Service-Test E-Mobilität

Ladenetztest Deutschland: Ladepunkt-Betreiber im Vergleich

Ladepunkt-Betreiber Deutschland

Allego

Die von uns angesteuerten Standorte gaben im Wesentlichen keinen Anlass zu Beschwerden. Ein wenig Verbesserungspotenzial sehen wir dennoch.

Der in den Niederlanden ansässige Anbieter Allego baut ein Ladenetz mit zahlreichen Stationen in den Niederlanden, Belgien und Deutschland auf. In Deutschland zählen momentan 90 High-Power-Charging-Stationen dazu. Zum Ad-hoc-Laden ist die Allego-eigene App „Smoov“ nötig, Apps und Ladekarten anderer EMPs werden aber auch unterstützt.

© umlaut

Variabel: Allego setzt unterschiedliche Ladesäulen ein.

Beschilderung und Wetterschutz der von den Testern angefahrenen Ladestationen lassen zu wünschen übrig, bei den Standorten selbst war von Messeplatz und Pendlerparkplatz über einen Gewerbepark und ein Gartencenter bis hin zum Autohof alles vertreten – unsere Anforderungen wie WC und Speisemöglichkeit wurden in praktisch allen Fällen erfüllt. Da Allego Ladesäulen verschiedener Hersteller verwendet, waren auch Ablauf und Bedienung leicht unterschiedlich. Bei Identifikation und Ladevorgang gab es aber keine Probleme.

connect-Urteil: befriedigend (743 von 1000 Punkten)

Comfortcharge

Bei Störungen an zwei von fünf getesteten Säulen mag Pech im Spiel gewesen sein, aber ein wenig Skepsis bleibt.

Nach der Abgabe ihres EMP-Geschäfts an Alpiq bleibt die Deutsche Telekom als Betreiber verschiedener Ladepunkte aktiv. Dabei hat das Unternehmen eine etwas andere Strategie als viele andere CPOs: Comfortcharge-Säulen gibt es häufig in Wohn- oder Industriegebieten. Zum Teil fanden sie die Tester sogar etwas versteckt in Innenhöfen – Letztere immerhin durch ein Schild an der Einfahrt gekennzeichnet.

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Pretty in Pink: Auffällig sind die Ladesäulen in Magenta definitiv.

Im Testzeitraum begegneten wir leider gleich mehreren technischen Problemen. In einem Fall brachte selbst ein über die Hotline eingeleiteter Neustart der Säule nichts, in einem anderen konnte der Hotliner die Säule aus der Ferne gar nicht mehr erreichen. Zudem klappte auf unseren Testfahrten auch das eigentlich unterstützte Ad-hoc-Laden per QR-Code nicht. In den verbliebenen Fällen gelang das Laden zwar problemlos – aber etwas angekratzt ist das Vertrauen doch.

connect-Urteil: befriedigend (677 von 1000 Punkten)

EnBW

Bei der Zahl von HPC-Ladepunkten ist der baden-württembergische Versorger nach Ionity Nummer zwei im Test. Auch das Ladeerlebnis kann sich sehen lassen.

Vor allem im eigenen Bundesland betreibt der baden-württembergische Energieversorger ein dichtes und wachsendes Netz an Ladesäulen – darunter mittlerweile stolze 322 HPC-Schnellladepunkte (mit mindestens 150 kW). Die von den Testern angefahrenen Stationen könnten besser ausgeschildert und zum Teil besser beleuchtet sein, einen Wetterschutz haben wir in allen Fällen vermisst. Insgesamt erwiesen sich die EnBW-Stationen aber als sehr zuverlässig.

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Fels in der Brandung: EnBW-Säulen liefen zuverlässig.

Bei manchen Säulen könnte die Benutzerführung etwas intuitiver und informativer sein – doch das ist Klagen auf ziemlich hohem Niveau. Insgesamt zählen die getesteten EnBW-Ladepunkte mit etwas Abstand hinter Ionity zur Oberklasse. Auch Preiskommunikation und Service konnten überzeugen. Wünschen würden wir uns mehr Bezahloptionen und je nach Standort etwas mehr Komfort rund um die Stationen.

connect-Urteil: gut (794 von 1000 Punkten)

EON

Der Essener Energiekonzern kann ein großes Ladenetz aufweisen. Doch in unserem Test waren gleich zwei angefahrene Standorte nicht funktionsfähig.

Der in Essen ansässige Energiekonzern hat im März 2020 mit der Integration von Innogy auch dessen Ladenetz übernommen. Mittlerweile zählt dieses auch 119 High-Power-Charging-Ladepunkte. Daneben bietet der Konzern noch Ladelösungen für Privatkunden und Unternehmen an.

Fürs öffentliche Laden unterstützt der Anbieter neben seiner eigenen Ladekarte und der App „EON Drive“ verschiedene EMPs. Am EON Campus in Essen ist das Laden sogar kostenlos. An allen anderen EON-Schnelllade-Säulen ist ein Kreditkartenterminal installiert, das Ad-hoc-Laden besonders einfach machen soll.

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Ausfall: An zwei Standorten war Laden nicht möglich.

In unserem Test fielen allerdings gleich zwei Standorte dadurch auf, dass sie nicht funktionierten. An einer Autobahnraststätte waren die Säulen völlig tot, an einem Autohof schienen zumindest zwei von vier Säulen betriebsbereit, erlaubten dann aber kein Laden. Auch die Hotline konnte in diesen Fällen nicht weiterhelfen. An den verbliebenen Standorten zeigten zwar Beschilderung und Wetterschutz Mängel, aber das Laden klappte.

connect-Urteil: befriedigend (716 von 1000 Punkten)

E-WALD

Die Resultate des bayerischen Betreibers sind durchwachsen. Es gibt Verbesserungsbedarf, aber dank eines engagierten Gartencenters auch einen Lichtblick.

Der in Teisnach in der Nähe vom bayerischen Deggendorf ansässige Anbieter engagiert sich von Carsharing bis Ladenetzwerk und betreibt auch eine stattliche Anzahl von Ladestationen. Die zum Teil etwas versteckten Standorte glänzen allerdings kaum durch Beschilderung oder Wetterschutz. Oft verwendet E-Wald den selben Ladesäulen-Typ wie EnBW – während die Schwaben jedoch die Bedienerführung verbessert haben, nutzt E-WALD das Original, das den Fahrer zunächst mit dunklem Display begrüßt und auf das Anhalten einer Ladekarte wartet.

© umlaut

Lichtblick: Die Ladesäule im Gartenmarkt Bogama.

Im Detail gibt es also einigen Verbesserungsbedarf. Ein besonders positives Ladeerlebnis bot allerdings der Gartenmarkt Bogama im rheinland-pfälzischen Boppard. Inhaber Ingo Schwanenberger hat aus eigener Überzeugung nicht nur die Säule aufstellen lassen, sondern diese auch mit Solardach, Beleuchtung und Feedback-Briefkasten ausgestattet.

connect-Urteil: befriedigend (696 von 1000 Punkten)

Fastned

Mit Ökostrom, freundlich gestalteten Standorten und einer kompetenten Hotline bietet der niederländische Anbieter eine überzeugende Leistung.

Der niederländische Anbieter hat sich das Ziel gesetzt, in Europa ein Netz von 1000 Schnellladestationen aufzubauen, das komplett mit regenerativen Energien betrieben wird. Zum Testzeitpunkt waren davon 42 HPC-Ladepunkte in Deutschland verfügbar. In der Regel glänzen die Fastned-Stationen mit freundlicher Beleuchtung und einer Überdachung. Nur bei der Beschilderung dürfte Fastned noch etwas nachlegen. Zum Laden braucht man die Fastnet-eigene App, die allerdings eine sehr gut gelungene und problemfreie Ladeerfahrung bietet.

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Freundlich: Fastned-Stationen sind meist sehr angenehm.

Fährt man eine Fastned-Station an und öffnet die App, bietet diese sofort die dort verfügbaren Ladepunkte zur Auswahl an. Zudem bieten App und auch Säule eine Vielzahl interessanter und nützlicher Informationen zu Auto und Ladevorgang. Ein dickes Lob gebührt zudem der kompetenten Hotline, die sogar auf Eigenheiten des Fahrzeugs einging.

connect-Urteil: gut (769 von 1000 Punkten)

Ionity

Das Gemeinschaftsprojekt mehrerer namhafer Autohersteller fährt, wie schon in unserem vorherigen Test im Sommer, erneut souverän den Gesamtsieg ein.

BMW, Ford, Hyundai, Mercedes-Benz und Volkswagen inklusive seiner Marken Audi und Porsche sind die Gründer von Ionity. Gemeinsam wollen sie ein europaweites Netzwerk von High-Power-Charging-Stationen aufbauen, in dem nach Endausbau die Entfernung zwischen zwei Stationen nicht mehr als 120 Kilometer betragen soll.

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High End: An Ionity-Säulen weiß man, was man bekommt.

Zwischen unseren Testfahrten im April und September ist die Zahl der Ladepunkte in Deutschland bereits von 330 auf 378 gewachsen. Auch wenn wir bei Details wie Ausschilderung, Wetterschutz und Bezahlmöglichkeiten noch Verbesserungspotenzial sehen, bieten die getesteten deutschen Ionity-Ladesäulen schon heute ein absolut überzeugendes Ladeerlebnis und hohe Zuverlässigkeit.

connect-Urteil: sehr gut (855 von 1000 Punkten) ; connect-Testsieger

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Testsiegel connect-Testsieger: Ionity

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