolgt unter Ein­beziehen der CD-DB­-Daten­bank: entweder aus dem Web oder nach Kopieren auf eine interne Platte. Rippen und Bren­nen laufen also ganz ohne PC.

Die Recorder­-Funktion be­rücksichtigt auch den integrier­ten MM-­Phonoeingang, für den sich sogar die Eingangsemp­findlichkeit einstellen lässt. Zu­ nächst wird eine Schallplatten­seite in eine Datei gespeichert, die der X­45 dann per Knopf­ druck in einzelne Titel aufteilt. Als Aufnahmeformat bietet der Server bis zu PCM 24/192.

PC­-affine Features, ohne die­sen jedoch zu benötigen, das sind die Stärken der Cocktail­ Audio­Geräte. So zum Beispiel die eigens angelegte interne Musikdatenbank, die wegen der im Vergleich zum Vorgänger besseren Prozessor­ und Spei­ cherausstattung flüssiger ab­ läuft. Wichtig ist, dass sich die in der Datenbank gesammelte Musik einfach auf USB oder NAS sichern und zurückspielen lässt. Davon sollte man bei den niedrigen HDD-­Preisen regen Gebrauch machen!

CocktailAudio X-45 - Screens
Neben FM- bietet der X-45 auch DAB-Radio. Aufnahmen auf den internen Speicher lassen sich Timergesteuert von digitalen und analogen Quellen durchführen, dafür gibt es sogar eine Aussteuerungsanzeige.
© Screenshot WEKA / stereoplay

Alle wichtigen Formate

Die Formatunterstützung um­ fasst praktisch alle relevanten Typen bis 32/384 und DXD352, nicht jedoch SACDs, DVD­-Audios oder BDAs sowie ISO­-Files derselben. Abspielbar sind CDs mit MQA­-Codierung, auch ist der X-­45 Roon Ready. Die Roon-­Technik arbeitet ähnlich wie UPnP, bindet aber vielerlei Infos aus dem Web über Musik und Künstler in die Wiedergabe ein.

Allerdings muss im Hinter­grund ein Roon-­Server auf ei­nem leistungsstarken Rechner oder NAS laufen. Die Bedienung kann direkt am Gerät erfolgen, dazu über die Fernbedienung, per App von CocktailAudio oder etwa von Roon sowie per Web­Interface. Für den Hörtest wählten wir eine Kombi mit der Yamaha­ Endstufe AS­1100. Klanglich sehr souverän spielte der X­45 DSD und HiRes­FLAC, die Gitarre von Lee Ritenour aus „In Your Dreams“ erstrahlte förmlich aus den Boxen. Präzise Drumbeats rundeten das Klang­erlebnis ab, ein wahrer Genuss.

Fazit

Der X-45 ist eine sehr interessante Kombination aus Server/Streamer und Vorverstärker. Wie schon bei anderen Modellen von CocktailAudio beeindruckt die enorme Funktionsvielfalt bis hin zum Phono-Eingang mit Aufnahmemöglichkeit. Dazu kommen die fast lückenlose Formatunterstützung und – dank exzellenter D/A-Wandler – eine überragende Klangqualität.

Mehr lesen

Bestenliste

Top 10: Die besten Android-Smartphones 2020

Top 10 Smartphones - Bestenliste

Die besten Smartphones bis 300 Euro

Bestenliste

Top 10 - Die zehn besten Tablets im Test

Weiter zur Startseite  

Mehr zum Thema

Technics SU-G700

Transistor-Vollverstärker

Technics SU-G700 im Test

Der Technics SU-G700 sieht aus wie ein Relikt aus den 80ern. Und doch zeigt der Transistor-Vollverstärker im Test den Weg in die HiFi-Zukunft.

Devialet Expert 1000 Pro mit Remote

Streaming-Verstärker

Devialet Expert 1000 Pro im Test

Der Expert 1000 Pro von Devialet ist ein edler Vollverstärker, der für 27.900 Euro keine Wünsche offen lässt. Was bekommt man für sein Geld?

Fiio M7

HiRes-Portable-Player

Fiio M7 im Test

Für einen mobilen HiRes-Player ist der Fiio M7 recht günstig. Wir testen, was der Mobilplayer kann und wie gut die Bluetooth-Übertragung klappt.

Denon DRA 800H

Streaming-Netzwerk-Receiver

Denon DRA-800H im Test

Der Denon DRA-800H Stereo-Receiver beherrscht Phono-analog genauso wie HiRes, Streaming und Multiroom. Was er sonst zu bieten hat, lesen Sie im Test.

Onkyo TX-8390 im Test

Streaming-Receiver

Onkyo TX-8390 im Test

Längst hat modernes Streaming Einzug in vielerlei HiFi-Geräte gefunden. Jetzt kommt Onkyo mit einem kraftvollen Stereo-Receiver, der Analogtechnik…